30 Jahre Stimmrechtsalter 18: Warum nicht gleich Stimmrechtsalter 16?

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Marco Arni war bereits als Bezirksschüler Parteimitglied. Bild: bkr

3. März 1991 – ein Abstimmungssonntag. In allen Kantonen und mit 72,7 Prozent Ja-Stimmen wurde das Stimmrechtsalter auf 18 Jahre gesenkt. Einzig die konservative EDU setzte sich gegen die Neuerung ein.

Der politische Prozess für dieses Ja begann 1970 mit ersten parlamentarischen Beratungen. Ein wichtiger Schritt war ein vom Genfer Nationalrat Jean Ziegler (SP) 1975 lancierte parlamentarische Initiative. National- und Ständerat befürworteten in ihrem Sog die Herabsetzung des Stimm- und Wahlrechtsalters – gegen den Willen des Bundesrates, der die Initiative als nicht dringlich ansah und auf ablehnende Volksabstimmungen in den Kantonen hinwies.

Die Vorlage wurde denn auch in einem ersten Anlauf 1979 vom Volk knapp mit 50,8 Prozent Neinstimmen abgelehnt. Bemerkenswert: Kantone, die vor 50 Jahren tendenziell gegen das Frauenstimmrecht waren – vor allem in der Innerschweiz –, setzten sehr früh das Stimmrechtsalter herab. So dürfen die 18- und 19-Jährigen im Kanton Schwyz schon seit 1833 wählen.

1991 war das Jahr im Vorfeld einer Volksabstimmung, welche mit einer bedeutenden Weichenstellung für unser Land verbunden war. Am 6. Dezember 1992 wurde das Volks-Nein zur Ratifizierung des EWR-Abkommens mit 50,3 Prozent der Stimmen beschlossen. Die Stimmbeteiligung von 78,7 Prozent war die höchste seit vielen Jahrzehnten und wurde seitdem nie mehr übertroffen.

Marco Arni, heute Geschichtslehrer an der Kantonsschule Zofingen, lebte 1991 in Würenlingen und war ein 15-jähriger Bezirksschüler. Wie hat der die Einführung des neuen Stimmrechtsalters erlebt? «Damals war ich bereits Mitglied einer Partei», sagt Arni, der in Zofingen neuneinhalb Jahre lang für die GLP im Einwohnerrat politisiert hat und Präsident der Fraktion der Dynamischen Mitte (DYM) war. Arnis damalige Partei – die es heute nicht mehr gibt – war ebenfalls liberal. «Beigetreten bin ich, weil eine Partei für einen Nichtstimmberechtigten der einzige Weg ist, Politik aktiv mitzugestalten.» Speziell das Thema EWR war ihm sehr wichtig. Die Senkung des Stimmrechtsalters bedeutete für ihn, zwei Jahre weniger lang warten zu müssen.

Wie nimmt Arni als Geschichtslehrer heute das politische Interesse der 18- bis 20-Jährigen wahr? «Meine Schülerinnen und Schüler sind sehr interessiert», sagt er. Er dürfe davon ausgehen, dass sie auch an Abstimmungen teilnehmen. Engagement in Parteien? Eher nein, dies sei für viele ein zu grosser Schritt. Was sagt Arni zum aktuell diskutierten Stimmrechtsalter 16? Er meint, dass wenig dagegen spreche. «Im Lehrplan 21 der Volksschule ist die politische Bildung ein wichtiger Gegenstand – bereits unter 16-Jährige werden so an die Themen der Politik herangeführt. Das an seinen Namen adressierte Stimmcouvert im Briefkasten zu haben, liefert einen weiteren Schub, um sich mit Politik auseinanderzusetzen.»

Was hat Stimmrechtsalter 18 politisch bewirkt? Wie kann man das messen? Volksabstimmungen sind geheim und die Fragen immer wieder andere. Das Bundesamt für Statistik hat hilfsweise die Altersverteilung bei der Wahl in den Nationalrat beigezogen. Interessanterweise zeigt sich über die Zeit eine gewisse Konstanz beim Durchschnittsalter des Nationalrates. Zwar sank dieses von 51,7 Jahren bei den Wahlen 1971 auf 49,0 Jahre bei den Wahlen 2019. Der grosse Anteil der Parlamentarierinnen und Parlamentarier bewegt sich aber immer noch im Alter von rund 40 bis 60 Jahre – obwohl heute viel mehr junge Kandidierende antreten. Das jüngste je gewählte Mitglied ist immer noch Toni Brunner (SVP), welcher 1995 mit 21 Jahren gewählt wurde.

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