Unterstützung trotz Corona: Die Mauerfans vom Brügglifeld

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Das Team des FC Aarau bedankt sich nach den Spielen jeweils bei den «Mauerfans» für die Unterstützung. (Bild: Freshfocus)

Folgender Spruch macht die Runde: «Der FC Aarau spielt zwar nur in der zweiten Liga, dafür hat er den höchsten Zuschauerschnitt aller 20 Profiklubs.» Zuschauer? Trotz coronabedingt geschlossenen Stadien? Nun – im Innenraum des Stadions Brügglifeld ist es wie überall in der Schweiz: Zugelassen sind neben den Mannschaften, Trainern und Betreuern verletzte und nicht aufgebotene Spieler, die wichtigsten Klubfunktionäre sowie Personen, die zum Arbeiten da sind (zum Beispiel Journalisten, Stadionspeaker, Platzwart oder Sicherheitspersonal). Alle anderen müssen draussen bleiben.

Wobei «draussen» im Fall Brügglifeld bedeutet: Wer sich auf einen Hocker, auf ein Harass oder auf sein Velo stellt, hat auf der Bachseite freien Blick auf das Spielfeld – der niedrigen Stadionmauer, einer von vielen Einzigartigkeiten im Unikat Brügglifeld, sei Dank.

Dort, wo in Normalzeiten Personen mit Stadionverbot oder solche, die sich das Ticket nicht leisten können oder wollen, über die Mauer lugen, treffen sich nun also jene Hartgesottenen, die «ihrem» FCA trotz geschlossenen Stadiontoren möglichst nah sein wollen. Während des Spiels sind ihre Anfeuerungsrufe gut zu hören, nach dem Schlusspfiff, wenn Aarau gewonnen hat, gibt es eine Laola-Welle mit den Spielern – dazwischen die Stadionmauer.

Ein «friedliches Zusammenkommen»
Was Ende September 2020 mit gut einer Handvoll Fans begann, wuchs von Heimspiel zu Heimspiel zur Versammlung von teilweise bis zu 70 Personen. Seit dem ersten Spiel mit dabei ist der leidenschaftliche FCA-Fan und Buchser Einwohnerrat Reto Fischer, er sagt: «Es ist ein friedliches Zusammenkommen, jeder nimmt vor dem Spiel seinen Platz ein und bleibt bis zum Schluss dort. Immer wieder bekomme ich mit, dass Personen ohne Gesichtsmaske aufgefordert werden, eine solche überzuziehen.»

Obwohl ganz genau betrachtet an der Stadionmauer hie und da die Coronaregeln missachtet werden (Versammlungsverbot, Abstand, Maskenpflicht), gab es bislang keine Intervention von Seiten der Sicherheitsbehörden. Nicht etwa, weil die Kantonspolizei nichts davon mitbekommt. Diese teilt mit, dass sie weiterhin bei jedem FCA-Heimspiel im und ausserhalb des Stadions präsent sei, aus Gründen der Verhältnismässigkeit aber auf das Auflösen der Fangruppe verzichte. Nach dem Motto: «Gesunder Menschenverstand bringt oft mehr als gesetzlicher Übereifer.» Solange alles friedlich bleibt, lässt man die Fans gewähren. Dies entspricht der Polizeistrategie bei ähnlichen Happenings wie der Anti-Corona-Demonstration in Wohlen oder der Fasnacht in Würenlingen.

SFL-Sicherheitsabteilung blitzte mit Eingriff-Wunsch ab
So nachvollziehbar die Defensivtaktik der Polizei, so nachvollziehbar die Verstimmung bei der Swiss Football League (SFL): Die Dachorganisation der zwei Schweizer Profiligen Super League und Challenge League vertritt während der Pandemie die Interessen der Fussballklubs gegenüber den Behörden und der Politik – mit dem Ziel, möglichst früh, möglichst viele Lockerungen zu bewirken. Zum Beispiel, dass wieder Zuschauer in die Stadien dürfen.

Die Bilder aus Aarau dürften in diesen Verhandlungen zumindest kein hilfreiches Argument sein. Im Rahmen der üblichen Inspektionen in den Schweizer Stadien sprach die SFL-Sicherheitsabteilung die Aargauer Polizei auf die Fanmauer an, blitzte jedoch gemäss AZ-Informationen mit dem Wunsch, dass eingegriffen wird, rasch ab. Weil die Fans sich ausserhalb des Stadions befinden, hat die SFL selber in der Angelegenheit keinen Handlungsspielraum, sprich kann niemanden von der Stadionmauer wegweisen.

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Ein FCA-«Mauerfan» beim Thun-Spiel. (Bild: Freshfocus)


Das gilt auch für den FC Aarau. Doch naturgemäss steht der Klub auch in Zeiten von leeren Zuschauerrängen im Austausch mit den Fans und hat diese gebeten: Wenn sie sich schon an der Stadionmauer versammeln, dann in gesittetem Rahmen und so gut wie möglich unter Einhaltung der Coronaregeln. Falls nötig, hilft der FCA gerne mit einer Packung Gesichtsmasken aus.

Präsident Philipp Bonorand sagt: «Der FC Aarau ist verantwortlich für den Innenraum, wir können den Fans nicht verbieten, die Mannschaft von ausserhalb des Stadions anzufeuern. Solange es friedlich bleibt und die Fans sich an die Covid-19-Regeln halten, freuen wir uns über die Unterstützung und begrüssen die Deeskalationsstrategie der Polizei.»

Trotz frühlingshafter Temperaturen waren bei den letzten zwei Heimspielen gegen Winterthur und Thun erstaunlicherweise deutlich weniger Fans an der Stadionmauer als zuvor. Hintergrund: Die Fanorganisation «Szene Aarau» hat mitbekommen, dass die SFL in diesen zwei Spielen das Brügglifeld inspiziert und dabei ihr Augenmerk auf die Stadionmauer legt. Gleichzeitig hat die Kapo Aargau ihr Aufgebot rund um das Stadion leicht erhöht. Um den FC Aarau vor allfälligen Schwierigkeiten zu bewahren, hat ein Grossteil der «Mauerfans» auf den Besuch der Spiele verzichtet.

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