Scott Bärlocher entscheidet die Wahl zum Aargauer Sportler des Jahres für sich

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Scott Bärlocher posiert mit der Trophäe des Aargauer Sportlers des Jahres. (Bild: Alexander Wagner)

Am Anfang war es nur Zufall. Jetzt ist es sein Leben. Eines, das aufregender nicht sein könnte. Wer hätte das gedacht? Scott Bärlocher bestimmt nicht, als er 2012 am Sporttag der Bezirksschule Wettingen auf ein Ruderergometer stieg. Seit gestern ist er Aargauer Sportler das Jahres und träumt von einem Olympiastart im Sommer in Tokio. Als Ruderer.

Wie konnte das passieren? Schuld ist der Ruderklub Baden, der einige Trainingsgeräte für den Sporttag zur Verfügung stellte. Eine Minute lang mussten die Turner rudern. Die zehn Besten wurden zu einem Schnuppertag eingeladen. Bärlocher gehörte dazu. Und fand den Sport «ziemlich langweilig im Vergleich mit Tennis, Unihockey oder Judo». Wenn er daran denkt, muss er lachen. Heute rudert er täglich mehrere Stunden. Was langweilig erschien, wurde zu seiner Leidenschaft.

Als 15-Jähriger war Bärlocher ein Späteinsteiger. Die Kriterien für die Aufnahme an die Sportschule erfüllte er nicht und ging stattdessen an die Kantonsschule Baden. Er sagt: «Man kann auch so sieben- oder sogar achtmal in der Woche trainieren. Wenn man es will.» Und als Ruderer muss man viel wollen. Zum Beispiel auf dem Ergometer. Verliebt hat sich Bärlocher in das Trainingsgerät bis heute nicht. Trotzdem sitzt er oft darauf, vor ihm eine weisse Wand, auf dem Display die Leistungsdaten. Spannend ist das nicht. Aber nötig. Er sagt: «Selbstdisziplin habe ich früh gelernt.» Als Schüler der Normalschule auf dem Weg zum Spitzensportler.

Vier Mahlzeiten, um den Energiebedarf zu decken

Bärlocher ist in Wettingen und Würenlos aufgewachsen. Seine Mutter, eine gebürtige Schottin, hat sich in Vancouver in seinen Vater verliebt. Einen Schweizer, der das Reisen ebenso liebt wie sie. Ein Zuhause fanden sie trotzdem: im Aargau. Die Leidenschaft fürs Reisen hat Bärlocher übernommen. Als Ruderer ist er oft unterwegs. Seine Sportart ist global. «Ich geniesse es, unterwegs zu sein», sagt Bärlocher. Rund 50000 Franken kostet ihn sein Sportlerleben im Jahr. Allein für mehrere Trainingslager und Wettkämpfe gibt er 15000 aus. Den Grossteil übernehmen die Eltern. Die Sponsorensuche ist schwierig.

Ist Bärlocher in der Schweiz, dann meist in Sarnen. Dort hat der Ruderverband sein Leistungszentrum. Die Ruderer wohnen in einer Jugendherberge, wo sie selbst kochen können. Das ist wichtig. Ein erwachsener Mann soll pro Tag 2200 Kilokalorien zu sich nehmen, sagt der Richtwert. Bärlocher braucht bis zu 6000 Kilokalorien, um seinen Energiebedarf zu decken. Dafür nimmt er vier grosse Mahlzeiten am Tag zu sich. Dazu kommen Proteinpulver und Vitamine als Ergänzung. Kostenpunkt im Jahr: 12000 Franken.

Seit 2017 trainiert Bärlocher in Sarnen. Damals wurde er in das U23-Kader aufgenommen. Seit vergangenem Jahr gehört er zur Elite. Weil die Sommerspiele in Japan um ein Jahr verschoben wurden, hörten zwei Ruderer, die für das Olympiaboot in der Kategorie Vierer ohne Steuermann vorgesehen waren, auf. Bärlocher rutschte nach. Er ist nun einer von sechs Männern, die sich für einen der vier Plätze empfehlen wollen. Seine Rivalen sind gleichzeitig seine Freude. «Für Aussenstehende mag das speziell sein», sagt er. «Für uns ist das normal.»

Ein Studium an der ETH in Zürich als Nebenprojekt

Bärlocher hat mitbekommen, dass sich zuletzt einige Ruderer über die Selektionskriterien in Sarnen beschwerten. Er selbst sei zufrieden, wie es läuft. «Bei uns entscheiden die Leistungsdaten. Diese haben wir schwarz auf weiss. Da gibt es keinen Grund, um zu diskutieren», sagt er. «Ich finde, der Ruderverband kam in vielen Medienberichten zu schlecht weg.» Dass einige, wie die Spitzenruderin Jeannine Gmelin, den Alleingang wagen, findet er normal. «Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Für mich stimmt es, wie es derzeit läuft», sagt der 23-jährige Aargauer.

Seit 2019 studiert Bärlocher an der ETH in Zürich Elektrotechnik. Auf etwa 50 Prozent eines normalen Arbeitspensums schätzt er den Aufwand. Zeit, sich ums Lernen zu kümmern, hat er aber nur am Montag, dem einzigen Erholungstag in der Woche – und sonst am Abend. Er sagt: «Wenn man für etwas zu viel Zeit hat, nutzt man sie nicht richtig.» Da ist sie wieder, die Selbstdisziplin, die ihn so weit brachte.

Und jetzt? Die Wahl zum Aargauer Sportler des Jahres bezeichnet er als bisher grösste Auszeichnung in seiner Karriere. Aber es soll bestimmt nicht die letzte bleiben. «Eigentlich hatte ich die Olympischen Spiele 2024 in Paris als grosses Ziel. Nun bekomme ich vielleicht schon drei Jahre früher eine Chance», sagt er. Unter Druck setzen lässt er sich allerdings nicht: «Falls ich es nicht in das Viererteam schaffe, habe ich noch viele Möglichkeiten.» Aus dem Quereinsteiger ist einer der hoffnungsvollsten Schweizer Ruderer geworden, ein Aargauer Sportler des Jahres.

Vor neun Jahren, als am Sporttag plötzlich die Ruderergometer standen, hätte er von solchen Perspektiven nicht einmal geträumt. «Dass aus mir irgendwann ein Sportler mit Olympiaambitionen wird, wer hätte das gedacht?» Und dann erst noch als Ruderer.

Wahl des Aargauer Sportler des Jahres

1. Scott Bärlocher (Rudern) 1490 Stimmen

2. Daniel Eich (Judo) 1040 Stimmen

3. Team Bern Schwaller (Curling) 978 Stimmen

4. FC Aarau (Fussball) 593 Stimmen

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