Ein Aarauer Pannenfestival in Chiasso führt zur überraschenden Pleite

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Selbst der sonst so sichere Abwehrchef Leon Bergsma patzte an diesem Abend in Chiasso. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Und dann, als wäre der Frust nicht schon gross genug, bekommen die Aarauer auch noch den Spott des Tessiner Speakers ab. «Wir wünschen den Gästen eine gute Heimreise», ruft dieser schwungvoll ins Mikrofon – im Wissen, dass während der dreistündigen Rückfahrt im FCA-Teambus Totengräberstimmung herrschen wird.

Alles geht an diesem Abend aus Sicht der Gäste schief – dabei haben sie sich für das Duell gegen den Tabellenletzten viel vorgenommen und sind zwecks optimaler Vorbereitung schon am Vortag ins Tessin gereist. Doch dann dauert es nach dem Anpfiff keine vier Minuten, bis ausgerechnet der bislang überragende Innenverteidiger Leon Bergsma von Gegenspieler Bahloul an der Strafraumgrenze düpiert wird und geschlagen zusehen muss, wie in der Mitte Bnou Marzouk problemlos zum 1:0 für Chiasso einschiebt.

In der Folge bestätigt sich, dass es für einen frühen Rückstand kaum einen ungünstigeren Ort als das Stadio Riva IV gibt. Mit dem Wiederanpfiff nach dem 1:0 stellt das Heimteam den Offensivbetrieb ein und verbarrikadiert fortan den eigenen Strafraum. Ein Weitschuss von Elsad Zverotic, der knapp über die Latte fliegt, ist lange die einzige nennenswerte Offensivszene der Gäste. Einerseits stellt Chiasso die Räume geschickt zu, andererseits machen die auf dem Papier überlegenen, in der Praxis aber ungenau und träge agierenden Aarauer dem Gegner das Verteidigen auch leicht.

So plätschert die Partie bis kurz vor der Pause vor sich hin, ehe die Aarauer auf die Idee kommen, ihr Glück mit Tempo über die Flügel zu versuchen. Und siehe da: Das einfache Mittel führt prompt zu drei Grosschancen, jedoch nicht zum Ausgleich, weil zwei Mal Mickael Almeida und Liridon Balaj aus bester Position den Ball nicht im Tor unterbringen.

Fussballspiele werden vor den beiden Toren entschieden. Und weil sich der FC Aarau sowohl im eigenen als auch im gegnerischen Strafraum nicht wie ein Spitzenteam anstellt, steht es zwei Minuten nach dem Seitenwechsel 2:0 für Chiasso. Zuerst lässt Bergsma den Ball nach einem Abschlag vom Tessiner Goalie Safarikas passieren, worauf sein Nebenmann Jérôme Thiesson die Orientierung verliert. Bnou Marzouk lässt sich nicht zweimal bitten und verdoppelt via Innenpfosten den Vorsprung für den Tabellenletzten.

Wechsel auf die andere Spielfeldseite, wo das Aarauer Pannenfestival in Form eines verschossenen Penaltys seine Fortsetzung findet: Statt Olivier Jäckle, der in dieser Saison schon zweimal vom Punkt gescheitert ist, versucht sich Balaj – und sieht seinen Schuss von der Latte ins Feld zurückprallen. Das gleiche Szenario in der Schlussphase nach einem Halbvolley von Caserta: Pfosten und raus statt Pfosten und rein.

Ärger und Glück für FCA: Auch die Konkurrenz patzt

Zwei Mal vor dem eigenen Tor bös gepatzt, auf der anderen Seite fünf Grosschancen teils fahrlässig liegengelassen – die Summe dessen führt in der undankbaren Ambiance von Chiasso zwangsläufig zur achten Saisonniederlage. Eine, über die sich die Aarauer nach dem Blick auf die Resultate der Konkurrenz noch mehr ärgern als eh schon: Schaffhausen verliert zeitgleich 1:3 gegen Stade Lausanne-
Ouchy, womit der Rückstand des FCA auf den Barrageplatz statt zwei weiterhin fünf Punkte beträgt.

Andererseits hat die Schaffhauser Niederlage auch ihr Gutes, denn acht Punkte Rückstand auf das Yakin-Team wären zwölf Spieltage vor Schluss sehr schwer aufzuholen. Immerhin ein kleiner Trost auf der langen Heimreise von Chiasso nach Aarau.

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