«Die Sliwowitz-Mama» – Splitter von unterwegs

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Deny Lanz am Ufer der Aare in Aarburg. Bild: Janet Schulz

«Sie soff zehn Sliwowitz in der Stunde und gewann selbst dann noch jede Dart-Runde. Auserdem hatte man den Eindruck, dass sie niemals betrunken werden konnte. Das imponierte den Kerlen.» Der Klappentext von Deny Lanz’ Debut-Werk weckt die Neugier und lässt zugleich eher Moll- als Dur-Tonart erahnen. Der 45-jährige in Oftringen wohnhafte und in Langenthal aufgewachsene Autor ist ein Unangepasster. Er ist gerne unterwegs – und zelebriert dies auch. Den Notizblock führt er dabei stets in der Jackentasche mit sich.

Der Autor ist von seinen Hamburger Jahren als Sänger und Texter der Deutschrock-Band «Nachtfischer» mit dem Blick für das etwas Abseitige oder auch Randständige mit viel Erfahrungswert geschult. In seinen Gedichten und seiner Kurzprosa wetterleuchtet daher der Underground. In der Sperrigkeit liegt ein bewusstes Kontrapunktieren. Allzufein gedrechselt sind die Gedichte nicht so sehr – authentisch, direkt und unvermittelt dafür umso mehr. Mehr als ein Kurztext endet mit einem herzhaften Fluch. Manche Male neckt auch eine Pointe. Das titelgebende Prosastück behandelt «Die Wirtschafts-Krise». Ein Lottogewinn führt dazu, dass einer tschechischen Spelunke der Lack abblättert.

Nonchalance als Attitüde

Der Momentkiesel «Wunder» aus Deny Lanz’ Bändchen weiss hingegen zu glänzen: «Sei realistisch. Erwarte ein Wunder. Stand in einem Zeitungshoroskop. Gar nicht schlecht, dachte ich. Und nahm es mir als guten Vorsatz zum neuen Jahr.» Mit Hintersinn sagt dieses Stücklein jeglichem Glückversprechen ab, der literarische Ich nimmt es stattdessen selber in die Hand. Glück kann warten, es lässt sich eh nicht erhaschen. Vielmehr liegt es laut diesen 54 Splittern stets darin, dem Moment ausgesetzt unterwegs zu sein.

Die Reisen führen in den Osten zu Stationen wie Pilsen, dem Prager Stadtteil Žižkov, St. Petersburg. Zwischendurch heissts stranden in Olten. Doch alsbald reisst es den Autor via München an den Lago Maggiore und Locarno südwärts. Oder gen Norden, zum Vagabundieren durch deutsche Lande. Das weitet das Herz. Begegnung mit Geliebten, Zuhältern, Kneipenwirten, Alleingelassenen und Tagträumern lassen den Schreibenden sinnieren. Alkoholika in mannigfaltigen Erscheinungsformen tränken das Empfinden, schärfen den Blick – und werfen auch mal ein Loblied aufs Bier ab. Oder eine Ode an den literarischen Ziehvater Charles Bukowski. Auch Jack Kerouac riecht genug nach Strasse.

Arbeit ist des Dichters nicht

Das Schreiben könnte weniger Arbeit sein. Presslufthammergleich glaubt der Autor mitunter in die Tasten zu hauen. Das stete Bosseln und feilen kann wunde Finger zeitigen und weckt prompt ein Pfeifdrauf. «Irgendwann ist Schluss! In Zukunft verfertige ich nur noch Endfassungen. Spart Zeit, Papier und Nerven.»

Auch wenn es manchmal etwas gar attitüdenhaft zelebriert wird: Wer den Underground, das unangepasste Unterwegssein und den Szenengroove liebt, ist mit den ansehnlich getränkten literarischen Brosamen von Deny Lanz gut bedient. Zum Beispiel unterwegs im Zug ins Nirgendwo. Die Kehle geölt von einem kühlen Bier. Maskenlos selbstverständlich.

Deny Lanz. Die Sliwowitz-­Mama. Gedichte & Kurzprosa. ISBN: 978-3-948172-04-6. Container press. Walheim

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Deny Lanz’ Debut ist mit Gedichten und Prosa. Bild: zvg

Zur Person

Deny (Denis) Lanz wurde 1975 in Langenthal geboren. Er hat eine Bürolehre in einem Zeitungsverlag absolviert. Für einige Jahre hat er in Hamburg gelebt, wo er als Sänger der Band «Nachtfischer» erste Texte verfasst hat. Heute lebt er in Oftringen und ist als Anzeigenverkäufer beim «Landanzeiger» tätig.

Zum Verlag

container press wurde 2019 von Andreas Schumacher-Rust gegründet, um komische Literatur verschiedener Gattungen, Genres und Spielarten zu veröffentlichen. Das erste Verlagsprogramm bildeten der Gedichtband «Salzburg Flood» von Johannes Witek und Schumachers eigene Lyriksammlung «Biotonnenmutationen». Mitte 2020 erschien mit der Geschichten- und Groteskensammlung «Sein letztes Lächeln» des Hamburgers Rüdiger Saß der erste Prosaband, während nun aktuell in Deny Lanz’ «Die Sliwowitz-Mama» Prosa und Lyrik erstmals innerhalb einer Veröffentlichung aufeinandertreffen. (zg)

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