Seilziehen mit Maske ist wie jede Woche ein Höhentraining im Flachland

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Mit genauso viel Einsatz wie ohne Corona-Massnahmen trainieren die Ebersecker in ihrer Anlage. (Bilder: gam)

Corona hinterlässt auch bei den Seilziehern in Ebersecken Spuren. Nicht so tiefe Furchen wie ihr Schuhwerk, wenn sich die kräftigen Frauen und Männer regelrecht eingraben und mit gutem Stand am Seil reissen. Aber lässt man den Blick durch die clubeigene, etwas in die Jahre gekommene Trainingsanlage schweifen, passen etwa die an Haken und Schaufelstielen hängenden Hygienemasken nicht ins Bild.

Schutzmasken tragen auch die vier Frauen und acht Männer, die sich an jenem Abend zum Training einfinden. Das Aufwärmen geht einigermassen spurlos an ihnen vorbei. Dann bilden die Ebersecker Sechserteams. «Einstehen», heisst es vonseiten der beiden Betreuer. Im Abstand von knapp einem Meter reihen sich je sechs Personen ein und warten aufs Kommando: «Seil auf, pull!». Die Kämpfe dauern mehrere Minuten, der Anstrengung machen die Seilzieher mit lautem Atmen, Ausrufen und Anfeuern Luft.

Durchatmen, trinken und die Hände pflegen

Wobei – das mit der Luft ist so eine Sache. Scheint es nur so, oder ist das Training mit der Maske deutlich anstrengender? «Es ist schon anders als ohne», sagt Stéphanie Arnet, Vorstandsmitglied und seit mehreren Jahren im Seilziehclub Ebersecken aktiv. Sie jedenfalls geht in einer Pause nach draussen, um durchzuatmen. Vereinskollege Christoph Bär sagt grinsend: «Unter der Maske hast du weniger Luft, es ist ein bisschen wie in einem Höhentraining, das wir hier zuhause machen können und danach wahrscheinlich total parat sein werden.» Mit Fortdauer der Übungseinheit fliessen die Schweisstropfen stärker. Spuren hinterlässt nun auch der vom Boden aufwirbelnde Staub an den feuchten Masken. Die Trinkpausen geniessen die Seilzieher umso mehr, weil sie da kurz ohne Fetzen vor dem Mund sein dürfen. Ehe es wieder «Seil auf» heisst, reiben sich die Frauen und Männer die Hände ein – nicht mit Desinfektionsmittel, sondern mit Harz, für einen besseren Griff am Seil.

Aktuelle Covid-19-Regeln
Seit dem 1. März sind sportliche Aktivitäten bis zum 20. Altersjahr (Jahrgang 2001) uneingeschränkt möglich. Diese Personen dürfen ohne Maske und Abstand im Innen- und Aussenbereich trainieren. Wettkämpfe (ohne Zuschauer) sind erlaubt. Für Personen ab dem 20. Altersjahr hingegen bleiben Innensportanlagen bis auf Weiteres geschlossen, davon ausgenommen sind Reitsportanlagen. Sportliche Aktivitäten im Freien sind in fixen Gruppen bis max. 15 Personen und ohne Körperkontakt erlaubt. Wenn der Abstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann, muss eine Maske getragen werden. Kontaktsportarten sind auch im Freien bis auf Weiteres nicht erlaubt. Einzel- oder Technik-, Kraft- und Haltungstrainings ohne Körperkontakt sind draussen gestattet. Ein Schutzkonzept ist nötig, sofern mehr als fünf Personen teilnehmen. Leistungssportler, die eine Swiss Olympic Card besitzen oder einem Nationalkader eines nationalen Sportverbands angehören, dürfen trainieren und Wettkämpfe (ohne Publikum) bestreiten. Nächste Lockerungen könnten am 22. März erfolgen. (gam)

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Harz statt Desinfektionsmittel: die Seilzieherinnen und Seilzieher schützen ihre Hände vor Schürfungen.

 

Die Seilzieher bestreiten ihr Dienstagstraining am Seil, am Donnerstag sind sie im Kraftraum. Beides mit der Zuversicht, dass es heuer ein wettkampfreicheres Sportjahr gibt als 2020, als die Schweizer Meisterschaft sowie alle internationalen Turniere abgesagt wurden. Stattdessen fanden nur im Spätsommer und Herbst wenige Events statt. Der Turnierplan 2021 hängt am Infobrett, versehen mit einem «provisorisch»-Stempel. Am 24. April wäre Saisonstart, am 3. und 4. Juli das Heimturnier und die WM ist in Holland geplant.

Wie es ist, eine Trainings-Zwangspause einlegen zu müssen, wissen die Ebersecker vom letzten Frühling, als ihre Anlage geschlossen war. Warum aber dürfen sie aktuell überhaupt gemeinsam am Seil ziehen? «Swiss Olympic und der Schweizer Tauzieh-Verband einigten sich im Dezember darauf, dass jene Seilzieher, die in der Nationalmannschaft engagiert sind und internationale Wettkämpfe anstreben, Leistungssport betreiben», erklärt Erich Joller, Präsident des SZC Ebersecken. Er ist dankbar, dass sich die jahrelange Arbeit «seines» Vereins zu Corona-Zeiten auszuzahlen scheint. In vielen Nationalmannschaften figurieren diverse Ebersecker auf der Kaderliste.

So tragen fast alle ihr rotes Kaderhemd, als sie im Luzerner Hinterland an Technik und Form feilen. Auch der Nachwuchs der Ebersecker hat den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. Die Kinder pilgern zahlreich in die Halle. «Das war letztes Jahr nicht immer so», blickt Erich Joller zurück, «gewisse Eltern hatten zu viel Respekt, ihre Kinder könnten sich im Training anstecken und behielten sie daheim.» Die Befürchtung, Mitglieder zu verlieren, war zeitweilen gross, sagt Joller. «Aber wenn du jetzt siehst, wie glücklich alle sind, wieder zusammen schwitzen zu können, ist diese Angst weg.» Wichtig sei nun die Aussicht auf Wettkämpfe, betont Joller: «Die Motivation, im Training an Grenzen zu gehen, war nicht dieselbe, als alle wussten, sie können dann in keinem nationalen oder internationalen  Wettbewerb zeigen, was sie erarbeitet haben.»

Das Sägemehl bleibt für die Aktivschwinger Tabu

Ein fast so ruhiges Sportjahr wie 2020 droht den Schwingern. Diverse Feste wurden abgesagt oder verschoben. Weil es ihr Verband bislang so will, gelten selbst Schwingerkönige und Kranzgewinner nicht als Leistungssportler. Wer älter ist als 20, darf nicht trainieren (wir berichteten).

Im Schwingklub Zofingen greift immerhin der Nachwuchs wieder zusammen. Jungschwinger-Obmann Lukas Steiner spricht zwar davon, dass seine «Jungs» letztes Jahr auch motiviert und trainingsfleissig waren, als es keine Wettkämpfe gab, betont aber: «Seit wir wissen, dass es wohl bald wieder Jungschwingertage gibt, sind im Schwingkeller alle noch mehr bei der Sache. Sich mit anderen Clubs zu messen, fehlte uns schon.» Jene, die diese Saison ab Volljährigkeit zu den Aktivschwingern hätten wechseln sollten, bleiben in Zofingen momentan bei den Jungschwingern. Gut möglich, dass der Verband die Alterskategorien diese Saison anpasst. Damit jene zwischen 18 und 20 in den Genuss von Festen und Trainings kommen und dem Schwingsport nicht den Rücken kehren. Vor Letzterem hat Steiner bei seinen Jungschwingern keine Angst. Er schuf eine Trainingsgruppe für 16- bis 20-Jährige und sagt: «Der Zusammenhalt ist bei uns enorm gut. Daran ändern Corona oder Massnahmen nichts.»

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