«Integration ab der ersten Minute» – das ist die Hoffnung für das neue Asylzentrum in Aarau

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Dieses Haus soll einem Neubau weichen. Michael Küng
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Jean-Pierre Gallati: «Ziel ist, dass auch andere Gemeinden sagen: Das ist eine gute Sache, es erleichtert die Integration der Flüchtlinge.»

50 Asylsuchende leben heute im ehemaligen Kantonsschülerhaus an der Rohrerstrasse in Aarau. Doch für das Areal bestehen grosse Pläne: Der Kanton will das alte Haus abreissen und einen Neubau erstellen, der ab dem Jahr 2028 bis zu 250 Personen beherbergen soll.

Im «Integrationszentrum für Familien und Einzelpersonen mit Bleibeperspektive» sollen jene leben, die als Flüchtlinge anerkannt, vorläufig aufgenommen sind oder zumindest realistische Aussichten auf einen Verbleib haben. «Im Zentrum steht die Integration ab der ersten Minute», so Regierungsrat Dieter Egli (Volkswirtschaft und Inneres) an einer gestrigen Medienkonferenz. «Diese Menschen haben einerseits selber ein Interesse daran, andererseits hat der Kanton einen klaren Integrationsauftrag. Wir möchten die Menschen mit Bleibeperspektive aktiv begleiten.»

Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (Gesundheit und Soziales) brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass das erste grosse Aargauer Integrationszentrum «ein Erfolgsmodell» werde. «Ziel ist, dass auch andere Gemeinden sagen: Das ist eine gute Sache, es erleichtert die Integration der Flüchtlinge.»

Am Standort Aarau könne man vielfältige Synergien nutzen, so Gallati weiter: Das Amt für Migration sei hier, das Case Management Integration, viele Deutschkursangebote und eine gute medizinische Versorgung.

Laut Gallati liegen die Kosten bei ungefähr 32 bis 35 Millionen Franken – abhängig auch davon, ob mit oder ohne Tiefgarage geplant wird. Der Regierungsrat verspricht, im Gegenzug 300 kantonale Unterbringungs­plätze auf Stadtgebiet und in angrenzenden Gemeinden abzubauen. Wo genau, ist noch nicht klar, zumal auch die Situation in acht Jahren nicht abgeschätzt werden kann. Im Gespräch sind unter anderem das Schwesternhaus (Suhr) und das «Rössli» (Unterentfelden), nicht aber die Unterkunft für unbegleitete Minderjährige an der Weihermattstrasse Aarau.

«Für die Stadt dürfen keine zusätzlichen Kosten entstehen»

Die Stadt Aarau steht dem Projekt positiv gegenüber. Auch, weil sie einen guten Deal macht: Die Rede ist von einem «Flächenabtausch von schulisch genutzten Flächen». Konkret sollen im Rössligut-Quartier (nördlich der Rohrerstrasse) neue Sportanlagen für die Alte Kantonsschule entstehen; hauptsächlich Turnhallen – als Ersatz für die heutigen Sportanlagen in der Telli. Dort hat der Kanton nämlich noch für 50 Jahre ein Baurecht; das Land gehört den Ortsbürgern. Heute sieht das so aus:

Die Stadt würde hier aber gerne ein Oberstufenzentrum bauen. Die Gretchenfrage: Wird auch das Hallenbad, heute in der Telli, neu im «Rössligut» gebaut? «Aus unserer Sicht muss es nicht sofort weg, wir haben daneben gut Platz für das Oberstufenzentrum», sagt Hilfiker sibyllinisch. «Eine Etappierung ist möglich.»

Ganz klar ist der Stadtpräsident bezüglich der Rahmenbedingungen für das Integrationszentrum:

«Für die Stadt dürfen dadurch keine zusätzlichen Kosten entstehen.»

Und:

«Das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung darf nicht beeinträchtigt werden.»

Die direkten Anrainer der Quartiere Rössligut und Torfeld Nord sollen in einer Begleitgruppe mit ein­bezogen werden. Stadträtin Angelica ­Cavegn Leitner wies darauf hin, dass «wir die Aarauerinnen und Aarauer mitnehmen müssen». Ein genaues Nutzungs- und Aussenraumkonzept sowie die Zusammenarbeit mit Sicherheitsorganisationen seien unerlässlich.

Der Grosse Rat wird sich 2022 mit dem Projektierungskredit auseinandersetzen. Die Baueingabe ist für 2024 geplant, die Realisierung für 2026/27. Wichtig wird für die Stadt sein, dass sie ihre Schulbauten in der Telli auch dann zeitnah realisieren darf, wenn das Integrationszentrum noch auf sich warten lässt, etwa wegen Einsprachen. Denn der Schulraum wird dringend benötigt.

Für die SVP ist das nicht die ursprüngliche Grossunterkunft

Bereits zeichnet sich Widerstand auf politischer Ebene ab. Die SVP Aargau sagte gestern via Medienmitteilung «Nein zum unnötigen Integrationszentrum». Es entspreche nicht «dem ursprünglichen Auftrag», Grossunterkünfte für Personen im Asylverfahren «und insbesondere für solche, die sich nicht an die Regeln halten», einzurichten. Es sei «völlig unklar», was das Integrationszentrum bringen «und – vor allem – was das die Steuerzahlenden kosten soll».

Anders klingt es bei der FDP: Grossrat Tobias Hottiger findet den gewählten Standort «sinnvoll, weil Synergien vor Ort genutzt werden können». Das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Projekts und die gegenseitigen Verpflichtungen zwischen dem Kanton Aargau und der Stadt Aarau seien aber «transparent aufzuzeigen».

Die Grünliberalen sind überzeugt, dass mit dem Projekt «mehrere Ziele auf einmal» erreicht werden können.

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