FCA-Stürmer Shkelzen Gashi bricht sein Schweigen

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Körperlich wieder beschwerdefrei, aber mental hat Gashi die Krankheit noch nicht komplett verdaut. (Bild: Freshfocus)

Anfang November 2020: Der Schock sitzt tief. Was ihm der Arzt da soeben erzählt hat und was das für die Zukunft bedeutet, kann Shkelzen Gashi lange nicht akzeptieren. «Warum ich? Ich bin doch jung, fit, gesund – wie kann das sein?» Nach einem Routinecheck beim 32-Jährigen hat ein Blutwert die Mediziner aufgeschreckt, weitere Untersuchungen bestätigen dann das befürchtete Urteil: Gashi erhält per sofort ein Sportverbot.

Welche Krankheit entdeckt wird, darüber will Gashi damals nicht sprechen. Und auch heute, nachdem er wieder gesund ist und vor Wochenfrist gegen Wil ein furioses Comeback inklusive Tor zum 3:0-Schlussresultat gefeiert hat, behält er die Details für sich. Warum? Hätte eine transparente Kommunikation nicht die Spekulationen, die seit der Bekanntgabe seiner Absenz ins Kraut schiessen, verhindert?

«Ich konnte nicht glauben, dass das mir passiert»

Vier Monate nach der Diagnose bricht Gashi sein Schweigen – und begründet selbiges im Fall seiner Krankheit: «Sehen Sie: Es war ein Schock, ich konnte nicht glauben, dass das mir, einem topfitten Menschen, passiert. Ich habe in meiner Karriere schon viel erlebt, aber auf so etwas ist man einfach nicht vorbereitet. Ich hatte sehr mit der Situation zu kämpfen, da wollte ich nicht auch von aussen dauernd darauf angesprochen werden. Mittlerweile bin ich körperlich wieder gesund und beschwerdefrei, aber mental habe ich die Sache noch nicht zu hundert Prozent verdaut, darum möchte ich vorerst nicht ins Detail gehen.»

Dafür erzählt er, wie es ihm seither ergangen ist. Anfangs habe er noch an einen Irrtum des Arztes geglaubt, was sich dann schnell erledigt habe, denn: «Ich spürte, wie es mir körperlich schlecht ging, ich war bereits nach dem Treppensteigen ausser Atem. Mittlerweile bin ich dem Arzt sehr dankbar, denn hätte er damals nicht so genau hingeschaut: Wer weiss, was passiert wäre, wenn ich einfach weitergespielt hätte?»

Der Arzt stellt Gashi für Anfang Februar 2021 einen nächsten Test in Aussicht, bei dem sich zeigen werde, ob oder wie weit die Krankheit geheilt sei. Bis dahin heisst es: Ruhe, Ruhe, Ruhe! Spaziergänge sind das Maximum an erlaubter körperlicher Betätigung, einen aktiven Beitrag zur Genesung kann er nicht beitragen, nicht einmal Medikamente muss er nehmen. «Ich habe mich zurückgezogen, wegen Corona und weil im Winter sowieso viele Menschen erkältet sind. Eine Ansteckung wollte ich unter allen Umständen vermeiden. Kontakt mit meinen Mitmenschen hatte ich praktisch nur via Handy. Ich war auch nie im Stadion. Emotional hätte mich das zu sehr mitgenommen – und der Arzt hat mir dringlichst geraten, Aufregung zu vermeiden.»

Also verfolgt er die Auftritte des FCA daheim auf dem Sofa, macht sich Notizen und telefoniert im Anschluss mit dem einen oder anderen jungen Spieler, um diesem zu sagen, was ihm aufgefallen sei und wie er sich in gewissen Situationen verbessern könne. «Ich habe erstmals Fussballspiele wie ein Trainer verfolgt, eine gute Vorbereitung für die Zukunft, nach der Aktivkarriere nämlich will ich ins Trainerbusiness einsteigen.»

Apropos: Ans Karriereende habe er während der Pause keine Sekunde gedacht: «Der Arzt hat nie gesagt, dass ich mich damit befassen müsse. Also habe ich mich auf den Moment der Rückkehr konzentriert, auch wenn lange unklar war, wann dieser sein wird. In drei Monaten? Oder erst in einem Jahr? Niemand konnte mir das voraussagen.» Entsprechend nervös sei er zur Untersuchung im Februar erschienen. Und als es ein paar Stunden später hiess, alles okay, er dürfe wieder mit dem Training beginnen: «Da habe ich mich auf einen Schlag zehn Kilo leichter gefühlt, so gross war die Erleichterung.»

Ohne Aufstieg wäre seine FCA-Zeit unvollendet

Nach drei Wochen Einzeltraining steht Gashi Anfang März erstmals nach der Hiobsbotschaft wieder mit der Mannschaft auf dem Platz. Die Rückkehr ist nicht nur für ihn ein Riesending, sie bewegt auch Mitspieler und Trainerstab, ja alle Angestellten im Brügglifeld. Tenor: Gashis Positivität, sein Fleiss und seine Empathie seien einzigartig und hätten dem eh schon harmonischen Kollektiv einen weiteren Schub verliehen. Ja könne Gashi im Saison-Endspurt zum grossen Trumpf werden – auch, weil er das grosse FCA-Manko, die Chancenverwertung, beheben werde.

«Das hört man gerne», sagt Gashi und lacht, «zehn Jahre werde ich wohl nicht mehr spielen. Ich geniesse jeden Tag als Fussballer, es muss immer Bewegung drin sein, jeden Tag gibt es etwas zu lernen – das versuche ich, den jungen Spielern mitzugeben.» Nur zum Spass aber sei er nicht hier: «Ich habe Vertrag bis 2023. Ob ich davor, dann oder danach aufhöre, wird sich zeigen. Aber egal wann: Wenn wir bis dahin nicht in die Super League aufgestiegen sind, wäre das eine riesige Enttäuschung. Das Potenzial ist gross, alle sind hungrig auf Erfolg, wir spielen den schönsten Fussball der Liga: Umso schöner, wenn es schon in dieser Saison klappen würde, ich traue uns den Barrageplatz auf jeden Fall zu. Wenn nicht: Ein paar Jährchen habe ich noch Zeit.»

Gashi und GC – wie verhext

Seit Januar 2020 ist Gashi zurück in Aarau, seither fand das Duell zwischen dem FCA und GC vier Mal statt – vier Mal ohne Gashi: Im Februar 2020 war es schweizweit das erste wegen Corona abgesagte Fussballspiel. Als die Klubs im darauffolgenden Juni nach viermonatiger Pause die Saison fortsetzten, fehlte Gashi bei der Aarauer 0:5-Schmach verletzt, ebenso beim 2:2 im Juli am zweitletzten Spieltag der vergangenen Saison. Es begann die neue Saison, Gashi traf in acht Spielen sechs Mal und war pünktlich vor dem Heimspiel gegen GC in Topform, ehe der Krankheits-Schock das Wiedersehen mit dem Ex-Klub erneut verhinderte. Aarau verlor ohne Gashi 0:1 und im Februar dieses Jahres 1:2.

Klappt es heute endlich mit einem Einsatz gegen GC? «Ich glaube es erst, wenn ich im Letzigrund in der Kabine sitze», sagt Gashi lachend. Obwohl ihn vor seiner Rückkehr aus den USA auch GC zurückholen wollte, entschied er sich damals für den FCA: «Die Gespräche mit FCA-Sportchef Sandro Burki waren top, das Bauchgefühl hat mich nach Aarau geführt. Es war zu hundert Prozent die richtige Entscheidung. Schön für die Grasshoppers, dass sie momentan die Tabelle anführen, aber wir fahren nach Zürich, um sie erstmals in dieser Saison zu schlagen.»

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