Gemeindepräsident Markus Riedweg: «‹Echt und mittendrin› passt sehr gut zu Dagmersellen»

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Der 47-jährige Markus Riedweg (CVP) ist seit September 2020 Gemeindepräsident von Dagmersellen. Davor war er Bildungsvorsteher.   Bild: Marc Benedetti

Herr Riedweg, was bedeutet Ihnen Dagmersellen?

Markus Riedweg: Es ist der Ort, wo ich aufgewachsen bin und meine ganze Familie lebt. Dagmersellen ist mehr als nur ein Wohnort. Es ist ein Stück Heimat für mich – ich bin sehr stark verwurzelt in der Gemeinde.

Dann sind Sie ein Ur-Dagmerseller?

Ja, das könnte man so sagen. Meine Eltern und teilweise auch meine Grosseltern wuchsen bereits hier auf. Ich war kurze Zeit weg, während des Studiums lebte ich in Bern. Aber es war schnell klar, dass ich zurückkehren und meine Familie hier gründen wollte. Meine Frau stammt übrigens auch aus Dagmersellen.

Gibt es einen Spruch oder Slogan, der die Eigenheiten des Dorfes am besten auf den Punkt bringt?

Wir brauchen schon länger den Slogan «echt und mittendrin». Er passt meiner Meinung nach sehr gut zu Dagmersellen. Wir liegen sehr zentral im Zentrum der Schweiz und sind trotz des Wachstums ein Dorf geblieben, wo man sich mehrheitlich noch kennt. Das Echte und Unverfälschte bleibt, obwohl wir auch modern aufgestellt sind, mit viel Industrie und Wirtschaft.

Richtet sich Dagmersellen Richtung Zofingen oder mehr nach Luzern aus – oder weder noch?

(schmunzelt). Ja, das ist eine rechte Herausforderung … Politisch-historisch und vom Wahlkreis her gehören wir zu Willisau. Wirtschaftlich sind Zofingen und Sursee aber die Zentren. Wir sind zudem Teilmitglied des regionalen Entwicklungsträgers zofingenregio. Deshalb haben wir eine dreifache Ausrichtung: Sursee-Luzern, Willisau und Zofingen. Ich persönlich richte mich mehr Richtung Sursee und Luzern aus. Ich machte die Matura in Sursee und arbeite zurzeit auch mehrheitlich dort.

Im September 2020 haben Sie Ihr neues Amt als Gemeindepräsident angetreten. Haben Sie sich gut eingelebt – und was gefällt Ihnen am Amt?

Ja, ich habe mich gut eingelebt. Dass ich schon vor meiner Wahl vier Jahre im Gemeinderat war, hatte einen grossen Vorteil, ich kannte die Abläufe und die Verwaltung schon. Die Verantwortung ist grösser geworden, die Bevölkerung nimmt einen natürlich auch als Präsidenten wahr. Es ist mehr Würde, aber auch mehr Bürde (lacht). Man spürt die Verantwortung auch für Geschäfte, die nicht im eigenen Ressort sind, und will es gut machen. Medienarbeit und Kommunikation sind ebenfalls Aufgaben des Gemeindepräsidenten, die ich gerne wahrnehme.

Stichwort Bürde, was sind die besonderen Herausforderungen?

Man muss breitere und vertieftere Kenntnisse der Geschäfte haben und sich noch mehr einlesen. Als Ressortverantwortliche/r ist man Spezialistin oder Spezialist für ein Thema. Den Gemeindepräsidenten fragt man alles. Die Bevölkerung, aber auch die Medien erwarten, dass man kompetent Auskunft geben kann über alles Mögliche – von der Baustelle bis zum Sozialbereich.

Konkret: Welche Ziele möchten Sie als Gemeindepräsident erreichen?

Die Zielsetzung ist, Dagmersellen als Zentrumsgemeinde im Wiggertal zu positionieren, als Gemeinde mit einer hohen Wohn- und Lebensqualität und einem attraktiven Arbeitsplatzgebiet. Für mich persönlich ist es auch wichtig, dass wir eine Gemeinde sind mit drei Dörfern und das Gemeinsame zwischen Dagmersellen, Uffikon und Buchs betonen. Klar bleibt ein Uffiker ein Uffiker und ein Buchser ein Buchser, mit eigenen Vereinen und Schulhäusern, und das ist richtig so. Aber politisch schauen wir als Gemeinderat für das ganze Dorf.

Im alten Jahr reichten Bürger aus Uffikon und Buchs eine Petition für bessere Busverbindungen ins Zentrum ein. Können Sie dazu bereits etwas sagen?

Wir sind optimistisch, dass es uns gelingt, die Buslinie von Sursee bis zum Bahnhof Dagmersellen ab dem nächsten Fahrplan 2021 zu verlängern und damit eine Verbesserung im öffentlichen Verkehrsangebot für Uffikon und Buchs zu erhalten.

Gibt es weitere Anliegen von Uffikon und Buchs, mit denen sich der Gemeinderat beschäftigt?

Ein Thema ist sicher das Zusammenleben und das gegenseitige Verständnis der drei Ortsteile. Für die Sanierung des Friedhofs Uffikon setzen wir jetzt eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der drei Ortsteile ein und werden das Projekt gemeinsam erarbeiten. Bei der Vorstellung der Planung im vergangenen Herbst gab es kritische Fragen dazu. Verbindend ist auch die Schule an den drei Standorten Dagmersellen, Uffikon und Buchs. Es ist wichtig, dass man diese pflegt und in die Infrastruktur investiert. Das Vereinsleben unterstützen wir ebenfalls in allen Ortsteilen – als wichtigen Ausdruck des Eigenlebens und der Kultur jedes Dorfes. Wir investieren von Gemeindeseite auch viel in die bauliche Infrastruktur wie die Strassen.

Welche Projekte der Gesamtgemeinde liegen Ihnen persönlich besonders am Herzen?

Besonders am Herzen liegt mir, gute Dienstleistungen zu erbringen für unsere Bürgerinnen und Bürger. Ich möchte die Gemeinde als Top-Dienstleistungsorganisation aufbauen. Damit wird Dagmersellen auch attraktiv für Partnerschaften in der Region. In diesem Bereich gibt es schon einige Erfolge zu verzeichnen: Wir betreiben mit Altishofen zusammen ein regionales Bauamt. Wir sind auch Standortgemeinde für die regional organisierten Schuldienste und die regionale Musikschule Wiggertal-Hürntal. Das Arbeitsintegrationsprogramm der Gemeinde Dagmersellen (GAP) hat sich in der Gemeinde etabliert und entwickelt sich regional erfolgreich weiter. Es geht darum, sozial schwächere Personen mit einem eigenen Arbeitsintegrationsprogramm zu unterstützen, bei dem Arbeitspädagogen diese coachen. Das Ziel ist die Leute zu befähigen, wieder in den ersten Arbeitsmarkt zurückkehren zu können. Regional ist die Zusammenarbeit bisher mit den Gemeinden Reiden, Nebikon, Schötz und Egolzwil erfolgt. Der Gedanke der Zusammenarbeit in der Region ist mir allgemein sehr wichtig. Die Herausforderungen im Gemeindebereich können wir nur noch gemeinsam lösen und nicht allein.

Welches sind die grössten Brocken, mit denen sich der Gemeinderat 2021 herumschlagen muss?

Grundsätzlich spreche ich lieber von anzunehmenden Herausforderungen. Die grösste ist die Bewältigung der verschiedenen, teilweise heute noch nicht bekannten Folgen aus der Coronakrise. Wir streben einen ausgeglichenen Finanzhaushalt bei steigenden Ausgaben und tendenziell stagnierenden oder gar sinkenden Steuereinnahmen an. Weitere Herausforderungen sind die Gesamtrevision der Ortsplanung inklusive neues Bau- und Zonenreglement sowie das Neubauprojekt der Dreifachturnhalle inklusive Schulraum Chilefeld.

Im Gemeinderat sind von fünf Mitgliedern drei neu, wie lief die Einarbeitung und ist sie bereits abgeschlossen?

Die Einarbeitung läuft noch. Sie war zeitintensiv mit drei neuen Mitgliedern, ist aber auf gutem Weg. Jedes Mitglied muss mehr leisten, um in die Themen reinzukommen. Wir Bisherigen, Peter Kunz und ich, haben auch die Aufgabe, den neuen Kolleginnen und Kollegen die Türen zu öffnen und sie zu unterstützen. Alle sind sehr engagiert, und die Zusammenarbeit macht Spass. Die Zeit, die wir im Corona-Jahr weniger gebraucht haben für Repräsentation, investierten wir für interne Prozesse und die Einarbeitung.

In der Exekutive hält die CVP respektive Die Mitte vier und die FDP noch einen Sitz. Betreibt der neue Gemeinderat eine andere Politik als der vorherige?

Nein, ich stelle keine andere Politik fest. Ich sagte das schon nach den Gemeindewahlen 2020: Sobald man als Gemeinderat gewählt ist, legt man sein Parteimänteli ab und widmet sich der Sachpolitik. Vorher waren wir drei CVP-Vertreter, ein FDP-Vertreter und eine Parteilose (Anm. d. Redaktion: Susanne Hodel trat aus der FDP aus und wurde später als Parteilose wiedergewählt). Manches Jahr war das Verhältnis von CVP- und FDP-Vertretern 3:2. Da wir aber in beiden Parteien in der Mitte politisieren, ist das neue Kräfteverhältnis nicht so relevant.

Das Gemeindebudget für das Jahr 2021 sieht einen Verlust von rund 680 000 Franken vor. Wie steht Dagmersellen finanziell da?

Bei den natürlichen Personen sind wir gut aufgestellt. Im Bereich der juristischen Personen haben wir aufgrund der Reformen bei den Unternehmenssteuern im Kanton Luzern einiges an Steuersubstrat verloren. Das ist aber mittlerweile zu einem guten Teil ausgeglichen. Heute können wir mit den Steuereinnahmen unsere Ausgaben mehrheitlich decken. Doch weil Dagmersellen eine Wachstumsgemeinde ist, wachsen die Ansprüche. Es braucht mehr Schulraum, wir haben die eine oder andere soziale Belastung mehr. Insgesamt ist die Gemeinde finanziell gut aufgestellt. Wir dürfen nicht übermütig werden, haben aber eine gute Ausgangslage, weil wir per Ende 2019 ein Eigenkapital von rund 20 Millionen Franken ausweisen und uns damit das eine oder andere leisten können. Mit dem neuen Rechnungsmodell HMR2 mussten wir unsere Immobilien neu bewerten. Das gibt uns Luft, sodass wir für 2021 auch einmal ein Defizit in Kauf nehmen können. Der Gemeinderat hat die geplante Steuererhöhung um ein Zehntel um ein Jahr verschoben und dafür ein Defizit budgetiert. Wir wollten in der Corona-Pandemie nicht die Steuern erhöhen und die Bürger zusätzlich belasten. Laut Finanzplan wäre die Steuererhöhung nun für das Jahr 2022 angedacht. Das ist aber noch nicht sicher. Wir beantragen die Steuererhöhung nur, wenn es sie braucht. Da sind wir uns im Gemeinderat einig.

Dagmersellen ist Standort vieler Unternehmen in seinem Industriegebiet. Rechnen Sie mit weiteren Neuansiedlungen?

Nein. Dagmersellen ist im Bereich Gewerbe und Industrie leider fertig gebaut. Der Grund ist, dass wir fast kein Gewerbeland mehr haben. In der Ortsplanungsrevision ist keine wesentliche Vergrösserung mehr vorgesehen, nur noch ein paar kleinere Parzellen sind offen. Wir pflegen die bestehenden Betriebe gut und sind sehr froh um diese Arbeitgeber in der Gemeinde. Aber grössere Neuansiedlungen sind nicht mehr möglich und auch kein strategisches Ziel der Gemeinde. Höhere Ausnützungen und Aufstockungen von Parzellen sind aber selbstverständlich möglich.

Ein kürzlich erfolgter Entscheid des Gemeinderats liess aufhorchen. McDonald’s will ein Restaurant auf einer Parzelle nahe der Autobahn A2 bauen. Der Gemeinderat hat jedoch eine Planungszone erlassen, weil er das Bauprojekt nicht unterstützt und legt sich damit mit der Wirtschaft an. Hat der Gemeinderat keine Angst, dass der Fast-Food-Riese woanders hinzieht?

Es geht nicht darum, sich mit McDonald’s oder der Wirtschaft anzulegen, sondern mit dem wenigen zur Verfügung stehenden Gewerbe-Bauland sorgfältig umzugehen. Das Projekt, das uns McDonald’s vorgestellt hat, entspricht nicht den Zielsetzungen in unserem neuen Bau- und Zonenreglement. Das Projekt hat nur oberirdische Parkplätze und eine kleine Ausnützungsziffer auf dem Grundstück. Wir hätten es so bewilligen können, es gilt ja momentan noch das alte Reglement. Aber wir haben Kraft unseres Amtes entschieden, dass wir das nicht mehr wollen. Man kann nicht nur davon reden, dass man sorgfältig mit der Ressource Boden umgehen sollte und handkehrum ein Projekt bewilligen, nur weil es wirtschaftsfreundlich wäre. Da muss man als Gemeinderat auch einmal Haltung annehmen und einen unangenehmen Entscheid fällen. Wir haben nicht gesagt, McDonald’s kann nicht bauen. Aber die Firma kann das Areal nicht in einen gigantischen Parkplatz mit einem kleinen Gebäude darauf verwandeln. Die Autos sollten in eine Tiefgarage verlegt werden und es braucht eine grössere Ausnützung des Areals. Die Planungszone hat der Gemeinderat zur Sicherstellung der Planung beschlossen. McDonald’s hat Einsprache gemacht und der Gemeinderat hat diese abgelehnt. Wir hoffen sehr, dass die Firma bereit ist, ihr Projekt anzupassen.

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