Trotz Impfung im Altersheim angesteckt: Warum die Erkenntnis daraus positiv ist

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Die Impfwilligen sind in den Alters- und Pflegeheimen geimpft. Hanspeter Bärtschi

Seit Anfang Januar wird geimpft und gemäss der Impfstrategie des Bundes sind die Alters- und Pflegeheime nun durchgeimpft. Trotzdem ist es in verschiedenen Kantonen weiterhin zu Ansteckungen gekommen, wenn auch in geringer Zahl. Das hat zum einen damit zu tun, dass auch unter den besonders gefährdeten Menschen in Altersheimen keine Impfpflicht besteht und sich nicht alle Insassen haben impfen lassen. Auch das Personal nicht, welches das Virus somit weiterhin ins Heim tragen kann. Andererseits sind nun auch Fälle bekannt geworden, bei denen sich zuvor geimpfte Pflegeheimbewohner angesteckt haben.

Fünf Ansteckungen in einem Zuger Altersheim

In einem Zuger Pflegeheim ist es Mitte Februar zu einer Infektion einer nicht geimpften Person gekommen. Von den 15 Bewohnerinnen und Bewohnern, die mit der erkrankten Person Kontakt hatten, haben sich acht angesteckt, wie ein Coronatest im Pflegeheim zeigt. Fünf von diesen sind komplett geimpft mit dem RNA-Impfstoff von Pfizer/Biontech. Allerdings haben drei ihre Infektion gar nicht bemerkt, wie sie asymptomatisch verlaufen ist und nur durch den Test ersichtlich wurde. «Die geimpften Personen hatten aber allesamt nur leichte Verläufe», schreibt Aurel Köpfli von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zug.

Die Impfung hat somit eigentlich ihren ersten Zweck erfüllt, nach dem besonders gefährdete Personen vor einem schweren Krankheitsverlauf und dem Tod geschützt werden sollen. «Aus diesen Ansteckungen zu schliessen, der Impfstoff wirke nicht, wäre somit komplett falsch», sagt der Basler Epidemiologe Marcel Tanner. Die Impfung verhindert zum Start einer Impfkampagne nicht jeden möglichen Ausbruch, sondern die schwere Erkrankung und den Tod gerade von Menschen im hohen Alter.

«Generell beträgt der Schutz keiner Impfung 100 Prozent», sagt Alex Josty vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic. «Es gibt Impfungen, bei denen der Schutz teilweise viel niedriger als bei den mRNA ist.» Diese Tatsache sei auch in der Fachinformation festgelegt worden mit folgendem Zitat: «Wie bei jedem Impfstoff schützt die Impfung mit Comirnaty möglicherweise nicht jeden Geimpften».

Zeitlichen Ablauf der Ansteckungen genau ansehen

Über die Gründe für die im ersten Blick hohe Zahl von fünf Infizierten im Zuger Pflegeheim, kann nach Tanner nur spekuliert werden, weil zu wenig wissenschaftliche Daten vorliegen. «Dafür müsste man den zeitlichen Ablauf der Ansteckungen genau untersuchen», sagt der Epidemiologe. Möglicherweise geschah die Infektion bevor der Impfschutz im Körper komplett aufgebaut worden ist. Dann hätten sich die Bewohnerinnen und Bewohner zuvor schon angesteckt . Das bestätigt auch Aurel Köpfli von der Zuger Gesundheitsdirektion: «Es ist möglich, dass diese Personen bereits kurz nach der Verabreichung der zweiten Impfdosis und somit vor dem Erreichen des vollständigen Impfschutzes infiziert wurden.» Das bestätigt auch Josty von Swissmedic. Möglich wäre die Ansteckung kurz vor der Impfung oder kurz danach: «Zu einem Zeitpunkt bei dem die volle Wirkung noch nicht gegeben ist.» Der Impfschutz sei erst sieben Tage nach der zweiten Impfdosis gesichert, erklärt Josty.

Möglich wäre nach Tanner auch ein sogenannter «Delate-Effekt». Das heisst, das Virus hat trotz der Impfung den Nasen-Rachenraum erreicht. «Nach einer gewissen Zeit wird das Virus im Körper durch die durch den Wirkstoff entstandenen Antikörper bekämpft. Aufgrund der Virenlast wird Sars-CoV-2 dann im Coronatest trotzdem nachgewiesen, macht die Betroffenen aber nicht krank», erklärt Tanner.

Ansteckungen bleiben möglich

Die Vorstellung, dass es wegen des Impfstoffs zu keinen Ausbrüchen mehr kommen könnte, wäre somit aus verschiedenen Gründen falsch. Erstens weil nicht alle geimpft sind, zweitens weil Pfizer-Biontech zwar eine 95-prozentige Wirksamkeit gegen die Erkrankung beweisen hat, was aber nicht 100 Prozent ist. Wegen der Ungeimpften und der wenigen, bei denen der Wirkstoff nicht vollständig wirkt, bleiben Ansteckungen, wenn auch äusserst selten, weiterhin möglich.

Zudem zeigen die ersten Studien mit den über sechs Millionen Geimpften in Israel hoffnungsvolle Resultate, nicht nur was den Schutz vor Erkrankung verspricht, sondern auch die Weitergabe des Virus auf andere. Demnach soll das Virus zu 80 Prozent nicht weitergegeben werden können. «Wie schnell dieser Schutz einsetzt und ab wann ein Geimpfter nicht mehr ansteckend ist, ist aber noch nicht klar. Da braucht es noch längere und weitere Studien», sagt Tanner. Im Tages-Anzeiger spricht der Immunologe Daniel Speiser von der Universität Lausanne davon, dass die Impfungen vermutlich mehr als die Hälfte der Infektionen verhindern.

Bei sehr alten Menschen lässt die Immunantwort nach

Einen Einfluss auf die Ausbrüche könnte nach Tanner auch haben, dass die Immunantwort von sehr alten Personen, also genau den Bewohnern in Pflegeheimen generell nicht mehr so gut ist wie bei unter 80-jährigen. Pfizer/Biontech habe auch ältere Menschen in der klinischen Phase III geprüft, 21 Prozent der Probanden waren über 65. Bei über 80-jährigen könne der Impfschutz relativ betrachtet aber wegen der schwächeren Immunantwort abnehmen.

Umfrage in acht Kantonen

Zu Ausbrüchen könne es somit in Alters- und Pflegeheimen immer wieder kommen, sagt der Epidemiologe Marcel Tanner. Das bestätigt auch eine Umfrage von CH Media Mitte März in einigen Kantonen der Schweiz. Ausbruch sei etwas viel gesagt. «Es kam zu einzelnen Infektionen», schreibt Anne Tschudin vom Gesundheitsdepartement Basel Stadt, Im Kanton Zug waren Mitte März etwa 60 Prozent der über 75-jährigen geimpft, also 5700 Personen. Die Zweitimpfungen in den Altersheimen sind abgeschlossen und in einem Heim kam es zum oben besagten Ausbruch. Basel-Land meldet einen kleineren Ausbruch: «Nur einer der positiv Getesteten war bereits zwei Mal geimpft», schreibt Roman Häring.

Auch im Kanton St.Gallen ist es in Alters- und Pflegeheimen weiterhin zu Ausbrüchen gekommen. Mitte März in sieben von insgesamt 115 Einrichtungen, mit jeweils mindestens fünf infizierten Bewohnenden. Ob darunter auch Geimpfte sind, war zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Auch zu Infektionen kam es im Kanton Aargau. In einem Fall traf es eine Bewohnerin nach der Erstimpfung. Zu Ansteckungen kam es auch in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Solothurn. In Solothurn wurde Ende Februar in einem bereits durchgeimpften Alters- und Pflegeheim ein Ausbruch festgestellt. Nicht klar ist, ob es Geimpfte oder Ungeimpfte betroffen hat.

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