Neues Kraftwerk an der Aare: Eniwa nimmt einen zweiten Anlauf

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Das alte Aarauer Wasserkraftwerk wird durch ein modernes ersetzt, der schmale Mitteldamm weiter hinten kommt ganz weg. Michael Küng

Die Eniwa macht Details ihres neuen Wasserkraftwerkprojekts in Aarau publik: Seit gestern läuft die öffentliche Auflage des «Gesuchs um Projektgenehmigung». Beigelegt ist auch ein Schreiben vom 30. März, wo sie die Regierungsräte der betroffenen Kantone Aarau und Solothurn um eine Verlängerung der Konzession um acht Jahre (bis 2093) bittet. Dies, weil sich der Baubeginn durch Optimierungen des Projekts so lange verzögert hat.

Das erste Projekt von 2013 wurde zwar bewilligt, die Eniwa hat es laut Technischem Bericht aber nun an die geänderten Rahmenbedingungen im Strommarkt angepasst. Zudem habe sie Anliegen der abgelehnten Einsprache von Umwelt- und Fischereiverbänden bezüglich Fischgängigkeit aufgenommen und das Projekt modifiziert. 59 Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen sind jetzt vorgesehen.

Kosten tut der Neubau des Kraftwerks an der Aare 144 Millionen Franken. Es sieht jetzt drei Turbinen am Standort der heutigen Zentrale 2 vor, eine Fischaufstiegshilfe bei der Mittelinsel und Hochwasser- und Schwallenentlastungsöffnungen bei der heutigen Zentrale 1. Die ursprünglich geplante Kraftwerkshalle fällt weg. Erwartet wird eine Produktionssteigerung von über 23 Prozent im Vergleich zu heute. 2013 sprach man noch von rund 18 Prozent.

Mitteldamm kommt ganz weg, Ersatzlebensraum für die Fische geplant

Bereits für Kontroverse gesorgt hat der geplante vollständige Abriss des Mitteldamms: Gegenüber des Projekts von 2013 werden neu zusätzliche 850 Meter entfernt. Dies sei nötig, um die Strömungsverluste zu vermindern – dank einer Vergrösserung des Fliessquerschnitts – und die Stromerzeugung effizienter zu machen. Zudem fallen ohne Damm «1,7 Kilometer unterhaltspflichtige Uferböschungen weg». Der Verein «Rettet den Mitteldamm» hat Widerstand angekündigt.

Nebst dem Spazierweg und der Schwimmmöglichkeit im beschatteten Kanal gehe ohne Mitteldamm auch Lebensraum für die Fische verloren, räumt die Eniwa im Technischen Bericht ein. Geplant ist deshalb, im Gebiet Grien über 420 Meter parallel zum Kanal einen neuen Seitenarm des Flusses zu bilden, womit neuer Lebensraum für die Tiere entsteht. Dort würden aber 9400 Quadratmeter Fruchtfolgefläche dafür geopfert. Eine Kompensation woanders ist vorgesehen.

Weil viel in die freie Fischwanderung investiert werde, könne am Schluss «das gewässerökologische Defizit» wegen der Entfernung des Mitteldamms «mehr als wettgemacht werden», so die Eniwa. Die drei neuen, grossen, langsam drehenden und horizontalen Turbinen seien «ganz erheblich» fischschonender als die heute elf teils bis zu 100-jährigen Turbinen. Laut Bericht werden gegenüber dem Projekt von 2013 «faktisch alle Beanstandungen der Umweltschutzorganisationen behoben».

Statt des alten Industriezeuges sieht man künftig mehr von der Natur

Grösste optische Änderung ist der Wegfall des Kraftwerkturms. Das «Türmli» gilt zwar laut Bundesinventar der Ortsbilder als schützenswertes Objekt, für die Eniwa überwiegen aber die effizientere Stromherstellung und die Besserungen für die Umwelt. Ein Einbau der modernen Turbinen in das alte Kraftwerksgebäude sei nicht möglich.

Durch die «Tieflage» des neuen Kraftwerks – es soll nur einen Meter über das umliegende Terrain ragen – dürfte die Natur mehr zu Geltung kommen. Weil das allermeiste unter die Wasseroberfläche kommt, werde auch der verursachte Lärm deutlich geringer. Die Anlage wird von 120 auf 90 Meter in der Breite verkürzt. Der Flussraum könne «in seiner ganzen Länge wahrgenommen» werden.

Im umfangreichen Fachbericht liest man gar von einer «Neuinterpretation» der Umgebung so nahe bei der Altstadt: Das Kraftwerk solle seine Dominanz verlieren. «Die weite Sicht auf den Pont Neuf» mache aus dem Fussgängersteg beim Kraftwerk «einen attraktiven Aufenthaltsort», aus dem man «die tosende Kraft des Wassers» unmittelbar erleben könne.

«In der Mitte des Kraftwerks ist ein abgestufter Wasserfall zu bestaunen, der den Fischen als natürliche Passage dient. Angereichert wird dieses Erlebnis durch Brunnen, die sich aus den Pfeilern über den Fussgängersteg ergiessen und in den Fluss zurückplätschern.»

Auch das nördliche Aareufer beim heutigen Unterwerk wird aufgewertet. Dort entsteht ein neuer Besucherraum.

Ein Bauprojekt, das die Region ein Jahrzehnt lang beschäftigen wird

Die Baubewilligung wird für «spätestens Anfang 2022» angestrebt. Dies, weil im Juni 2022 der nächste Termin für die Subventionseingabe beim Bund ist. Insgesamt dürften die Bauarbeiten achteinhalb Jahre dauern. Gestartet sind sie im September 2020 bereits in Schönenwerd, wo ein Dotierkraftwerk samt Umgehungsrinne entsteht.

Beim Aarauer Hauptkraftwerk könnte es 2024 losgehen, bis Anfang 2028. Der Mitteldamm würde ab 2026 entfernt. Erst bei dieser Bauetappe wird die Stromerzeugung während sieben Monaten ganz gestoppt werden müssen. Die letzten Bauarbeiten sollen dann 2029 abgeschlossen sein.

 
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