Was wird aus all den Hunden, wenn Corona vorbei ist?

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Tierärztin Franziska Hilfiker mit einem Zwergspitz. Die Hunderasse erfreut sich auch im Freiamt grosser Beliebtheit. zvg / Roland Hilfiker

Keine Ferien, kein Treffen mit Freunden und keine Möglichkeit, gemeinsam Sport zu treiben: Corona treibt viele Menschen in die Einsamkeit. Ein Hund soll Abhilfe schaffen, die Isolation durchbrechen und für Zerstreuung sorgen. Weil der Markt mehr als ausgetrocknet ist, weichen die meisten Interessenten auf dubiose Verkäufer im Internet aus. Tierarzt Markus Trüssel sagt:

«Viele dieser Hunde landen früher oder später in Tierheimen.»

In den vergangenen Monaten behandelte er in seiner Kleintierpraxis in Bremgarten auffallend viele Welpen aus Osteueropa. Auch Tierärztin Franziska Hilfiker machte in ihrer Praxis in Villmergen diese Beobachtung:

«Wir haben praktisch täglich Kunden, die kranke Welpen bei uns behandeln lassen. Darunter sind auffallend viele Hunde der Rasse Zwergspitz, die aus dubiosen Zuchten aus dem Ausland stammen.»

Rund zwei Drittel dieser Welpen, die sie in den vergangenen Monaten behandelte, verfügen denn auch über keine oder nicht ausreichende Papiere und befinden sich meist in einem schlechten Gesundheitszustand. Markus Trüssel bestätigt diesen Sachverhalt ebenfalls, er behandle oft Welpen mit Durchfallerkrankungen oder Parasitenbefall.

Die Zwergspitz-Züchterin wird überrannt mit Anfragen

Ein Blick in die Tierdatenbank Identitas bestätigt diese Beobachtung. Wurden im Januar 2020 noch 223 Hunde aus Frankreich und 183 aus Deutschland eingeführt, waren es im August desselben Jahres 572 Hunde aus Deutschland und 552 aus Frankreich.

«Es sind vor allem kleine Hunderassen mit längeren und flauschigem Fell, die sehr beliebt sind», erzählt Markus Trüssel. Dasselbe beobachtet auch Franziska Hilfiker. Sie habe fast täglich Neuanmeldungen für Welpen der Rasse Zwergspitz, erzählt sie. Antoinette Csòska aus Berikon züchtet Zwergspitze, sie sagt:

«Es ist unglaublich, bei mir melden sich täglich Leute, die einen Welpen suchen.»

Die Züchterin ist Mitglied des Spitz-Club Schweiz. Sie weiss denn auch, welche Auswirkungen dieser Hype hat: «Wir haben viele Rückmeldungen von Tierhaltern, die einen Hund aus dem Ausland kaufen und etwas später merken, dass er krank ist. Wir kennen zwar einige der Verkäufer und haben auch schon versucht, gegen sie vorzugehen, das ist aber ein aussichtsloses Unterfangen.»

Sowohl Hilfiker als auch Trüssel und Csòska sind sich einig, dass viele dieser Tiere nach Ende der Pandemie im Tierheim landen könnten, weil sie nicht kompatibel sind mit den Arbeitszeiten oder den Ferienplänen ihrer zumeist jungen Halter.

Astrid Becker, Präsidentin des Aargauer Tierschutzvereins, kommentiert diesen Fakt:

«Es ist Horror! Wir rechnen damit, dass wir nach Ende der Pandemie überschwemmt werden mit Tieren, für die niemand mehr Zeit hat.»

Zu Beginn der Pandemie hätten sich sehr viele Interessenten gemeldet, die einen Hund adoptieren wollten, erzählt sie. Nun seien viele Tiere neu platziert und zahlreiche Plätze frei. «Wir rechnen leider damit, dass wir diese freien Plätze nach der Pandemie alle besetzen werden», so Becker.

Keine Sozialisierung, keine Spaziergänge

Dass kleine Hunde sich immer grösserer Beliebtheit erfreuen, dieser Trend zeichnet sich auch im Freiamt ab. Franziska Hilfiker behandelt regelmässig Teacup-Hunde in ihrer Praxis. «Diese Hunde sind nicht grösser als eine Teetasse», verdeutlicht sie deren Grösse. Sie passen in eine Handtasche und können sogar ins Flugzeug mitgenommen werden.

Nun ist der Trend auch im Freiamt angekommen. Mit all seinen Nachteilen. Franziska Hilfiker erzählt:

«In der Regel leben diese Hunde in der Wohnung und verrichten auf Matten oder speziellen Hundeklos ihre Notdurft.»

Entsprechend verfügen diese Tiere über wenig Muskulatur, ein Sturz vom Sofa endet manchmal in einem Beinbruch. In der Tierarztpraxis gelten diese Patienten als schwierig. Markus Trüssel erzählt:

«Die Hunde sind sich fremde Menschen nicht gewohnt und reagieren mitunter aggressiv.»

Aufgrund der meist fehlenden Sozialisation sind sie auch gegenüber anderen Hunden misstrauisch. Hilfiker erklärt: «Diese Hunde kennen nur ihre Muttertiere und die Geschwister, andere Artgenossen kennen sie gar nicht.» Und als wäre all dies nicht schon genug, werden die Tiere oft falsch ernährt. Hilfiker hatte kürzlich einen Hund in Behandlung, der ausschliesslich Crevetten zu fressen bekommen hat. Markus Trüssel bringt die Situation dieser Tiere auf den Punkt:

«Das sind geplagte Kreaturen.»
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