Saufen fürs grüne Gewissen? Feldschlösschen, Ringier und WWF gehen Bier-Kooperation ein

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Wer ein «Uszit»-Bier kauft, erwirbt gleich auch noch ein gutes Gewissen. Keystone

Wer blau ist, darf sich trotzdem grün fühlen. Etwa so lässt sich die Marketing-Botschaft des neuen «Uszit»-Biers zugespitzt zusammenfassen. Dieses steht seit wenigen Tagen in den Regalen von Schweizer Detail- und Spirituosenhändlern und wirbt mit Nachhaltigkeit. So ziert der Querschnitt eines Baumstamms die grüne Verpackung, dazu das Gewissen besänftigende Versprechen: «Schützt den Schweizer Wald».

Hinter «Uszit» steckt zum einen die Rheinfelder Grossbrauerei Feldschlösschen, eine Tochter der Carlsberg-Gruppe. Zum anderen spielt das Verlagshaus Ringier mit seiner Tochter «Brand Studio» eine zentrale Rolle in dessen Vermarktung. Das Konzept: Pro verkaufter Bierdose fliessen fünf Rappen an Umweltprojekte, allen voran an den «Wald der Zukunft».

Mehr Bier, mehr Bäume

«Je mehr Bier verkauft wird, desto mehr Geld kann für den Wald gespendet werden», so formuliert es eine Ringier-Sprecherin. Konkret soll das Geld aus dem «Uszit»-Verkauf in acht Luzerner Waldstücke fliessen, unter anderem bei Willisau und Beromünster. In den Gebieten sind in den vergangenen Jahren Schadensflächen entstanden. Nun sollen hier vielfältigere Baumarten gefördert werden.

Die kommerzielle Absicht dahinter ist klar: Die Bierbrauer verkaufen zusammen mit ihrem Produkt gleich noch ein gutes Gewissen. Wer «Uszit» trinkt, unterstützt eine sinnvolle Sache. Grün zieht. Saufen für den Wald, eben. Marketingfachleute sprechen da schon mal unverblümt von «nachhaltigkeitsfördernden Kampagnen».

Auch der Kanton Luzern ist dabei

Dass Firmen auf der grünen Welle surfen, ist nicht neu. So wirbt der deutsche Bierbrauer Krombacher seit Jahren und mit Hilfe von TV-Moderator Günther Jauch damit, dass man mit dem Kauf eines Bierkastens einen Quadratmeter Regenwald schütze. Und wer Volvic-Wasser trinkt, hilft beim Bauen von Brunnen in Äthiopien.

Was «Uszit» hingegen speziell macht, sind die Parteien, die das Bier mitbewerben. Organisiert wird der «Wald der Zukunft» von der Umweltorganisation WWF Schweiz und von der Dienststelle für Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern – die öffentliche Hand ist also ebenfalls an Bord. Auf der Website des Biers lässt sich der zuständige Kantonsbeamte ausgiebig zitieren.

WWF sieht keinen Widerspruch

Aber kann es im Interesse von Umweltschützern sein, dass ihr – notabene von der öffentlichen Hand unterstütztes – Projekt mit noch mehr Konsum befördert wird? Mit dem Konsum von Alkohol, versteht sich? Einen Widerspruch sehen die Verantwortlichen bei ihrer Zusammenarbeit nicht.

Auch von «Greenwashing», also von schönfärberischer Pseudo-Umweltfreundlichkeit, wollen sie nichts wissen. Und dass der positive Umwelteffekt durch den Mehrkonsum wieder zunichtegemacht werden könnte, weisen sie zurück. «Der WWF ist nie für Konsumsteigerung», hält eine Sprecherin fest. Es gehe einfach um die Unterstützung einer Biermarke in ein nachhaltiges Projekt.

Alkohol-Präventionsexperte übt Kritik

Wie viel «Uszit»-Bier getrunken werde, sei allein die Entscheidung der Konsumentinnen und Konsumenten, betont die WWF-Sprecherin. Der Beitrag von Feldschlösschen an den «Wald der Zukunft» helfe, dieses Projekt umzusetzen.

Doch es ist nicht nur die Vermischung von kommerziellen und ökologischen Interessen, die Fragen aufwirft. «Es ist problematisch, diesen vermeintlich guten Zweck mit der Verbreitung eines alkoholhaltigen Biers zu verknüpfen», sagt Didier Rochat, Geschäftsführer der Suchthilfeorganisation Blaues Kreuz. Denn schon heute würden rund 20 Prozent der Gesellschaft Alkohol missbräuchlich konsumieren. «Dies schädigt die Gesundheit, das Zusammenleben und verursacht hohe Kosten.»

Der preisliche Unterschied

Vom neuen «Uszit»-Bier habe man bisher keine Kenntnis gehabt, so Rochat. «Hingegen ist uns bekannt, dass die Firma Feldschlösschen alle möglichen Marketing-Massnahmen einsetzt, um ihre Produkte zu vertreiben, auch offensichtlich kontraproduktive Angebote.»

Und dann wäre da noch der Preis. Ein «Uszit»-Lagerbier à 5 Deziliter kostet bei Coop 2 Franken. Eine Feldschlösschen-Dose nur 1.80 Franken. Der Unterschied ist also deutlich grösser als bloss die 5 Rappen, die für den Wald gespendet werden. Zudem erfährt die Kundschaft nicht, dass «Uszit» vom selben Hersteller stammt. Angegeben wird die Swiss Beverage AG – eine Feldschlösschen-Tochtergesellschaft.

Man wolle Feldschlösschen bewusst nicht in den Vordergrund stellen, heisst es bei den Vermarktern von Ringier. Denn: «Der gute Zweck und die unterstützten Waldprojekte sollen im Fokus sein.» Zum Preisunterschied sagt ein Sprecher von Feldschlösschen:

«Jedes unserer Biere hat seine eigene Kostenstruktur.»

So sei «Uszit» ein kaltgehopftes Lagerbier mit einen aufwendigeren Brauverfahren. Ausserdem spielten bei der Kalkulation etwa Faktoren wie die Produktionsmenge eine Rolle.

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