Zuerst explodierte die Zahl der Einsätze: Die Alpine Air Ambulance hat im Aargau gegenüber der Rega die Nase vorn

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Der AAA-Rettungshelikopter hebt nach einem Notfalleinsatz beim Thermalbad Zurzach wieder ab. Bild: Alex Spichale (6. April 2020)

Letztes Jahr wurden im Kanton Aargau in 292 Fällen Personen in sogenannten Primäreinsätzen per Helikopter gerettet. Das zeigen die neusten Zahlen des Departements Gesundheit und Soziales (DGS), die dieser Zeitung vorliegen. Sie sind in der Grössenordnung vergleichbar mit denjenigen der Vorjahre 2018 und 2019.

Heli- und Ambulanz-Rettungseinsätze im Aargau

  2005 2017 2018 2019 2020
Rega 53 41 56 87 43
Alpine Air Ambulance - 181 228 192 249
Total Helikopter-Rettungen 53 222 284 279 292
Primär-Einsätze Ambulanz 11 712 26 473 27 766 31 010 31 465

Die Zahlen in der Luftrettung seien im Vergleich stabil, bestätigt denn auch Heini Erne, Fachspezialist Rettungs- und Katastrophenwesen im DGS.

Das ist somit eine ganz andere Situation als in den Jahren zuvor, in denen die Zahlen markant angestiegen waren. Das zeigt auch der Blick zurück bis 2005. Im Kanton Aargau kommt nicht mehr nur die Rega, sondern auch der seit 2013 im Birrfeld stationierte Rettungshelikopter «Lions1» der Firma Alpine Air Ambulance (AAA) zum Einsatz.

Nach dem im DGS geltenden Grundsatz, den nächst geeigneten verfügbaren Helikopter aufzubieten, fliegt im Aargau denn auch die AAA deutlich mehr Einsätze als die Rega, deren nächste Helikopter in Dübendorf und in Basel Mulhouse stationiert sind.

DGS: Aufgebot eines Heli via kantonale Notrufzentrale funktioniert gut

Das Aufbieten der Rettungshelis funktioniere über die kantonale Notrufzentrale (SNZ) sehr gut, sagt Erne. Die SNZ entscheidet unter anderem aufgrund einer Indikationsliste, ob sie nach einem Notruf einen Heli aufbietet. Dieser komme etwa dann zum Einsatz, wenn man aufgrund des Notrufs schon sehe, dass ein Notarzt nötig ist. Man wisse jederzeit, wo die Rega-Helis und der AAA-Heli beziehungsweise die Ambulanzen sind – ob im Einsatz oder verfügbar. In der Notrufzentrale könne man die Rettungseinsätze aus einer Hand steuern, man habe den Überblick. Erne: «Wir sehen auf dem Bildschirm jederzeit, welcher Heli wo ist.»

Würde man stattdessen die Luftrettung künftig via Regazentrale organisieren wollen, würde das mehr Zeit kosten, ist für Erne klar. Das System mit der kantonalen Notrufzentrale funktioniere gut, bekräftigt er. Das sei auch in anderen Kantonen mit diesem System so. Er sieht «keinen Grund, es zu wechseln».

Coronapandemie half die Zahl der Unfälle zu senken

Bei den Ambulanzfahrten hätte Erne aufgrund der deutlichen Steigerungen der letzten Jahre auch im Jahr 2020 eine Zunahme von drei bis vier Prozent erwartet. Das traf nicht ein. Die Bevölkerung wuchs um 1,2 Prozent, die Ambulanzfahrten erhöhten sich lediglich minim mehr, nämlich um 1,5 Prozent. Den Grund vermutet Erne bei Corona: «Gerade in der Zeit des Shutdown gab es massiv weniger Strassenverkehr, und entsprechend weniger Unfälle. Die Corona-Einschränkungen veränderten auch das Freizeitverhalten, auch da ereigneten sich weniger Unfälle.»

Der Kanton gibt vor, dass eine Ambulanz in 80 Prozent der Fälle innerhalb von 15 Minuten vor Ort sein muss. Hier erreichte man letztes Jahr 89,9 Prozent, wie Heini Erne erfreut feststellt. Sorge bereitet ihm jedoch, «dass der diplomierte Rettungssanitäter beziehungsweise die diplomierte Rettungssanitäterin zur Mangelware wird». Personalprobleme seien jedoch im gesamten Gesundheitswesen vorhanden, stellt Erne fest.

Die Luftrettung sorgt im Kanton Aargau immer wieder für politische Diskussionen, seit im Birrfeld der AAA-Heli stationiert ist und dieser die Mehrzahl der Rettungsflüge absolviert. Derzeit ist im Grossen Rat wieder ein Vorstoss hängig (vgl. Box).

Grosser Rat diskutiert das Luftrettungssystem

In einem Postulat fordern mehrere Grossräte von FDP, SP, Die Mitte und EVP (Sprecher Martin Brügger/SP) die Regierung auf, die Luftrettung als Bestandteil bei der laufenden Gesundheitspolitischen Gesamtplanung (GGPl) zu berücksichtigen, wobei insbesondere Leistungsvereinbarungen mit qualifizierten Luftrettungsunternehmen sowie eine überkantonale Koordination der Einsätze anzustreben seien. Die Regierung sieht aber «zurzeit keinen Handlungsbedarf». Die innerkantonale Disposition der Rettungseinsätze am Boden und in der Luft aus einer Hand über die Sanitätsnotrufzentrale 144 habe sich bewährt. Der Vorstoss dürfte im Mai im Grossen Rat behandelt werden. 

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