Fragezeichen um Dieter Wicki: Wurde der Chef des Kantonalen Führungsstabs von Gesundheitsdirektor Gallati kaltgestellt?

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«Personelle Unverträglichkeit?»: Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati (SVP, links) und Führungsstab-Chef Dieter Wicki. Bild: Britta Gut, Montage: kob

Vor einem Jahr war Dieter Wicki, Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz und Chef des Kantonalen Führungsstabs, eine zentrale Figur beim Coronakrisenmanagement. Wicki wurde zum Leiter der Taskforce Coronavirus berufen, trat bei Medienkonferenzen des Regierungsrats auf, unterstützte mit Zivilschützern das Contact-Tracing. Wicki war zusammen mit Kantonsärztin Yvonne Hummel auch zuständig für das Coronalagebulletin, das in der ersten Welle jeden Tag publiziert wurde.

Darin wurden Neuansteckungen, Todesfälle, Belegung der Intensivstationen, hospitalisierte Patienten und weitere aktuelle Zahlen veröffentlicht. Am 18. Juni 2020 erschien das letzte tägliche Bulletin, darin hiess es: «Mit der Aufhebung der kantonalen Notlage werden der Koordinations- und Steuerungsausschuss des Regierungsrats (Kosta) und die kantonale Taskforce Coronavirus aufgelöst.» Die Aufgaben der Ressorts Polizei, Gesundheitswesen, Einsatzführung, Logistik, Koordination & Projekte und Vorausplanung gingen zurück in die normale Organisation der kantonalen Verwaltung.

Führungsstab wurde in der zweiten Welle nicht mehr gebraucht

In der ersten Welle arbeiteten Dieter Wicki, Leiter Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz, und Kantonsärztin Yvonne Hummel eng zusammen.

In der ersten Welle arbeiteten Dieter Wicki, Leiter Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz, und Kantonsärztin Yvonne Hummel eng zusammen. Alex Spichale (Aarau, 20. März 2020)

Im Bulletin hiess es aber auch: «Bei einer allfälligen Eskalation der Lage könnten diese Organisationen sofort wieder aktiviert werden.» Da das Virus nicht verschwunden sei, bestehe die Gefahr wieder steigender Infektionszahlen. Deshalb werde die permanente Ansprechstelle des Kantonalen Führungsstabs die Lage zusammen mit dem kantonsärztlichen Dienst weiter verfolgen.

Mitte Juli sagte Dieter Wicki, der sich mit Corona infiziert hatte, die Krankheit aber ohne schweren Verlauf überstand, gegenüber Tele M1: «Sollte eine zweite Welle kommen, könnte es rasch gehen, und dann müssen wir auch rasch reagieren.»

Die Situation rund um das Coronavirus und die damit verbundene Arbeit im Führungsstab beschreibt Wicki als einzigartig:

«Man muss umschalten und einfach funktionieren. Ich bin froh, dass wir eine Crew haben, die das kann.»

Doch als im Herbst die zweite Welle kam, die viel höhere Ansteckungszahlen brachte als noch im Frühling, war der Führungsstab nicht mehr gefragt. Dieter Wicki trat im Herbst 2020 kaum noch öffentlich in Erscheinung – die Ausnahme war Mitte Oktober, als er zusammen mit Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati einen von 299 kantonalen Notfalltreffpunkten in Dietwil eröffnete.

FDP-Präsident Pfisterer spricht von «personellen Unverträglichkeiten»

Anfang Februar kritisierte FDP-Kantonalpräsident Lukas Pfisterer, dass der Führungsstab nicht mehr eingesetzt werde: «Wenn das Gesetz schon ein Gremium vorsieht, um durch eine solche Krise zu führen, dann soll man dieses auch nutzen.» Regierungssprecher Peter Buri entgegnete, «bei vielen spezialisierten Tätigkeiten sei eine kurzfristige, temporäre Entlastung durch den Kantonalen Führungsstab gar nicht möglich».

Dieter Wicki sah dies, zumindest wenn es den Zivilschutz in der Pandemie betrifft, offenbar anders. In einer Mitteilung dankte er den Zivilschützern – mehr als 2600 Personen hatten bis Mitte Februar fast 27'000 Diensttage geleistet – für ihren Einsatz. Dieser «entlastete die Leistungserbringer mit Unterstützungsbedarf im Gesundheitswesen», also zum Beispiel Spitäler und Heime, wie Wicki festhielt. Zuletzt besuchte er im Februar die Stiftung Schürmatt in Zetzwil, wo 15 Zivilschützer im Einsatz standen.

Ein paar Tage später sagte Lukas Pfisterer im AZ-Montagsinterview, es sei falsch, dass der Kantonale Führungsstab vom Krisenmanagement abgezogen worden sei. Aus seiner Sicht hätte der Stab zum Beispiel die Impfzentren organisieren und damit die Spitäler entlasten können. Pfisterer sagte:

«Warum auch immer der Regierungsrat darauf verzichtet – man redet von personellen Unverträglichkeiten – es ist unverständlich.»

Dass die Chemie zwischen Wicki (Mitte/ex-CVP) und Gallati (SVP) nicht stimmen soll, wird schon seit Monaten kolportiert.

Wicki ist derzeit nicht mehr am Arbeitsplatz

Für das Krisenmanagement wurde im Gesundheitsdepartement derweil ein Coronastab gebildet, in dem auch Dieter Wicki als Chef des Kantonalen Führungsstabs vertreten ist. Oder besser: vertreten war. Denn wie die AZ weiss, ist Wicki derzeit nicht an seinem Arbeitsplatz.

Wurde der Mann, der im Militär als Oberst im Generalstab tätig war und früher als sicherheitspolitischer Berater von Bundesrat Parmelin wirkte, von Gesundheitsdirektor und Major Jean-Pierre Gallati kaltgestellt oder gar entlassen?

Aus dem Umfeld von Wickis Frau, der Aarauer SP-Politikerin Eva Schaffner, sind solche Aussagen zu hören. Schaffner soll mehreren Personen erzählt haben, Gallati habe ihren Mann «geschasst». Oder steht die Entlassung erst noch bevor, ist aber eigentlich schon beschlossene Sache, wie eine andere Quelle sagt? Aus der Verwaltung heisst es jedenfalls, Wicki sei nicht mehr im Amt.

Ärztlich krankgeschrieben – Stellvertreter im Einsatz

Als die AZ bei ihm nachfragt, was es mit den Gerüchten auf sich habe, die sich in den letzten Tagen zunehmend verdichteten, teilt Wicki per Mail mit:

«Ich bin gegenwärtig leider ärztlich arbeitsunfähig geschrieben. Nach meiner vollständigen Genesung stehe ich gerne wieder für Anfragen zur Verfügung.»

Maria Gares, Sprecherin des Gesundheitsdepartements, hält auf Anfrage fest: «Herr Wicki ist krank, es trifft nicht zu, dass er nicht mehr im Amt ist.» Während Wickis Abwesenheit übernehme dessen Stellvertreter Rolf Stäuble sowohl die Leitung der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz als auch des Kantonalen Führungsstabs.

Wann und ob Wicki an seinen Arbeitsplatz beim Kanton zurückkehrt, ist damit offen, denn grundsätzlich ist eine Kündigung nicht zulässig, solange ein Angestellter krankgeschrieben ist. Der Kündigungsschutz wird gemäss Obligationenrecht durch gesetzliche Maximalfristen begrenzt. Im Fall von Wicki, den die damalige Regierungsrätin Franziska Roth im November 2017 zum Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz machte, liegt die Sperrfrist für eine Kündigung trotz Krankheit bei 90 Tagen.

Neuer Chef für die Sektion Katastrophenvorsorge

Mitte Oktober kündigte Sandro Stamm, Sektionsleiter Katastrophenvorsorge im Führungsstab. Stamm hatte laut dem Gesundheitsdepartement unter anderem beim Aufbau des Contact-Tracing-Centers als Gesamtprojektleiter eine entscheidende Rolle gespielt und damit zum Start eines funktionierenden Contact-Tracings beigetragen. Die Stelle wurde per 1. Dezember durch André Vossebein wieder besetzt, wie Maria Gares, Sprecherin des Gesundheitsdepartements, auf Anfrage sagt. Vossebein war zuvor Fachspezialist der Sektion Katastrophenvorsorge. Vor seiner Anstellung in der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz arbeitete er bei der Axpo als Geschäftsführer in der Unternehmungsberatung. Er verfügt laut Gares über sehr grosse Erfahrung im Bevölkerungsschutz und leistet derzeit Feuerwehrdienst als Offizier.

 
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