Fitnesscenter wieder offen: Die Situation erfordert Kraft und Ausdauer

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Physical-Fitness-Betreiber Marc Esslinger hat ein Plakat aufgehängt, das die finanzielle Lage seit dem ersten Lockdown beschreibt. Bild: mwy

Auf den ersten Blick wirkt alles wie gewohnt. Die Parkplätze vor dem Physical Fitness in Zofingen sind gut gefüllt und im Center selber schwitzen etwa 20 Menschen. «Die Zahl der Trainierenden war heute Morgen in etwa wie vor dem Lockdown», sagt Besitzer Marc Esslinger, «einzelne sind nur vorbeigekommen, um sich die ganze Situation anzuschauen.» Selbstredend baut der 44-jährige Strengelbacher darauf, dass sich in den nächsten Wochen und Monaten die Besucherzahlen gut entwickeln: «Wir hoffen, dass das Klima der Panik, welches die Politik verbreitet hat, immer mehr in den Hintergrund rückt und die Leute wieder Vertrauen fassen.»

Es gibt mehrere negative Punkte in der Rechnung

Erschwerend kommt aber hinzu, dass der Sommer vor der Tür steht und sich üblicherweise weniger Menschen in einem Fitnesscenter aufhalten. Zudem ist in den letzten Monaten ein regelrechter Boom auf Trainingsgeräte für das eigene Zuhause entstanden. «Es sind tatsächlich mehrere Punkte, die negativ für uns sind», weiss Esslinger, «bei den Geräten gab es eine Wartezeit von bis zu sechs Monaten. Wir hoffen natürlich, dass diejenigen, die sich jetzt eingerichtet haben, merken, dass sie zuhause nicht dieselben Möglichkeiten haben wie bei uns.»

Die letzten vier Monate hat Marc Esslinger mit der Renovation eines Badezimmers oder der Restauration eines Käfers verbracht und damit dafür gesorgt, dass keine Langeweile aufkommt. Das ist aber natürlich nur eine Facette der Geschichte. Für ihn geht es um nicht weniger als um seine Existenz und für seine Angestellten, die in Kurzarbeit waren, um ihren Job. Trotz eines von ihm mit 1,4 Millionen Franken bezifferten Umsatzausfalls innerhalb der beiden Phasen, in denen er sein Center nicht öffnen durfte, «habe ich bisher lediglich ein Almosen von 85 000 Franken an staatlicher Unterstützung erhalten. Das reicht nicht einmal annähernd, um die Fixkosten zu decken.» Eventuell folgt noch eine zweite Tranche, «aber ich rechne nicht mehr mit viel.»

Beim Physical Fitness baut man auf Solidarität

So hofft Marc Esslinger darauf, dass ihm seine Kundinnen und Kunden entgegenkommen: «Bei der ersten Schliessung haben wir angeboten, halbe-halbe zu machen, weil ja weder uns noch die Trainierenden eine Schuld an dieser Situation trifft. Das ist aber bei vielen nicht gut angekommen.» Nicht zuletzt deshalb geht das Physical Fitness nun einen anderen Weg. «Obwohl das Ganze in einer gesetzlichen Grauzone liegt, kann der Kunde diesmal selber entscheiden, ob er die Zeit der Schliessung angehängt bekommen will, ob wir den Schaden teilen oder er ganz auf seine Ansprüche verzichtet. Selbstverständlich sind wir allen dankbar, die uns helfen.»

Bis jetzt hat er schon erste Zeichen der Solidarität gespürt und «ich hatte wieder viele gute, lustige Gespräche». Nach einem ersten Schock am Mittwoch, weil er überhaupt nicht damit gerechnet hatte, dass er sein Fitnesscenter «bereits» wieder öffnen darf, war er hin- und hergerissen: «Es war so etwas zwischen ‹das kann ja gar nicht sein› und ‹Gott sei Dank, geht es wieder los›. Es stand ausserdem die Frage im Raum, ob die Kunden überhaupt kommen werden. Seit die Ersten aber das Studio betreten haben, ist es wieder cool und lässig.»

Die Einschränkungen sind zu verkraften

Damit es so bleibt und das Physical Fitness nicht schon bald wieder schliessen muss, geht es auch darum, sich an die Regeln zu halten. «Das Sicherheitskonzept ist in etwa dasselbe wie vor der Schliessung», erklärt Marc Esslinger, «das ist auch nicht auf unserem Mist gewachsen, sondern gibt der Verband vor.» Momentan dürfen sich noch 125 Personen – statt wie zuletzt 200 – im Center aufhalten. Für die Gruppenstunden liegt die Grenze bei 15 Personen. Dank viel Platz und guter Lüftung kann während dem Trainieren auf die Maske verzichtet werden. «Wir bauen aber natürlich auf gegenseitigen Respekt und Rücksichtnahme», sagt Esslinger, «und sollte sich jemand nicht an die Regeln halten, suchen wir mit ihm das Gespräch. Schliesslich fallen Verfehlungen immer auf uns zurück.»

Impfen lassen will er sich übrigens nicht, aber um einen weiteren Lockdown im Herbst zu verhindern, hofft er darauf, «dass die Impfung den Staat so weit entlastet, dass dieser wieder auf Eigenverantwortung setzt». Sagt er und nimmt den nächsten Telefonanruf entgegen, in dem er nach Öffnungszeiten, Schutzmassnahmen und Entschädigungen gefragt wird.

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Seit gestern dürfen die Fitnessfans ihrem Hobby endlich auch wieder in den Centern nachgehen. Das sorgt etwa bei Marc Esslinger (Bild), dem Inhaber von Physical Fitness in Zofingen, für Freude. (mwy)
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