Die neue Zofinger Stadtregierung steht im ersten Wahlgang – das sagen Gewinner und Verlierer

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Gute Laune nach dem ersten Wahlgang: So sieht der Zofinger Karikaturist Alfi Moor den neugewählten Zofinger Stadtrat. Bild: Alfi Moor
Christiane Guyer (Grüne) 2'239 Stimmen (Bilder: Janine Müller)
Dominik Gresch (GLP) 2'165 Stimmen
Rahela Syed (SP) 1'917 Stimmen
Robert Weishaupt (Die Mitte) 1'842 Stimmen
Andreas Rüegger (FDP) 1'781 Stimmen
Peter Siegrist (parteilos) 1'724 Stimmen
Lukas Fankhauser (SP) 1'587 Stimmen

Womit die meisten rechneten, ist seit Sonntag kein Thema mehr: Ein zweiter Wahlgang ist bei den Zofinger Stadtratswahlen überflüssig. Abgegeben wurden 3562 gültige Stimmrechtsausweise, was einer Wahlbeteiligung von 43,7 Prozent entspricht. Nötig für das absolute Mehr waren 1408 Stimmen. Dieses erreichten überraschenderweise neun von elf Kandidierenden.

Das beste Resultat erzielte die Grüne Christiane Guyer mit 2239 Stimmen, gefolgt von GLP-Mann Dominik Gresch mit 2165 Stimmen. Beide bewerben sich im Herbst für das Amt des Stadtammanns – die Ausmarchung dürfte also spannend werden.

Auf dem dritten Rang folgt Rahela Syed von der SP mit 1917 Stimmen. Die Negativ-Schlagzeilen um das Seniorenzentrum konnten ihr offenbar wenig anhaben, sie wurde souverän wiedergewählt. Auf dem vierten Platz landete der erste neu Kandidierende, Robert Weishaupt (Die Mitte). Für den Präsidenten der einwohnerrätlichen Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) sind die 1842  Stimmen zweifellos ein hervorragendes Resultat.

Wieder den Sprung in den Stadtrat geschafft haben Andreas Rügger (FDP) mit 1781 Stimmen und Peter Siegrist (parteilos) mit 1724 Stimmen. Damit liegt Siegrist, der ebenfalls Stadtammann werden möchte, mehr als 500 Stimmen hinter Guyer – keine einfache Ausgangslage für den Zofinger Gastronomen, der 2017 als Polit-Neuling in die Exekutive gewählt wurde.

Knapp gewählt wurde der SP-Mann Lukas Fankhauser, er kam auf 1587 Stimmen. 32 Stimmen hinter ihm liegt der erste Nicht-Gewählte, Hansruedi Hauri von der SVP. Er schaffte zwar die Hürde des absoluten Mehrs ebenfalls, der Einzug in den Stadtrat gelang ihm aber nicht. Auch André Kirchhofer von der FDP lag mit 1465 Stimmen über dem absoluten Mehr – gebraucht hätte er aber 123 Stimmen mehr, um Lukas Fankhauser zu schlagen.

Michael Wacker, der dritte Kopf der SP, kam auf 1366 Stimmen, der parteilose Überraschungskandidat Maik Müller auf 1177 Stimmen, was der junge Polit-Newcomer zweifellos als Erfolg verbuchen kann.

Guyer: «Zähler werden jetzt auf Null gestellt»

Mit 2239 Stimmen erreichte Christiane Guyer am Sonntag von allen Kandidierenden das beste Resultat. Für die 57-Jährige ist das ein Beweis für die Wertschätzung und das Vertrauen, das die Stimmberechtigten ihr und ihrer Arbeit gegenüber schenken. «Ein riesengrosses Dankeschön dafür», sagt sie. Erfreut zeigt sie sich darüber, dass ihr etwas unkonventionellerer Ansatz im Wahlkampf aufgegangen ist. Guyer setzte auf eine Aktion mit Gewerbegutscheinen und verzichtete auf eine flächendeckende Plakatierung. Vor allem die Gutscheine seien gut angekommen, sagt sie.

Überrascht ist sie, dass bereits im ersten Wahlgang der gesamte Stadtrat gewählt wurde. Aufgrund der Ausgangslage habe man nicht zwingend davon ausgehen können, meint sie. «Die Resultate zeigen aber, dass es auf jede Stimme ankam.» Obwohl der SVP-Kandidat Hansruedi Hauri nicht in den Stadtrat gewählt wurde, ist für Guyer klar, dass der Stadtrat die SVP in die Meinungsbildung miteinbeziehen muss. «Es gehört dazu, dass wir bei den Geschäften alle Meinungen einholen. Nicht nur jene der SVP, sondern beispielsweise auch jene der jungen Generation. Nur so gelingt es uns, die Bevölkerung mitzunehmen.» Mit ihrem Resultat bringt sich die Grüne in Pole-Position für das Amt als Stadtammann. Guyer mahnt aber: «Die Zähler werden jetzt wieder auf Null gestellt.» Sie werde aber weiterhin authentisch bleiben und sich «leidenschaftlich für Zofingen einsetzen». Sie freue sich sehr auf den Wahlkampf.

Gresch: «Das wird ein enges Rennen»

Auch der wiedergewählte GLP-Kandidat Dominik Gresch hat Ambitionen, Stadtammann zu werden. Mit 2165 Stimmen lag er am Sonntag nur 74 Stimmen hinter Guyer auf Platz zwei. Es sei ein tolles Resultat, auch wenn er vor vier Jahren noch Erstplatzierter gewesen sei, so Gresch. «Es hat mich dennoch sehr gefreut, und ich möchte mich für das Vertrauen und die Anerkennung bedanken.»

Dass er ein leicht schlechteres Resultat gemacht hat als 2017, führt er darauf zurück, dass er in den vergangenen vier Jahren weniger medienwirksame Projekte betreute. Wenig überrascht zeigt er sich darüber, dass bereits nach dem ersten Wahlgang alles klar ist. Überraschend aber sei, dass es so knapp war. Allen Kandidierenden spricht er ein Lob für den engagierten und fairen Wahlkampf aus. «Alle haben viel geleistet – und das unter schwierigen Bedingungen.» Entsprechend froh ist Gresch, dass es keinen zweiten Wahlgang gibt und er sich jetzt auf den Wahlkampf um das Amt als Stadtammann konzentrieren kann. «Das wird ein enges Rennen», sagt er und ergänzt: «Es ist jetzt eine andere Ausgangslage. Ich werde im Wahlkampf jetzt sicher noch mehr machen müssen.» Die Parteipolitik dürfte am 26. September noch mehr zu tragen kommen, meint er.

Syed: «Wer hätte das gedacht?»

«Wer hätte das gedacht?» So reagierte die wiedergewählte Rahela Syed, die hinter Guyer und Gresch das drittbeste Ergebnis erzielte. Die Negativ-Schlagzeilen um das Seniorenzentrum konnten der populären SP-Frau offenbar wenig anhaben. «Ich konnte nicht einschätzen, wie sich das auswirken wird», so die 53-Jährige. Dass ihr die Stimmberechtigten nun das Vertrauen ausgesprochen hätten, freue sie natürlich sehr. Befürchtungen, dass sich das Dreier-Ticket der SP negativ auswirken könnte, hätten sich nicht bewahrheitet. Wird die Nicht-Präsenz der SVP im Stadtrat die künftige Arbeit des Gremiums erschweren? «Ich hoffe nicht, dass das der Fall sein wird», sagt Syed. Und hat sie auf die Ambitionen auf das Amts des Vizeammanns? Konkret festlegen will sie sich noch nicht. «Diese Option werde ich in den nächsten Wochen prüfen, gemeinsam mit der Partei», sagt sie.

Weishaupt: «Bin doppelt überrascht»

Doppelt überrascht zeigte sich der neugewählte Stadtrat Robert Weishaupt («Die Mitte»). «Einerseits überrascht, dass es keinen zweiten Wahlgang braucht. Und andererseits, dass ich auf Anhieb das viertbeste Ergebnis erzielt habe», so der 48-jährige Präsident der FGPK. Er habe wohl Stimmen von links bis rechts verbuchen können, so Weishaupt, und wahrscheinlich habe ihm auch das Dreier-Ticket der SP geholfen: Nicht-SP-Wählerinnen und Wähler hätten wohl auf ihn gesetzt. In seinem Geschäft – Weishaupt führt seit 2000 in Zofingen ein gleichnamiges Fahrradgeschäft – werde er Personal aufstocken müssen, wenn er künftig als Stadtrat tätig sei. «Aber das mache ich natürlich gerne», sagt er. Und: «Ich freue mich brutal auf die neue Aufgabe!»

Rüegger: «Vizeammann ist eine Option» 

«Hauptsache wiedergewählt», lautet das Fazit von Andreas Rüegger (FDP). Das Resultat sehe er nicht als Bewertung seiner Arbeit, sagt der 52-Jährige. «Aufgrund der Konstellation nahmen sich die bürgerlichen Kandidaten die Stimmen weg.» Persönlich hat Andreas Rüegger so viel in den Wahlkampf investiert wie noch nie. Grund dafür: «Es gab viele gute Kandidaten, das hat mich schon unter Druck gesetzt und mich gepusht.» Zudem habe die Corona-Situation den Wahlkampf schwieriger gemacht. Entsprechend nutzte Rüegger die Sozialen Medien und die digitale Kommunikation. Etwas, mit dem der Stadtrat künftig ebenfalls vorwärts machen müsse, findet er. Das nehme er mit aus dem Wahlkampf, sagt Rüegger. Überrascht zeigte er sich darüber, dass sein Parteikollege André Kirchhofer nicht gewählt wurde. «Er bringt einen sehr grossen Rucksack mit und wäre eine Bereicherung für den Stadtrat gewesen», hält Rüegger fest. Er selbst kann sich vorstellen, als Vizeammann zu kandidieren. «Das hängt aber noch von der Ressortzuteilung ab. Entsprechend lasse ich diesen Entscheid noch offen.»

Siegrist:«Der Austausch war schwierig»

Als das ZT den parteilosen Peter Siegrist erreicht, ist er bereits in seiner Bar Key 69 am Feiern. «Zuerst wird jetzt die Wiederwahl gefeiert, das Resultat analysiere ich später», sagt der 54-Jährige. Er sei jedenfalls zufrieden mit der Wiederwahl, denn der Ausgang der Wahlen sei sehr offen gewesen. «Niemand wusste im Vorfeld so recht, wo er steht», so Siegrist. Denn aufgrund der Pandemie habe der direkte Austausch mit den Menschen gefehlt. Er als Wirt habe den Kontakt zu den Leuten vermisst. «Die Gastronomie ist jeweils auch ein guter Ort für die Meinungsbildung und die politischen Diskussionen, das hat definitiv gefehlt», findet er. Dieses Mal sei der Wahlkampf vor allem online und über die Printmedien gelaufen.

Fankhauser: «SVP nun miteinbeziehen»

«Ich bin sehr glücklich, dass ich auf den siebten Rang gewählt wurde», sagt der neugewählte SP-Mann Lukas Fankhauser. Seine Erfahrung in Bildungsdossiers – der 56-Jährige  ist Schulpflegepräsident – habe sicher geholfen, obwohl er nicht sehr bekannt sei. Per Anfang Jahr werden die Schulpflegen im Kanton abgeschafft, Fankhauser will nun sein Knowhow im Stadtrat einbringen. Dass es die SVP nicht geschafft hat, findet Fankhauser schade. «Es ist jetzt besonders wichtig, dass wir die SVP miteinbeziehen.» 

Hauri: «Schade, es war so knapp!»

«Es ist schade, es war so knapp.» Die Enttäuschung ist gross beim 40-jährigen SVP-Kandidaten Hansruedi Hauri. Obwohl er das absolute Mehr erreicht hat, scheidet er als erster Überzähliger aus. Wäre der Entscheid deutlicher ausgefallen, wäre es sicher einfacher zu ertragen, meint Hauri. Es sei schwierig zu sagen, woran es gelegen habe. Auf den Blick in die Glaskugel verzichtet er. Immerhin: Im Vergleich zu früheren SVP-Kandidierenden hat Hansruedi Hauri am besten abgeschnitten. Er hat über die Parteigrenzen hinaus Stimmen geholt. Aber selbst das reicht der SVP nicht, um wieder ein Mitglied in der Exekutive zu stellen. Hauri will sich nun überlegen, ob und inwiefern er künftig in Zofingen politisch tätig sein will.

Kirchhofer: «Bin sehr enttäuscht»

Für den 43-jährigen FDP-Kandidaten André Kirchhofer war das Wahlergebnis bitter. Kirchhofer ist seit 2011 Mitglied im Zofinger Einwohnerrat und hat diesen 2018/2019 präsidiert. Dass er trotz grosser Bekanntheit und einer aktiven Kampagne in den Sozialen Medien («Kirchhofer in Kürze») den Sprung in die Exekutive nicht geschafft hat, ist für ihn eine «sehr grosse Enttäuschung», wie er sagte. Bitter auch deshalb, weil Kirchhofer wie der SVP-Mann Hansruedi Hauri zwar die Hürde des absoluten Mehrs im ersten Wahlgang genommen hat, aber schliesslich auf Rang 9 landete. «Zofingen wünscht offensichtlich andere Kompetenzen und Fähigkeiten, als ich sie mitbringe», so Kirchhofer. Ob er im Herbst erneut für den Einwohnerrat kandidiert, will er in den nächsten Wochen entscheiden. An der parteipolitischen Zusammensetzung habe sich im Stadtrat nicht viel geändert: «Nach wie vor ist die SP mit zwei Köpfen vertreten, für Hottiger, der die Mitte vertritt, kommt wieder ein Mann der Mitte», konstatiert Kirchhofer.

Wacker: «Sorge nicht für Merkel-Problem»

SP-Kandidat Michael Wacker schaute mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge auf die Wahlergebnisse. «Persönlich bin ich enttäuscht, für die Partei aber hocherfreut», sagt er. Dass die SP wieder mit zwei Mitgliedern im Stadtrat vertreten sei, sei ein gutes Signal im Hinblick auf die Einwohnerratswahlen im Herbst. Tritt der 53-jährige Wacker nochmals an? «Für den Einwohnerrat schon.» Offen sei, ob er Mitglied der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission bleibe. Nach 16 Jahren in der FGPK stehe die Frage im Raum, ob einer neuen Kraft Platz mache. «Ich will nicht für ein Merkel-Problem in der FGPK sorgen», scherzt Wacker. Dass die SVP wieder nicht im Stadtrat vertreten ist, bedauert er. «Für mich gehört die wählerstärkste Partei in die Exekutive.»

Müller:«Gut für einen Newcomer»

Einen Achtungserfolg erzielte Überraschungskandidat Maik Müller aus dem Mühlethal. Obwohl er mit 1177 Stimmen auf dem letzten Platz landete, zeigte er sich am Sonntagnachmittag zufrieden mit dem Resultat. «Es ist ziemlich gut für einen Newcomer», findet der 26-Jährige. Und: «Das wars sicher noch nicht von mir.» Er will sich weiterhin politisch für Zofingen einsetzen, allenfalls als Einwohnerrat. Er sei mit verschiedenen Parteien im Gespräch. Gut möglich, dass er auch in vier Jahren wieder als Stadtratskandidat antreten wird. Für ihn sei der Wahlkampf eine spannende Erfahrung gewesen. Vor allem bezüglich Auftrittskompetenz habe er profitieren können.

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