Verwirrung um Maskenpflicht in Strassencafés und auf Restaurant-Terrassen: So interpretieren Wirte die BAG-Weisung

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Maske auf vor und nach der Konsumation? Müsste man - tut aber kaum jemand. Bild: Keystone

Die Schweiz und die Masken – diese schier endlose Geschichte begann mit einer Lüge. Masken nützten nichts gegen die Ausbreitung des Virus, behaupteten das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und «Mister Corona» Daniel Koch anfänglich, ohne rot zu werden. Natürlich nützten sie, aber es gab damals zu wenig Masken. Später wurde die Maskenpflicht umso umfassender verordnet und mancherorts auch im Freien, etwa in belebten Strassen der Städte, mit polizeilichen Mitteln durchgesetzt.

Die Pflicht bröckelt in Altersheim und an Schulen

Und jetzt? Die Masken sind in der Schweiz wieder auf dem Rückzug. Zum Teil ist dieser offiziell verfügt worden: Wer in einem Altersheim lebt und geimpft ist, muss seit letztem Montag keine Maske mehr tragen. So beschloss es der Bundesrat. Und auch an den Schulen hat der Trend gekehrt: Seit Herbst wurden immer mehr Schulstufen von der Pflicht erfasst, inzwischen haben erste Gemeinden und Kantone, etwa Graubünden, Lockerungen erlassen.

Behörden begründen solche Entscheide mit Impfungen oder Tests, doch da ist noch der inoffizielle – man könnte auch sagen: illegale – Rückzug der Masken. Während die Disziplin im öffentlichen Verkehr ungebrochen hoch ist, erodiert sie im halböffentlichen Bereich. Ein KMU, das der CH-Media-Redaktion bekannt ist, hat die Maskenpflicht in den Grossraumbüros aufgehoben, obwohl der Bund sie vorschreibt. Am offensichtlichsten ist der Bedeutungsverlust der Masken aber im Freien.

 

Die Restaurantterrassen und Strassencafés sind seit gut einer Woche wieder gefüllt. Am prächtigen Wochenende war es vielerorts schwierig, überhaupt noch einen freien Tisch zu finden. Und ob in den Städten des Mittellandes oder an Tourismusorten: Praktisch kein Gast trug eine Maske, wie diese Redaktion übereinstimmend in allen Landesteilen beobachtet hat.

Zwei Gäste stossen in Baden AG auf den Feierabend an. Eine Maske tragen sie nicht.

Zwei Gäste stossen in Baden AG auf den Feierabend an. Eine Maske tragen sie nicht.

Alex Spichale

Rebellion auf Terrassen und in Strassencafés

Ob mit Absicht oder aus purer Unwissenheit: das kommt einem Akt der Rebellion gleich, einem kleinen zumindest. Denn eigentlich, so steht es in der Verordnung des Bundesamts für Gesundheit, müssen auch an den Terrassentischen Masken getragen werden - abgenommen werden dürfen sie nur beim Konsumieren.

Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse

Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse

Bild: Keystone

Casimir Platzer ist Präsident von GastroSuisse. Der Berner sagt, es sei dank dem ausserordentlich schönem Wetter eine gute Woche gewesen für die Schweizer Wirte, er spricht von «erfreulich guten Umsätzen für jene, die Terrassen haben und öffnen konnten». Dennoch bleibe die Teilöffnung für die meisten Betriebe ein Verlustgeschäft. Die Maskenregel ist für ihn nicht nachvollziehbar. Platzer sagt, sein Verband habe in der Sache beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV nachgehakt – jenem Amt, mit dem die Wirte seit Beginn der Pandemie in Sachen Schutzkonzepte in Kontakt stünden.

Wie GastroSuisse die Maskenregel interpretiert

Aufgrund der Rückmeldungen des BLV und auch des Bundesamts für Gesundheit, sagt Platzer, sei für GastroSuisse mittlerweile klar, dass zwischen der ersten Bedienung und dem Abschluss der letzten Konsumation keine Maske getragen werden muss.

Der Verbandschef macht aber auch keinen Hehl daraus, dass er nicht versteht, warum jetzt plötzlich draussen an den Tischen eine strengere Maskenpflicht gilt als bis jetzt selbst in den Innenräumen:

«Es wäre für Wirte und Gäste sicher am verständlichsten, wenn man keine Maske mehr tragen muss, sobald man sitzt.»

Auch andere Gastronomen ärgern sich über die Maskenregeln. «Das ist Mumpitz», sagt Christian Hasler, Vorstandsmitglied von Gastro Luzern und Hotelbesitzer in Weggis. Für Hasler kommt noch eine weitere Frage dazu: Jene nämlich, wie er mit seinen Hotelgästen umgehen soll. Die konnte er stets empfangen und ohne Maske im Innenraum bewirten. Was für sie nun auf der Terrasse gilt, weiss Hasler nicht.

Ärgert sich über die aktuellen Bestimmungen: Christian Hasler.

Ärgert sich über die aktuellen Bestimmungen: Christian Hasler.

Bild: Boris Bürgisser

Keine Maske für Hotelgäste, aber eine für jene, die auf ein Essen vorbeischauen? Hasler ist ratlos. Und sagt, auf seiner Terrasse habe noch nie ein Gast eine Maske getragen.

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