Varol Tasars Rückkehr an den Ort der schwersten Stunde

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Nach einem schwierigen Jahr in Genf ist Varol Tasar in Luzern heimisch geworden. (Bild: Keystone)

Es ist der Donnerstag vor dem heiss erwarteten Cup-Halbfinal zwischen dem FC Aarau und Luzern. Natürlich ist der Grund für das Gespräch mit Varol Tasar, als wir ihn in Luzern besuchen, seine Rückkehr ins Brügglifeld. Aber zuerst gilt es, eine alte Geschichte zu klären. Zwei Jahre danach ist es nämlich höchste Zeit, die Gerüchte von damals in Tatsachen zu verwandeln. Also: Wie war das im Sommer 2019 mit dem Wechsel vom FC Aarau zu Servette, als es plötzlich hiess, es gebe eine Hintertür für einen Verbleib im Brügglifeld? Varol Tasar klärt auf: «Ja, es stimmt, es gab diese Klausel im Vertrag. Der Vertrag mit den Genfern wäre aufgelöst worden, wenn wir mit Aarau aufgestiegen wären und Servette nicht. Und wenn es beide Teams geschafft hätten, so war es mit Sportchef Sandro Burki ausgemacht, hätte der FC Aarau alles dafür unternommen, mich von Servette zurückzukaufen. Für mich stand im Vordergrund, dass ich ab Sommer 2019 in der Super League spielen kann. Am liebsten hätte ich das natürlich mit dem FC Aarau getan.»

Bekanntlich ist es anders gekommen. An Tasars letztem Arbeitstag im Brügglifeld, am 2. Juni 2019, gibt der FCA in der Barrage gegen Xamax einen 4:0-Vorsprung aus der Hand. Und obwohl seither zwei Jahre vergangen sind und der mittlerweile 24-Jährige nach dem Abschied aus Aarau einiges durchgemacht hat, erinnert er sich haargenau an die Barragewoche zurück. «Wir Spieler waren uns nach dem Hinspiel zu sicher. Jeder hat am Tag danach nur noch vom Aufstieg geredet. In den Zeitungen stand, dass die Stadt alles vorbereitet für eine grosse Party, davon haben wir uns anstecken lassen und uns ausgemalt, wie wir mit den Fans feiern werden. Im Abschlusstraining vor dem Rückspiel war es lustig, aber eine seriöse Matchvorbereitung geht anders.» Nach dem Scheitern hat es Tasar «verhuddlet», der Schock über den vergebenen Aufstieg, aber auch das Bewusstsein, dass das Kapitel in Aarau zu Ende ist, war zu viel für ihn, tagelang habe es ihm danach die Tränen in die Augen getrieben. «Der verpasste Aufstieg wird wohl für immer meine schwerste Stunde als Fussballer bleiben.»

Beim FC Aarau lancierte der dribbelstarke und pfeilschnelle Flügelstürmer seine quasi tote Karriere neu. Es war im Jahr 2016, als der damalige FCA-Nachwuchsleiter Sascha Stauch Tasar nach Aarau holte. Vom Zweitligisten FC Klingnau, wo Tasar hobbymässig spielte, nachdem er eigentlich die Schnauze voll hatte vom Fussball. Die Kurzversion: Ein findiger Berater lockt im Sommer 2015 den 19-jährigen Tasar in die Türkei, das Heimatland seiner Eltern. Statt auf der grossen Fussballbühne durchzustarten, wartet Tasar in seinem Hotelzimmer wochenlang auf den ausgemachten Vertrag und den Lohn, verlassen vom Berater, der sich mit der Transferprovision aus dem Staub gemacht hat. Erst nach langem Betteln beim Trainer entlässt dieser Tasar zurück in die Schweiz.

Den Traum vom Wechsel in eine Topliga hat er nicht aufgegeben

In Aarau trumpft Tasar ein Jahr lang mit der U21 auf, ab 2017 gehört er zum Profikader, der Durchbruch gelingt in der Saison 2018/19: Sie startet mit der Suspendierung für ein Spiel, weil Tasar schmollte, nachdem ihm der FC Aarau einen Wechsel zum FC Lugano untersagt, die Tessiner boten eine indiskutabel tiefe Ablösesumme. Nach einem klärenden Gespräch mit den FCA-Verantwortlichen besann sich Tasar. Zum Glück, denn ab sofort startete er so richtig durch und war als Topskorer (13 Tore, 8 Vorlagen) ein Schlüsselfaktor auf dem Weg von ganz unten in der Tabelle bis in die Barrage. Seine spektakuläre Spielweise rief natürlich Klubs aus der Super League auf den Plan, schon im Frühjahr 2019 war der FC Luzern hinter ihm her, doch Tasar entschied sich, mitunter aus finanziellen Gründen, für Servette.

Nein, den Schritt nach Genf bereue er nicht. Vielmehr betrachte er das Jahr als Lehrstück, vor allem für sich selber: «Ich konnte kein Wort Französisch – und die Sprache ist das A und O, um Anschluss zu finden. Und herausgefunden habe ich auch, dass alleine Wohnen nichts für mich ist. Vor allem als Corona anfing und wir nur noch zu Hause bleiben durften, begann ich zu vereinsamen. Meine Freundin konnte mich wegen ihrer Ausbildung leider nicht nach Genf begleiten.» Sportlich lief es gut bis sehr gut, Tasar war mehr oder weniger Stammspieler, auch wenn er, wie er sagt, nie das hundertprozentige Vertrauen von Trainer Alain Geiger gespürt habe.

Nachdem er die Saison 2020/21 noch mit Servette begann, die Mannschaft aber in der Europa-League-Qualifikation ausschied, deponierte er bei den Klubverantwortlichen seinen Wechselwunsch. Ab da ging es schnell: Tasar gehörte nicht mehr zum Aufgebot, was in Luzern dem Sportchef Remo Meyer auffiel, worauf dieser sich bei Tasar meldete und es danach auch mit den Wechselmodalitäten zwischen dem FCL und Servette nur wenige Tage dauerte. «Als Spieler mit türkischen Wurzeln rufen dich jede Woche etliche Berater an, um dich in die Türkei zu vermitteln. Aber nach den Erfahrungen von 2015 kam das nicht in Frage. Zumindest jetzt noch nicht: Wenn ich wieder einmal in die Türkei wechseln sollte, dann nur mit der Gewissheit, dort auch ein wichtiger Spieler zu sein.»

In Luzern fällt das Leben leichter: Die Freundin wohnt bei ihm im Stadtteil Littau. Im Training und in der Freizeit wird Deutsch gesprochen, der Weg zu den Eltern in den deutsch-schweizerischen Grenzort Waldshut dauert nur eine gute Stunde. Nur sportlich ist er noch nicht dort, wo er hinwill: Stammspieler. «Ich bin kein Schnellstarter, das war ich weder in Aarau, Genf und auch nicht jetzt in Luzern. Ich war bis zur Winterpause einfach nicht gut genug, um vom Trainer einen Stammplatz zu verlangen.» Fabio Celestini bringt Tasar seit dem Jahreswechsel grösstenteils als Joker in die Spiele – und das mit Erfolg: Die Spiele gegen Lugano (3:2) und Lausanne (1:0) entschied er mit seinen Treffern, sein Anteil daran, dass Luzern sich Luft verschafft hat im Abstiegskampf, ist beträchtlich.

In der Innerschweiz hat Tasar einen Vertrag bis 2024 unterschrieben, im Herbst wird er 25 – und obwohl das heutzutage für einen Fussballer schon fast ein fortgeschrittenes Alter ist, hegt Tasar noch Träume vom grossen Wurf: «Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass im Fussball die verrücktesten Dinge möglich sind. Warum soll ich vom Ziel, einmal in einer Topliga wie der Bundesliga zu spielen, abrücken?»

Im Cup-Viertelfinal in Lugano stand Tasar ausnahmsweise in der Startelf – und nach dem Sieg in der Verlängerung verfolgte er gespannt die Halbfinal-Auslosung, mit einem grossen Wunsch: «Ich wollte unbedingt gegen Aarau spielen. Ins Brügglifeld zurückzukehren, alte Freunde wieder zu treffen, der Gedanke war sehr reizvoll. Nur ein Final gegen Aarau hätte das noch toppen können.» Der FC Aarau oder Tasar mit Luzern, wer auch immer heute Abend im Brügglifeld gewinnen wird: Mindestens ein bisschen Aarau wird im Endspiel am Pfingstmontag in Bern vertreten sein.

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