Was macht der Covid-Impfstoff in unserem Körper? KSA-Infektiologe Fux klärt auf

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Der mRNA-Impfstoff sorgt dafür, dass unser Körper lernen kann, Antikörper zu bilden. Diese verhindern später, dass das Covid-Virus (im Bild ein Modell) mit einem Oberflächeneiweiss in unsere Zellen eindringen und sich dort vermehren kann. Bild: Koto_feja / E+

Erinnern Sie sich an Ihre letzte Erkältung? Die triefende Nase, das Kitzeln vor dem unabwendbaren Niesen? Nehmen Sie sich bitte einen Moment Zeit, sich vorzustellen, wie diese Schnupfenviren in Ihre Nasenschleimhaut eindrangen. Sie entledigten sich ihrer Hülle, sahen sich – nun nichts mehr als ein Strang genetischer Information – nach Möglichkeiten zur Vermehrung um und fanden diese auch.

In der menschlichen Zelle fand sich nämlich alles, um aus dem Virus-Genom, dem aus Ribo-Nuleinsäuren (RNA) bestehenden genetischen Bauplan, neue Viren zu machen. Sofort begann nun ein wildes Kopieren dieser Virus-RNA (A wie «acid», englisch für Säure). Ein geschäftiges Produzieren, Zurechtschneiden und Zusammenbauen von Viruseiweissen setzte ein. Minuten später standen fixfertige neue Viren bereit, Ihre Nase mit dem nächstbesten Schleimtropf zu verlassen, um auf der nächsten Türklinke auf neue Abenteuer zu warten. Jahr für Jahr – bei jedem banalen Schnupfen – befindet sich also fremdes Virus-Genom in unseren Zellen. Sie haben es schon millionenfach heil überstanden.

Leiden Sie unter Herpes-Bläschen, hatten Sie je Windpocken oder das Pfeiffersche Drüsenfieber? Dann beherbergen Sie gar DNA-Viren in Ihren Zellen; Viren also, die den gleichen Bauplan aus Desoxyribo- Nukleinsäuren (DNA) verwenden, der sich auch in unserem Zellkern findet. Solche DNA-Viren verbleiben lebenslang in Ihren Zellen. Sie können sich gar vermehren und Sie krank machen, wann immer Ihr Immunsystem Schwäche zeigt.

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Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am KSA. Bild: Britta Gut

 

Und nun stellen Sie sich unsere Covid-19-Impfstoffe Marke Biontech/Pfizer oder Moderna vor. Sie bestehen aus einem kleinen mRNA-Stück in winzigen Fettkügelchen, die in Ihren Oberarm gespritzt und von einer Muskelzelle aufgenommen werden. Das «m» steht für «messenger» oder Bote und weist auf seine Aufgabe hin, einen Bauplan zu den Eiweissfabriken in den Zellen zu bringen.

Beim mRNA-Stück im Impfstoff handelt es sich nicht um das ganze Genom von SARS-CoV-2, wie Sie es bei einer Infektion abbekommen. Es beinhaltet nur gerade so viele Informationen, dass unser Körper lernen kann, Antikörper zu bilden. Diese verhindern später, dass das Virus mit einem Oberflächeneiweiss in unsere Zellen eindringen und sich dort vermehren kann.

Ihr Körper ist es gewohnt, mit vollständigen Virus-Genomen umzugehen

Die Angst, dass dieses mRNA-Stück aus der Impfung in unseren Zellkern transportiert und dort in unsere DNA eingebaut wird, ist unbegründet. Der menschliche Bauplan ist, wie erwähnt, nicht mit RNA geschrieben, sondern mit DNA. Die menschlichen Zellen und die neuen Coronaviren beherrschen die Übersetzung DNA in mRNA, nicht aber von mRNA in DNA.

Hat man dies begriffen, wird die Angst vor genetischer Manipulation im Zusammenhang mit mRNA-Impfstoffen irrational. Wir machten schon vor Jahrmillionen auf natürliche Weise Erfahrungen mit Viren, welche RNA selber in DNA umschreiben können und deshalb Retroviren heissen. Heute bestehen 8 Prozent unseres Genoms aus solchen Retrovirus- Anteilen. Und das zu unseren Gunsten, haben diese Genanteile doch einen wertvollen Beitrag geleistet für die Entwicklung von Infektabwehr und Schwangerschaft.

Sorgen Sie sich also nicht um das kleine Stück Impf-mRNA – Ihr Körper ist es gewohnt, mit vollständigen Virus-Genomen in seinen Zellen umzugehen.

 

Christoph Fux ist Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene sowie stellvertretender Chefarzt Allgemeine Innere Medizin am Kantonsspital Aarau.

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