Werden die über 50-Jährigen beim Impfen benachteiligt? Aargauer Politikerinnen und Politiker sind sich nicht einig

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Bei der Frage nach der Impfreihenfolge sind sich Severin Lüscher (Grüne), Sabina Freiermuth (FDP), Gabriela Suter (SP) und Clemens Hochreuter (SVP) nicht einig. Bild: Montage AZ

Seit Personen mit Vorerkrankungen oder über 65-Jährige gegen Covid-19 geimpft sind, stellt sich die Frage, wer als nächstes an der Reihe sein soll. Im Aargau kommen die pflegenden Angehörigen noch vor der breiten Bevölkerung zum Zug. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand 20 oder 60 Jahre alt ist. Wer bei der Registrierung angibt, dass er mit einer besonders gefährdeten Person zusammenlebt oder sich um sie kümmert, erhält relativ schnell einen Impftermin.

Viele Kantone priorisieren anders und halten sich dabei an die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit und der Eidgenössischen Kommission für Impffragen. In den Nachbarkantonen Zürich, Luzern, Baselland und Basel-Stadt haben alle Personen über 50 Zugang zur Impfung. Unabhängig davon, ob sie Angehörige pflegen oder nicht. Der Kanton Zug hat die Grenze bei 45 Jahren angesetzt.

Immer mehr jüngere Covid-Patienten landen im Spital

Die Zuger Gesundheitsdirektion hat so entschieden, weil sich die Zahl der schweren Verläufe bei Personen unter 65 Jahren und ohne Vorerkrankungen «spürbar erhöht» hat, wie es in einer Mitteilung von Ende April heisst. Es müssten vermehrt Personen zwischen 45 und 65 Jahren ohne chronische Erkrankungen mit einer Coronainfektion im Spital behandelt werden.

Das ist im Kanton Aargau nicht anders. Seit viele über 80-Jährige geimpft sind, müssen anteilsmässig weniger Personen aus dieser Altersgruppe im Spital behandelt werden.

Severin Lüscher ist Hausarzt, Grünen-Grossrat und Präsident der Gesundheitskommission. Er sagt, dass anteilsmässig mehr jüngere Personen im Spital behandelt würden, sei wenig überraschend, weil ja viele ältere Personen durch die Impfung geschützt seien.

Trotzdem könne man sich natürlich überlegen, nach Alter zu priorisieren. Dass es der Kanton Aargau nicht tue, sei aber kein Fehler. «Das Risiko wird mit zunehmendem Alter zwar immer höher, es gibt bei 50 bis 55 Jahren aber keinen sprunghaften Anstieg.»

FDP-Fraktionschefin stört das Hin und Her

Sabina Freiermuth, Fraktionspräsidentin der FDP im Grossen Rat, stört sich daran, dass der Kanton Aargau bei der Impfung die über 50-Jährigen – entgegen der Empfehlung des Bundes – nicht priorisiert. Sie sagt: «Zuerst hiess es immer, der Aargau halte sich strikt an die Regeln des Bundesamts für Gesundheit und jetzt setzt er die Empfehlung beim Alter nicht um.»

Das Hin und Her verunsichere die Bevölkerung. «Und Verunsicherung ist das Letzte, was wir jetzt brauchen können.» Freiermuth findet, der Kanton agiere zu unbeweglich. «Wir befinden uns in einer Krise. Da muss die Lage laufend neu analysiert werden und man muss sich flexibel anpassen können», fordert sie.

Geimpft, ohne zu einer priorisierten Zielgruppe zu gehören

Nebst dem Fakt, dass im Aargau über 50-Jährige beim Impfen nicht priorisiert werden, staunt Freiermuth vor allem darüber, dass offenbar zunehmend junge Leute geimpft werden, die weder im Gesundheitswesen arbeiten, noch Vorerkrankungen haben oder Angehörige pflegen.

Auch diese Zeitung hat in den vergangenen Tagen von mehreren solchen Fällen gehört. Das Gesundheitsdepartement stellt sich aber auf den Standpunkt, dies sei technisch gar nicht möglich, da diese Zielgruppe nicht freigegeben sei. Im Moment würden nur Angehörige von priorisierten Zielgruppen Termine erhalten. Freiermuth hingegen sagt:

«Das stimmt einfach nicht. Ich kenne mittlerweile mehrere Beispiele in meinem direkten Umfeld.»

Sie hätten sich erst kürzlich für die Impfung angemeldet und seien teilweise bereits das erste Mal geimpft. «Das kann zu Impfneid führen, was der Sache nun wirklich nicht dienlich ist», sagt sie.

Lösen die Impfstofflieferungen das Problem?

SVP-Gesundheitspolitiker Clemens Hochreuter findet, man müsse «risikobasiert impfen». Das Alter sei dabei ein wichtiger Faktor. «Aber wenn jemand im jungen oder mittleren Alter mit einer an einem Tumor erkrankten Person zusammenwohnt, kann es durchaus Sinn machen, wenn man solche Personen prioritär behandelt.»

Hochreuter geht aber sowieso davon aus, dass sich die Thematik von alleine erledigen wird: «Es sollen ja bald deutlich mehr Impfdosen geliefert werden.» Zudem findet es der SVPler wichtig, dass nicht die verschiedenen Generationen gegeneinander ausgespielt werden.

Das ist auch Gabriela Suter wichtig. Die Präsidentin der SP Aargau schreibt auf Twitter, es bringe nichts, verschiedene Alterskategorien gegeneinander auszuspielen.

Die SP-Präsidentin schreibt, auch 25-Jährige könnten schwer erkranken. Sie ruft dazu auf, Geduld zu haben. «Wir erhalten bald alle unsere Impfungen.» Bis dahin gelte: «Schützen, Testen, Kontakte vermeiden.»

Auf Anfrage sagt Suter, sie könnte sich vorstellen, beim Impfen eher nach Berufsgruppen mit vielen sozialen Kontakten zu priorisieren. «Eine 50-Jährige im Homeoffice hat ein tieferes Ansteckungsrisiko als eine 25-Jährige, die in der Kita oder an der Kasse arbeitet.»

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