Die Schweiz ist im Impf-Fieber – die Impfzentren erhalten Dankesmails und viele Komplimente für ihre Arbeit

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Symbolbild (Keystone)
 
«Danke für die perfekte Organisation»: Dankesmails an ein Berner Impfzentrum.

«Danke für die perfekte Organisation»: Dankesmails an ein Berner Impfzentrum.

Bild: dow

Die junge Frau hat lange gewartet auf diesen Moment, doch am Ende, nach all den Monaten, geht alles ganz schnell. Zwei, drei letzte Fragen noch, gestellt von der Frau im weissen Kittel, neben der schon die Spritze wartet. Ein aufmunterndes Lächeln, ein letzter Satz: «Jetzt ganz lockerlassen». Und schon sticht die Nadel durch in den linken Oberarm. Die Frau zuckt zusammen, presst die Augen aufeinander.

Wenige Momente später zieht sie den Vorhang ihrer Impfkoje zurück. Schon wenig später setzt sich dort der nächste Patient hin. Und dann die nächste. Und der nächste. So geht das den ganzen Tag, die ganze Woche. Die Bilder stammen aus dem Berner Impfzentrum Wankdorf, Kapazität: 1200 Impfungen pro Tag. Doch sie könnten sich auch sonstwo im Land abspielen.

Check-In-Bereich im Berner Impfzentrum MParc Wankdorf

Check-In-Bereich im Berner Impfzentrum MParc Wankdorf

Impfzentrum Bern

Die Schweiz schaltet gerade in den Impfmodus. Die Zahl der verabreichten Pikse steigt, der 7-Tages-Schnitt betrug zuletzt über 61'000 Dosen, vor einem Monat waren es noch etwas über 30'000.

«So viele Menschen in so kurzer Zeit zu impfen, ist historisch einmalig»

Um sie zu verabreichen, braucht es Impffabriken wie die in Bern. Es wird nun zunehmend industriell geimpft. «Je mehr Impfstoff vorhanden ist, desto wichtiger werden die Impfzentren», sagt Rudolf Hauri, der oberste Schweizer Kantonsarzt.

Im Berner Impfzentrum herrscht eine geschäftige Atmosphäre, doch hektisch geht es nicht zu. An jeder Ecke steht jemand, der den Ankömmlingen entgegenlächelt: Unten am Eingang, wo die Terminkontrolle stattfindet, später am Check-In, und natürlich in der Impfkoje, dort, wo es ans Eingemachte geht.

Stefan Bähler, der Leiter des Zentrums, muss industriell impfen, aber er hat sich zum Ziel gesetzt, das auf familiäre Art tun. «Die Menschen erleben bei uns einen Eingriff an ihrem Körper, deshalb müssen wir sie an der Hand nehmen», sagt er. Und das scheint ganz gut zu gelingen. An einer Wand im Pausenraum sind Dankesmails der Geimpften aufgehängt. «Danke für die perfekte Organisation» heisst es dort etwa, «ein grosses Kompliment» oder: «logistische Glanzleistung, alles hat wunderbar geklappt».

Wer sich in diesen Tagen durch die sozialen Medien klickt, stösst auf viele ähnliche Meldungen. Die Schweiz hat zwar etwas Zeit gebraucht, um auf Touren zu kommen. Doch jetzt läuft der Motor ganz gut - und allmählich breitet sich das Impf-Fieber im Land aus. Laut der neusten Umfrage der Universität Zürich wollen sich 80 Prozent der Bevölkerung impfen lassen - so hoch war die Quote noch nie. Dass es in den Impfzentren so gut läuft, dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben. Es geht dort nur ein paar Minuten, bis der Spuk vorbei und die Dosis im Arm ist.

Eine Massenimpfung, wie sie die Schweiz noch nie gesehen hat

Medizinhistoriker Flurin Condraus.

Medizinhistoriker Flurin Condraus.

Uni ZH

Bis im Sommer, so lautet das Ziel des Bundesamts für Gesundheit, sollen alle Impfwilligen gepikst worden sein. Glaubt man den neusten Umfrage, sind das mehr als fünf Millionen Menschen. Medizinhistoriker Flurin Condrau sagt, eine solche Massenimpfung habe die Schweiz noch nie gesehen. «So viele Menschen in so kurzer Zeit zu impfen, ist historisch einmalig – und ein gewaltiges Unterfangen», so der Zürcher Professor.

Es brauchte innert kurzer Zeit: Orte, an denen geimpft werden kann. Die Logistik, um diese Orte mit Impfstoff zu versorgen. Eine Software, die Impftermine organisiert und verwaltet. Und, nicht zuletzt: Jemanden, der das alles erledigt. Dabei sei längst nicht alles gut gelaufen, etwa bei der Software-Beschaffung. Doch die Bilanz zur Kampagne, sagt Professor Condrau, könne man erst am Schluss ziehen. «Derzeit würde ich sagen, dass wir das im Vergleich mit dem Ausland nicht besonders gut machen – aber auch nicht besonders schlecht», sagt er.

Stefan Bähler

Stefan Bähler

zVg

Im ganzen Land sind tausende Menschen an der grössten Impfaktion der Schweizer Geschichte beteiligt. Und viele von ihnen haben noch vor kurzem kein bisschen damit gerechnet. Zum Beispiel Stefan Bähler, der im Berner Impfzentrum MParc Wankdorf zum Rechten schaut. In seinem früheren Leben hat Bähler Events und Messeauftritte von Unternehmen orchestriert. Doch dann wurden viele Aufträge der Agentur, bei der er angestellt ist, wegen der Pandemie abgesagt. Gleichzeitig hatte der Kanton Bern alle Hände voll zu tun, weil er Impfzentren brauchte, rasch. Und viele.

Die zwei, der Kanton und die Agentur, fanden sich. Nun steht in der E-Mail-Signatur von Stefan Bähler «Leiter kantonale Impfzentren». Er ist verantwortlich für zwei von zehn Zentren – jene, die der Kanton selbst betreibt. Der Mann mit der zupackenden Art und dem tätowierten Arm sagt, ein wenig sei er dazu schon gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Doch er ist es sich gewohnt, ein Ziel zu bekommen und die Aufgabe, einen Weg dorthin zu finden.

Im Impfzentrum Bern geht es wie bei der Post zu und her: Wer an der Reihe ist, wird per Nummer aufgerufen.

Im Impfzentrum Bern geht es wie bei der Post zu und her: Wer an der Reihe ist, wird per Nummer aufgerufen.

Impfzentrum Bern

50 Menschen arbeiten täglich im Impfzentrum Wankdorf. Neben den Impfkojen, die durch Stellwände voneinander abgetrennt sind, lässt eine Sprossenwand erahnen, dass es in einer Turnhalle eingerichtet worden ist. Es gibt medizinisches Fachpersonal für den Piks und einen Arzt, um die frisch Geimpften zu überwachen.

Viele helfen im Kampf gegen die Pandemie mit

Viele andere Aufgaben, das Administrative etwa, übernehmen Studenten, Rentner, Arbeitslose. Leute, die in ihrem alten Job gerade nichts mehr zu tun haben. Oder solche, die einfach unbedingt helfen wollen, die Pandemie zu beenden. Viele, die sonst nicht mehr gebraucht wurden, helfen nun mit, das Land aus der Krise zu bringen.

Während drinnen in den Impfzentren immer eifriger geimpft wird, werden die Leute, die noch draussen bleiben müssen, zunehmend ungeduldig. Die Aussicht auf den Piks rückt für viele näher. Und damit die Normalität in Griffweite. Das versetzt das Land in eine fiebrige Stimmung.

Der Kanton Bern öffnete letzte Woche die Impfung für alle. Er tat das klammheimlich, über Nacht, ohne aktive Kommunikation. Doch lange blieb das nicht unentdeckt. In den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Neuigkeit schnell. Die 8000 Termine waren im Nu vergeben. Als der Kanton tags darauf weitere Termine aufschaltete, brach seine Impf-Website vorübergehend zusammen.

Begehrte Ware: Covid-19-Impfstoff von Moderna..

Begehrte Ware: Covid-19-Impfstoff von Moderna..

Britta Gut

Mit jedem Kanton, der seine Impfkampagne für alle öffnet, steigt der Druck auf jene, die das noch nicht getan haben. Den Anfang machte die Waadt, kleinere Kantone zogen nach. Mitte letzter Woche folgte Bern. In Zürich steht Gesundheitsdirektorin Nathalie Rickli schon länger in der Kritik, weil es einfach nicht recht vorwärtsgeht. Am Freitag zog der grösste Kanton dann nach, kurz darauf auch Aargau. Andere, etwa St. Gallen, haben angekündigt, dies auch bald zu tun.

Weil jetzt alle aufs Tempo drücken, leidet die Gerechtigkeit

In der allgemeinen Hektik geht unter, dass die Gerechtigkeit teilweise gerade auf der Strecke bleibt. In Bern etwa wurden die Impfgruppen M und N gleichzeitig freigeschaltet. Das bedeutet, dass 25-Jährige mit 62-Jährigen um einen Impftermin rangeln. Und damit Menschen mit sehr unterschiedlichem Risiko auf einen schweren Covid-19-Verlauf. Dabei sieht die nationale Impfstrategie eigentlich eine Abstufung nach Altersgruppen vor.

Die junge Frau aus dem Impfzentrum Wankdorf sitzt mittlerweile in der Ruhezone, 15 Minuten soll sie bleiben, zur Überwachung. So wird das empfohlen. Sie sagt, sie denke gerade darüber nach, wie heftig die Nebenwirkungen werden. Doch in erster Linie sei sie froh. Und erleichtert.

Aus ihren Augen, eben noch zusammengekniffen, blitzt ein Lächeln. Die Juristin leidet an einer Vorerkrankung, sie hat in den letzten Monaten auf vieles verzichtet. Hat die Eltern nur mit Abstand getroffen. Das Weihnachts-Raclette mit Freunden gab es im Freien. Corona-Handbremse halt. Doch die kann bald weg.

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