Vor dem Schrottplatz gerettet: In der «VeloveWerkstatt» bekommen alte Velos eine zweite Chance

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Remco Strijk ist gemeinsam mit seiner Frau Anouk der Besitzer der VeloveWerkstatt im Effingerhof in Brugg. Bild: Janine Walthert

Effingerhofs in Brugg, in den Räumlichkeiten der ehemaligen Druckerei. Ein Farbtupfer an den kahlen grauen Mauern des gut 100-jährigen Anbaus. Darunter: eine Vorwarnung. «‹Gümmeler› duzen sich.»

«Hier haben wir es mit unserem Liebsten zu tun, dem Velo», sagt der Besitzer der VeloveWerkstatt, Remco Strijk. Er ergänzt: «Also: Unter Velofahrern duzt man sich. Das macht die ganze Sache persönlicher.»

Zusammen mit seiner Frau Anouk führt er den Laden. Er repariert, Anouk Strijk ist für das Administrative und den Verkauf zuständig. Tochter Coralie übernimmt die Betreuung der Website.

Die Familie Strijk wurde im letzten Jahr durch eine Internetanzeige auf die Räumlichkeit im Effingerhof aufmerksam. Strijk, der damalige Mitbesitzer der Velowerkstatt in Villnachern, wagte einen neuen Schritt und machte sich mit seiner Frau selbstständig.

Er rettet Fahrräder vor dem Schrottplatz

So lassen sich nun altgeliebte Velos seit dem Oktober in der Storchengasse 15 reparieren. Sie sollen einem neuen Velo gleichwertig sein. Doch: «Die Brugger Bevölkerung weiss das nicht», sagt der 50-jährige Arbeitsagoge. «So landen alte fahrtüchtige Velos auf dem Schrottplatz.»

Dies will Strijk verhindern, sammelt einige wieder ein und haucht ihnen neues Leben ein. Dafür nimmt er die Velos bis auf den letzten Bestandteil auseinander oder wandelt diese mit Hilfe eines Akkus zu einem E-Bike um. «Mit etwas Arbeit wird aus dem alten Fahrrad schnell wieder ein fahrendes Vehikel», sagt der geschulte Velomechaniker.

Sie haben keine neuen Velos im Angebot

Die Strijks setzten auf Empathie: «Unsere Kundschaft soll sich hier wohlfühlen», sagt der gebürtige Bübliker. «Dafür nehmen wir uns Zeit und halten einen Schwatz.»

Die Nachfrage in der VeloveWerkstatt steigt von Tag zu Tag. Doch Strijks sind nur zu einem Drittel ausgebucht und kämpfen um das Überleben. Trotzdem wird die Arbeit der Familie gerne gesehen. Strijks setzen auf tiefe Preise und gute Qualität.

Neue Velos sind in der VeloveWerkstatt keine anzutreffen. «Falls ein solches gewünscht wird, bestellen wir es gerne. Doch wir setzen vorwiegend auf lang andauernde Qualität und verkaufen deshalb lieber gebrauchte Fahrräder.»

Die Nachhaltigkeit wird hier gelebt. Die Werkstatt im Keller des Effingerhofs – der gut 20 Jahre nicht benutzt wurde – haucht dem Gebäudekomplex wieder Leben ein. Auch ausserhalb, unter dem Unterstand, vermieten Strijks Jugendvelos, Tandems und Abstellplätze für Velos.

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Remco Strijk beim letzten Schliff: Das Velo kann bald von der Kundin abgeholt werden. Bild: Janine Walthert

 

Es soll ein lebendiger Treffpunkt werden

Der Effingerhof ist für den 50-Jährigen genau passend. «Unser Standort widerspiegelt für mich alles, was ich brauche und suche», sagt Strijk. Er fügt an: «Der Groove der alten Werkstatt passt zu dem Velogeschäft – das ist für mich ideal.»

Auch seine Räumlichkeiten sind von den geplanten ausgiebigen Sanierungen betroffen. Später möchten Strijks eine Begegnungsstätte für den Effingerhof schaffen. «Gerne wären wir die Anlaufstelle für die Velos der Bewohnenden und für kurze Plaudereien», sagt Strijk. «Hier wurde schon immer für den Effingerhof gearbeitet. Das wollen wir weiterführen.»

Schon als kleiner Bub fuhr Remco Strijk ein Rennrad. Daher stammt seine Faszination für das Fahrrad. Diese möchte er an seine Kundschaft weitergeben. Das ist ganz im Sinne der vermietenden Eigentümerschaft.

Zusammen mit einem seiner Kunden, Mark Humm – einem ambitionierten Fahrer mit hohem Leistungsausweis – führt Strijk bereits regelmässig Kurse für Kinder durch. Diese seien so beliebt, dass sogar Erwachsene Interesse an solchen hätten. Strijk meint: «Das ist der Grund, weshalb wir unser Freizeitangebot bald ausweiten wollen.»

Als Arbeitsagoge bietet Remco Strijk zusätzlich Tagesstrukturen für Burn-out-Gefährdete an. Der Bübliker möchte diese Personen in der Werkstatt wieder schonend an den Arbeitsalltag heranführen. «Ich habe schon viele Anfragen, doch leider kann ich aus finanziellen Gründen niemanden anstellen», bedauert er.

«Der Effingerhof soll ein herzlicher Fleck in der Altstadt von Brugg werden», sagt Strijk. «Hier entsteht in wenigen Jahren ein kleines Bijou. Auch meine Werkstatt soll ein Teil davon sein.» Ein Farbtupfer im Quartier und weit darüber hinaus.

 

Die VeloveWerstatt ist über die Museumsstrasse zu erreichen. Parkplätze sind keine vorhanden. Die Familie Strijk kann über die Website erreicht werden.

 

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