Nach sieben Monaten Pause werden die Amateurfussballer doch noch belohnt

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Weil nur noch zwei Teams in die 3. Liga absteigen, dürfen sich Emir Sinanovic (rechts) und der FC Rothrist im Saison-Endspurt wieder berechtigte Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen. (Bild: Archiv/Otto Lüscher)

Mit der Bestätigung der angekündigten Öffnungsschritte hat der Bundesrat gestern Mittwoch offiziell grünes Licht für die Fortsetzung der Amateurfussball-Meisterschaft gegeben. Gleichzeitig teilte der Aargauische Fussballverband mit, dass er die Auf- und Abstiegsmodalitäten für die coronabedingt verkürzte Saison angepasst hat: Neu steigen aus der 2. Liga nur zwei statt vier Teams ab. An der Spitze bleibt hingegen alles beim Alten, einzig der Erstplatzierte steigt in die 2. Liga inter auf.

Damit haben sich die Aussichten auf einen Verbleib in der höchsten regionalen Spielklasse für den Tabellenletzten FC Rothrist deutlich verbessert. Die Mannschaft von Trainer Nicola Nocita nimmt das Restprogramm nun nicht mit fünf, sondern mit einem Zähler Rückstand auf den neu über dem Strich klassierten FC Lenzburg – der ein Spiel weniger absolviert hat – in Angriff.

Auf Niederlagen der Gegner angewiesen
Für Robert Majic ändert sich die Ausgangslage vor den Partien gegen Schönenwerd-Niedergösgen und Sarmenstorf trotzdem nur minim: «Wenn wir unser Schicksal in den eigenen Händen hätten, wäre der Ligaerhalt realistischer», sagt der Rothrister Mittelfeldspieler. «Uns bleibt weiterhin nichts anderes übrig, als unsere Spiele zu gewinnen und auf einen Ausrutscher der Konkurrenz zu hoffen.» Die sportliche Misere trübt seine Freude über die Rückkehr der Normalität nicht. «Es ist toll, dass wir wieder in gewohntem Rahmen zusammensein dürfen», sagt Majic.

Von der reduzierten Anzahl an Absteigern profitiert auch der FC Kölliken. Der Vorsprung auf den Strich beträgt vor den Partien gegen Lenzburg und Suhr vier Zähler, womit der Klassenerhalt zum Greifen nahe ist. «Wir wollen im ersten Spiel Klarheit schaffen, damit wir gegen Suhr nicht noch zittern müssen», sagt Trainer Pjeter Cubi. Seine Mannschaft gehe top vorbereitet in dieses Finale, konditionell und taktisch habe man seit Januar gut und vor allem genug gearbeitet. «Wir sind froh, dass es weitergeht. Weil lange ungewiss war, was mit der Saison geschieht, war es schwierig, die Motivation der Spieler hochzuhalten», sagt Cubi.

Als Tabellensiebter mit 18 Punkten hat sich der FC Oftringen von allen Abstiegssorgen befreit. Die Partien gegen Sarmenstorf und Fislisbach will Trainer Zelimir Skopljak deshalb zur Standortbestimmung nutzen. «Und wir wollen zeigen, dass wir in den letzten Wochen gut gearbeitet haben», sagt er.

Siege, gute Auftritte und ein Spektakel für die Zuschauer
Ähnlich klingt die Stimmung beim SC Schöftland, der sich in der 2.-Liga-inter-Gruppe 5 den Klassenerhalt bereits gesichert hat. Was aber nicht heisst, dass Sven Osterwalders Truppe ambitionslos in die Duelle mit Freienbach, Pajde und den Blue Stars Zürich steigt. «Neun Punkte sind zu vergeben. Wir wollen diese Spiele gewinnen und positiv gestalten», sagt der Schöftler Trainer. Nebenbei gehe es darum, die Spieler für die lange Trainingsphase mit Einsatzminuten zu belohnen.

Andreas Bomm, Sportchef des SC Zofingen, freut sich, dass die Spieler wieder eine Perspektive erhalten und sich auf dem Platz messen dürfen. Ebenso gefällt ihm der Gedanke, den Betrieb im Stadion Trinermatten wieder hochzufahren. «Im Heimspiel gegen Lachen wollen wir uns den Zuschauern nochmals von der besten Seite zeigen», sagt Bomm. Im Idealfall kämpft der SCZ an jenem Samstag, 26. Juni, gegen den Leader der 2.-Liga-inter-Gruppe 5 um den Aufstieg, vor dem Restart beträgt der Rückstand der Thutstädter auf die Schwyzer – die ein Spiel weniger absolviert haben – aber drei Punkte. «Wir müssen auf einen Patzer der Konkurrenz hoffen und dann bereit sein», sagt Bomm.

«Pragmatische und faire Lösung»

Nach sieben Monaten Unterbruch dürfen die Amateurvereine endlich wieder kicken. Grosse Vorfreude also bei den Klubs? Nicht nur. In den vergangenen Wochen sind Diskussionen entstanden. In einer inoffiziellen Umfrage, bei der 461 Vereine der fast 1400 im Schweizerischen Fussballverband (SFV) Stellung nahmen, wünschten sich 56 Prozent einen Abbruch. Unter Umständen, dass es einen Aufsteiger, dafür keinen Absteiger gibt, sprachen sich gar 71 Prozent für einen sofortigen Abbruch aus. Auch innerhalb des Aargauischen Fussballverbands (AFV) wurden Gespräche geführt. Vereine aus der 2. Liga suchten direkt den Dialog mit dem Verband. Ihre Idee ist simpel: keine Verlierer, nur Gewinner. Die Hinrunde wird zu Ende gespielt, aber es wird keine Absteiger geben. Die Klubs lieferten dazu einen Antrag an den AFV wie auch an den SFV, damit das Konzept auch auf Stufe 2. Liga inter und 1. Liga umgesetzt werden könnte. Der SFV winkte ab und verwies auf das Wettspielreglement, wonach es im Falle der Wertung Meister sowie Auf- und Absteiger geben muss. Dazu heisst es in der Absage: «Es entspricht nicht einem Grundgedanken des Sports, wonach es immer Gewinner und Verlierer gibt.»

Beim AFV hingegen wurde eine Anpassung der Abstiegsmodalitäten in der Kategorie «Aktive Herren» beschlossen: Bis zur 4. Liga steigen jeweils zwei Teams weniger aus der höheren Spielklasse ab. «Wir wollten eine möglichst pragmatische und faire Lösung präsentieren und haben entsprechend die Anzahl Absteiger angepasst», erklärt Geschäftsführer Hannes Hurter. Der AFV habe bei der Lösungsfindung verschiedene Faktoren miteinfliessen lassen, darunter auch die Anliegen der Antragssteller. «Wir nehmen die Meinungen von allen 85 Vereinen ernst. Die 2. Liga AFV ist mit 15 Mannschaften eine aussergewöhnlich grosse Liga. Im Normalfall wäre es zu vier Absteigern gekommen, da aber nur die Hälfte der Saison gespielt werden kann, wollten wir unter diesen speziellen Bedingungen weniger Verlierer generieren», erklärt Hurter. Gar keine Absteiger seien für den AFV kein Thema gewesen. «Wir können uns nicht dem Grundsatz des SFV und dem Wettspielreglement querstellen», sagt Hurter. (ndö)

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