Lieber ein Aarauer Brief als ein Basler Dybli

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Nach 42 Jahren als Präsident ist Hans Hochuli nun Vereins-Bibliothekar. Bild: Britta Gut

Das Bauernhaus Basler Jura und das Luzernerhaus, herausgegeben von Pro Patria. Das waren seine ersten, der Vater, selbst grosser Sammler, hatte sie ihm geschenkt. Sorgfältig hatte er die Marken erst im Wasser eingelegt, um sie vom Couvert zu lösen, dann zwischen Löschpapier trocknen lassen und ins Album gesteckt. Fünf Jahre alt war Hans Hochuli damals, 1949 wars. Seither ist Hochuli Briefmärkler durch und durch.

Heute ist für den Kölliker Hans Hochuli (77) ein denkwürdiger Tag. Er gibt das Amt des Präsidenten des Vereins für Briefmarkenkunde Aarau an Rudolf Geissler weiter. Nach 42 Jahren. Kein anderer war länger Präsident dieses 1888 gegründeten Vereins (mit Lokal an der Bachstrasse 68). Ein Verein, der heute noch knapp 100 Mitglieder zählt. Treue Mitglieder und einsatzfreudige. Probleme, den Vorstand zu besetzen, gibt es keine, im Gegenteil. Aber Nachwuchs, das wäre toll.

Papierfötzeli-Sammler? Das perlt an ihm ab

Briefmarkensammler, Philatelisten; ihnen haftet ein verstaubtes Bild an. «Wir werden als Papierfötzeli-Sammler belächelt, das war schon immer so», sagt Hochuli. Nicht wenige Sammler würden deshalb ihrer Leidenschaft heimlich frönen, ohne irgendjemandem davon zu erzählen. Das macht es schwierig zu sagen, wie verbreitet das Hobby heute noch ist. Offizielle Zahlen gibt es nur für die Hartgesottenen: So zählt der Verband der Schweizer Philatelisten-Vereine rund 4000 Mitglieder, rund 500 von ihnen zählen zum harten Kern.

An Hans Hochuli perlt der Spott über die Philatelisten ab. Ihn stört etwas anderes: «Das Wertdenken», sagt er. Zu glauben, dass es den Briefmarkensammlern einzig um die Marken und deren Wert gehe. «Das war früher so; da musste manche Mutter auf einen neuen Wintermantel verzichten, damit der Vater die neuste Sonderserie Briefmarken kaufen konnte», sagt Hochuli. 40000 Besucher zählte 1938 die Nationale Briefmarkenausstellung im Aarauer Saalbau. In den 60er-Jahren schliesslich erlangte das Markensammeln als Kapitalanlage seinen Höhepunkt, da sammelte die halbe Schweiz. «Damals hatten wir im Verein jeden Monat 20 neue Mitglieder.»

Doch genau dieses Wertdenken habe die Philatelie kaputtgemacht, sagt Hochuli. Ein ­Basler Dybli sei zwar extrem viel wert (gemäss Auktionskatalog im Paar und ungestempelt weit über 100000 Franken), in seinen Augen aber nicht selten. Für ihn zählt nicht alleine die Marke, sondern der Brief an und für sich. Absender und Empfänger, das Geschriebene, die Geschichten dahinter. Sein Fachgebiet: Vorphilatelie und Marken ab 1850.

So nennt Hochuli beispielsweise die Todesanzeige von Schriftsteller Heinrich Zschokke aus dem Jahr 1848 sein Eigentum, die aus der Blumenhalde in Aarau an den Bürgermeister von Magdeburg geschickt wurde, Zschokkes Geburtsstadt. Oder ein Schreiben an den Aarauer Seidenfabrikanten Johann Rudolf Meyer Vater aus dem Jahr 1803, in dem er vom Land­ammann dazu aufgefordert wird, Pläne der Habsburg zu beschaffen. «Napoleon wollte die Habsburger ärgern und ihr Stammschloss in Paris nachbauen lassen – und Meyer sollte ihm die beschaffen», erzählt Hochuli. Beide Briefe sind nicht frankiert, die Briefmarke wurde erst 1850 mit der Gründung der Post schweizweit eingeführt. Aber sie sind an Aarau adressiert beziehungsweise mit «Arau» gestempelt, noch ohne zwei A. «Das ist für mich viel wertvoller als eine einfache Marke», sagt Hochuli. «Das ist Geschichte.»

Seine Frau Odette teilt die Leidenschaft

Auch heute, mit 77 Jahren, davon 57 im Verein und 42 als dessen Präsident, beschäftigt sich Hochuli noch immer täglich mit Briefmarken. Sein grosses Glück: Seine Frau Odette teilt seine Leidenschaft, auch sie ist im Verein, kümmert sich da um die Jugend.

Gemeinsam suchen sie nach historischen Trouvaillen. Älter als 1970 muss sie sein, sonst ist die Marke nicht mehr wert als das, was sie als Wert aufgedruckt hat. «Marken ab 1970 sind für Sammler uninteressant, weil viel zu grosse Auflagen gedruckt wurden», sagt Hochuli. Das Gute: Ungestempelte Schweizer Marken ab 1961 sowie Marken von Pro Juventute und Pro Patria ab 1964 sind heute noch gültig.

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