Aargauer Jung-Unternehmer nahm früher Nachhilfe – heute beschäftigt er fast 40 Lehrpersonen

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In diesem Haus auf der Baldegg in Baden verbrachte Luzius Bill seine ersten Schultage – heute steht er kurz vor der Anwaltsprüfung. Alex Spichale / AGR

Luzius Bill hat sein Jus-Studium abgeschlossen und lernt für die Anwaltsprüfung – eine ziemlich anspruchsvolle Sache. «Ich würde mir manchmal wünschen, ich hätte einen Tutor, der mich bei der Vorbereitung unterstützt», sagt Bill. In seinem Fall gibt es kein solches Angebot, doch der angehende Rechtsanwalt, der in Baden aufgewachsen ist, bietet mit seiner Firma selber Online-Nachhilfe für diverse Stufen an. Atutor heisst das Unternehmen, das seit Anfang 2019 aktiv ist und derzeit rund 40 Lehrerinnen und Lehrer beschäftigt.

Seine ersten Unterrichtsstunden hatte der Badener in einem kleinen Schulhaus hoch über der Stadt auf der Baldegg – dort trifft ihn die AZ zum Interview. Schon seit Jahren gehen dort keine Kinder mehr zur Schule, Bill wohnt inzwischen in Zürich, doch er erinnert sich gut an seine ersten Schultage. «Die Unterrichtsräume waren im Erdgeschoss, dahinter war der Pausenplatz», sagt Bill, als er vor dem Haus steht.

Jungunternehmer nahm früher selber Nachhilfe

«Ich ging selber nicht gerade gerne zur Schule, hatte Nachhilfe in Deutsch an der Primarschule, später auch in Französisch an der Oberstufe.» Das lief damals ganz klassisch ab, die Nachhilfelehrer kamen zu Bill nach Hause, dort fand die Lektion vor Ort statt. Als er im Gymnasium war, nahm er Nachhilfe in Mathematik, dies im Schulhaus. «Das hat in meinem Fall gut funktioniert, dennoch wollte ich für mein eigenes Unternehmen eine andere Lösung», sagt der Jungunternehmer. Luzius Bill setzte sich ein ehrgeiziges Ziel: Er wollte die besten Nachhilfe-Lehrpersonen für diverse Fächer vermitteln – und dies erst noch zu einem günstigen Preis, den sich Studenten oder Eltern leisten können, die nicht vermögend sind. Wobei vermitteln eigentlich das falsche Wort ist: «Wir sind keine Plattform wie Uber, die nur Anbieter und Kunden zusammenbringen, die Nachhilfe-Lehrpersonen sind bei uns angestellt, sie erhalten von uns Lohn und wir bezahlen Arbeitgeber- und Sozialversicherungsbeiträge», sagt Bill.

Online-Modell macht beste Lehrpersonen verfügbar

Der angehende Rechtsanwalt hat auch selber an der Primarschule unterrichtet und dabei festgestellt, wie gross die Anforderungen an erfolgreiche Schülerinnen und Schüler sind.

«Wer ein Studium oder eine weiterführende Schule machen will, muss praktisch in jedem Fach gut sein – und das ist fast nicht möglich ohne Unterstützung.»

Rasch war für Bill klar, dass sein Ziel nur mit Online-Nachhilfe zu verwirklichen war – und dass diese Variante auch einige Vorteile bot. «Wir können auch Schülern, die nicht gleich neben der ETH Zürich wohnen, sondern vielleicht im Appenzellerland, einen Maschinenbau-Studenten als Nachhilfelehrer zur Verfügung stellen», erklärt er. Zudem entfällt der Anfahrtsweg für die Lehrpersonen, sonst wäre es zum Beispiel unmöglich, dass eine Englisch-Studentin, die im britischen Cambridge doktoriert, so Nachhilfe gebe.

Nachhilfe-Firma schon vor Corona gegründet

Gerade in der Coronakrise habe sich zudem gezeigt, dass Fernunterricht und Nachhilfe per Zoom – damit arbeitet Atutor – einen grossen Boom erlebten. «Wir haben aber deutlich vor Corona begonnen und schon damals stand für mich fest, dass wir auf Online-Nachhilfe setzen wollten», sagt Bill. Zuerst wurde die Plattform dafür programmiert und aufgebaut, auf der Schüler oder Eltern heute die Nachhilfelehrer aussuchen und buchen können. Danach wurden die ersten Lehrpersonen rekrutiert: Diese können sich nicht selber bei Atutor eintragen, sondern werden auf ihre didaktischen und fachlichen Qualitäten geprüft und danach angestellt.

Online ging der Nachhilfe-Anbieter am 1. Januar 2019 mit 20 Lehrerinnen und Lehrern. «Wir schrieben diese Jobs aus, machten Aushänge bei Universitäten und höheren Fachschulen, so kamen wir zu den ersten Nachhilfelehrern», erinnert sich Bill.

Der Start für Atutor war schwierig, weil es relativ viele Lehrer, aber kaum Schüler gab. Seither hat sich dies aber markant verändert, die Nachfrage ist stark angestiegen, heute sind die Lehrpersonen sehr gut ausgelastet. Wichtig ist nicht primär ein Lehrerpatent, sondern die Kompetenz und die Fähigkeit, Kenntnisse im Online-Unterricht zu vermitteln.

Schüler können Lehrer aussuchen und buchen

Auf der Website von Atutor können Nachhilfelehrer ausgewählt und Stunden gleich gebucht werden. Da gibt es zum Beispiel Fabio, der an der HSG in St.Gallen ein Masterstudium in Wirtschaft und Recht absolviert und Nachhilfe in Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Recht und Buchhaltung anbietet. Oder Laura, die an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ein Sprachstudium absolviert und Nachhilfe in Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch offeriert.

Am stärksten ist die Nachfrage aber bei keinem dieser Fächer, wie Bill sagt. 60 Prozent der Nachhilfelektionen über alle Stufen sind Mathematik, das hat sich seit dem Start kaum verändert. Danach folgen Französisch und Deutsch, wobei die Spanne hier vom fremdsprachigen ­Primarschüler bis zum englischen Manager reicht, der in die Schweiz zieht und sein Deutsch aufbessern möchte. Die meisten Nachhilfeschüler sind laut Bill Kantischüler und Gymnasiasten, die sich auf ihre Maturprüfungen vorbereiten.

«Wir erhalten tägliche neue Bewerbungen von Lehrern»

Auch das Interesse von potenziellen Nachhilfelehrern ist gross: «Wir erhalten täglich mehrere Bewerbungen von Leuten, die bei uns unterrichten möchten», sagt Bill. Der Geschäftsführer der Firma prüft die Bewerbungen und wählt aus, wer in Frage kommt. Dabei spielen die nachgefragten Fächer und die Kompetenzen der Lehrpersonen eine Rolle. Danach folgen ein Gespräch, eine Probelektion, eine Bewertung nach einem Schema – und wer eine gewisse Punktzahl erreicht, wird auf der Website aufgeführt.

Von den Schülern können die Lehrpersonen nicht direkt bewertet werden – «wir wollten keine Google-Rezensionen mit Sternen, das hilft nicht viel», sagt Bill. Atutor holt sich regelmässig Feedback von den Schülern, dort muss die Lehrperson gut abschneiden. Wie gross seine Firma noch wird, kann der Jungunternehmer derzeit nicht sagen, doch sein Geschäftsmodell funktioniert. «Der Markt ist riesig, es gibt eine sehr grosse Nachfrage und unsere Website würde auch mit mehreren hundert Lehrern laufen», sagt Bill, bevor er sich wieder dem Lernen auf die Anwaltsprüfung widmet.

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