Schule soll entlastet werden: Integration wird in Reiden zur Gemeindesache

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Zeichnung aus dem Bericht «Schule Reiden im demographischen Wandel». Bild: Schule Reiden

Reidens Bevölkerungsstruktur hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert. 25,2 Prozent der Reider Einwohner haben aktuell keinen roten Pass, und es sind viele sozial eher schwache Familien zugezogen (siehe Kasten). Im Schuljahr 2019/20 erreichte der Anteil fremdsprachiger Kinder im Kindergarten deshalb fast 50 Prozent, an der Primarschule knapp 40 Prozent. Zum Vergleich: 1992 betrugen die Zahlen zirka 25 und 20 Prozent.

Nun will Reiden präventiv handeln. «Reiden packt das Thema Integration entschlossen an und macht es zur Aufgabe des gesamten Dorfes», teilte die Gemeinde mit. Die lokale Schule, die heute einen Grossteil der Integrationsaufgaben erfüllt, soll auf diesem Weg entlastet werden. Mit Blick auf die Chancengleichheit für alle Kinder in Reiden sollten der Unterricht und die Lehrpersonen gezielt gestärkt werden.  

Die Absicht, Integration zum Auftrag des ganzen Dorfes zu machen, basiert auf einem umfassenden Bericht, den die Bildungskommission mit der Schulleitung und dem Bereich Soziales und Gesellschaft zusammen erstellt hat. Darin werden aufgrund von aktuellen Zahlen und einem vertieften Einblick in den Schulalltag Themenfelder abgesteckt. Der Gemeinderat  habe die Notwendigkeit von zusätzlichen Integrationsmassnahmen erkannt und erste Weichenstellungen vorgenommen, heisst es. Er hat dafür verschiedene Themenfelder definiert:

Schule entlasten und stärken: Das Reider Bildungssystem soll entlastet werden, indem die Zusammenarbeit von Schule, Verwaltung und Privaten bei der Integration intensiviert und Integrationsaufgaben breiter abgestützt werden. Zu den Massnahmen gehört ab Schuljahr 2021/22 ein Einsatz von Klassenassistenzen im Kindergarten an den Vormittagen sowie die konsequente Umsetzung des Angebotes «Deutsch als Zweitsprache» gemäss den kantonalen Normen.

Chancengleichheit in der Bildung sichern: Die Entlastung und Stärkung des Bildungssystems soll mithelfen, die Chancengleichheit für alle Kinder zu sichern. So sollen freiwerdende Ressourcen in der Schule insbesondere auch eingesetzt werden, um die Chancengleichheit sicherzustellen und Kindern ohne sprachliche Defizite auch weiterhin die nötigen Förderangebote bieten zu können.

Sprachliche Frühförderung: Die Gemeinde Reiden will das in diesem Schuljahr in Zusammenarbeit mit den örtlichen Spielgruppen lancierte Projekt der frühen Sprachförderung ausbauen. Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen sollen zum Besuch von Angeboten mit integrierter Deutschförderung (Spielgruppe, Kita, Tagesfamilie) verpflichtet werden können. 

Arbeitsgruppe Integration: In der Integration will Reiden in weiten Kreisen über Schule und Verwaltung hinaus zusammenarbeiten. Eine Arbeitsgruppe soll hier Lösungsvorschläge entwickeln. Dazu gehört auch, dass bereits heute laufende Integrationsprojekte gezielt gefördert und miteinander verknüpft werden.

Arbeitsgruppe Schulraumbeschaffung: Eine zweite Arbeitsgruppe soll sich mit den konkreten Auswirkungen der aktualisierten Schulraumplanung befassen. Denn Reiden hat zwar eben erst ein neues Schulhaus eröffnet («Reiden Mitte»), die Dynamik des Wachstums und die vorliegenden Geburtenzahlen in der Gemeinde lassen aber erahnen, dass in naher Zukunft weiterer Schulraum benötigt wird. Die Arbeitsgruppe soll hier Lösungen erarbeiten.

Systemänderung Betreuung: Reiden plant die Einführung von Betreuungsgutscheinen für Kinder im Vorschulalter. Unterstützt werden sollen dabei nicht mehr die Betreuungsinstitutionen. Vielmehr erhalten die Eltern einkommensabhängige Gutscheine, die sie bei einer Institution ihrer Wahl einlösen können. In dieses System sollen in Reiden auch die Spielgruppen integriert werden. Das zugehörige Reglement wird am 21. Juni an der Gemeindeversammlung zum Beschluss unterbreitet (das ZT berichtete gestern).

Sabine Beyer, die Rektorin der Schule Reiden und Bereichsleiterin Bildung der Gemeinde, zeigt sich erleichtert, dass der Gemeinderat die herausfordernde Situation der Schule erkannt hat. «Es ist wichtig, dass alle Kinder die gleiche Chancen auf Bildung erhalten», sagt sie. «Der Entscheid des Gemeinderats zeigt weitsichtig in diese Richtung und erlaubt dem Bereich Bildung auf die Realität der heterogenen Zusammensetzung der Reider Schulklassen zu reagieren.»

Die Kosten sind noch nicht bekannt

Ein «Preissschild» für die Integrations-Massnahmen gibt es laut Gemeinderat Bruno Geiser noch nicht. «Der Einsatz der Klassenassistenzen im Kindergarten ab dem Schuljahr 2020/21 ist die erste Massnahme, die vom Gemeinderat beschlossen wurde», sagt der Ressortvorsteher Bildung, Kultur und Freizeit. Die übrigen Massnahmen würden in der Arbeitsgruppe erarbeitet. Er und Gemeinderätin Esther Steinmann, die für Soziales und Gesellschaft zuständig ist, werden im Prozess punktuell zugezogen. Klassenassistentinnen oder -assistenten sind externe Personen, welche die Kindergärtnerinnen unterstützen, indem sie Aufgaben wie die Aufsicht oder das Betreuen übernehmen. Es sind Freiwillige oder Personen aus dem Spielgruppenbereich.

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