Der Hochwasserschutz entlang der Pfaffnern verhindert Schlimmeres

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Die Brücke an der Leimstrasse wurde total hinterspült. Die diversen Schäden müssen nun aufgenommen werden. Bilder: Markus Schneitter
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Die ungeheuerliche Kraft des Wassers zeigt sich an den tonnenschweren Steinen, die aus ihren Verankerungen gerissen wurden.

Insgesamt elf Baustellen umfasste das 5-Millionen-Projekt entlang der Pfaffnern zwischen Vordemwald und Rothrist. Über zehn Jahre lang wurden diverse Ideen angedacht und wieder verworfen, bis Ende September 2019 der Spatenstich zum heutigen Hochwasserschutz-Projekt, das etwas mehr als ein Jahr später fertiggestellt wurde, erfolgte. Ausgelegt sind die Bauten auf ein Jahrhunderthochwasser. Da es sich bei einem Jahrhunderthochwasser per Definition um ein Ereignis handelt, dem ein statistisches Mittel zu Grunde liegt, kann ein Jahrhunderthochwasser mehrmals in den 100 Jahren vorkommen – oder hunderte Jahre ausbleiben.

Für Markus Schneitter, Gemeinderat von Vordemwald, ist klar, dass das Hochwasser, das durch die Regenfälle der letzten Tage ausgelöst wurde, schlimmer als ein Jahrhunderthochwasser war: «Wie das Ereignis aber genau einzustufen ist, sollen Abklärungen aufzeigen.» Schneitter war am Donnerstagabend, seit es losging, vor Ort. In der ersten Phase seien alle einfach nur machtlos gewesen. «Da es auch im Quellgebiet der Pfaffnern sehr stark geregnet hatte, konnten wir nichts machen.» Das Wasser sei zudem nicht systematisch angestiegen. Der Gemeinderat vergleicht es mit einer Lawine oder einem Schneebrett: «Plötzlich kam das Wasser wieder in einem Schwall 30 Zentimeter höher.»

Aufstockung des Schutzes aktuell nicht geplant

Daten der Messstation am Weiherweg zeigen, dass der Pegel am Donnerstagabend zwischen 18 und 20 Uhr von 0,393 auf 2,605 Meter anstieg. Der Höchststand mit fast drei Metern wurde um 21.10 Uhr gemessen. Wie ungeheuerlich die Kraft des Wassers war, verdeutlicht Markus Schneitter am Beispiel der Leimstrasse. «Dort hat das Wasser Granitblöcke, die über eine Tonne wiegen, mitgerissen.»

Mit dem Unwetter vom 8. Juli 2017, das etwa die Unterführung der Henzmannstrasse in Zofingen flutete, könne das Ereignis der letzten Woche nicht verglichen werden, sagt Schneitter. «Vordemwald hat es letzte Woche sehr viel härter getroffen als vor vier Jahren.» Nach dem Unwetter sprach Markus Schneitter auch mit älteren Einwohnern der Gemeinde, die teilweise über 80 Jahre in Vordemwald wohnen. «So etwas wie letzte Woche haben sie noch nie erlebt.»

Ob das Hochwasser deshalb wirklich als Stresstest für das Projekt angesehen werden kann, ist fraglich. Für die riesigen Wassermassen am letzten Donnerstag ist es gar nicht ausgerichtet. «Wir können aber trotzdem sagen, dass vermutlich die Schäden ohne die Schutzbauten wesentlich höher gewesen wären. Dank den baulichen Massnahmen ist die extrem starke Strömung im Siedlungsgebiet kanalisiert worden. Glücklicherweise kamen keine Menschen zu Schaden», führt Schneitter aus.

Nun gehe es neben der Analyse durch den Kanton auch darum, die entstandenen Schäden aufzunehmen und zu reparieren. Eine Aufstockung der Schutzbauten, damit auch ein solches Ereignis abgefedert werden kann, ist im Moment kein Thema.

Unbewohnbare Häuser verlangen nach Lösungen

Nach dem Unwetter gibt es nun in Vordemwald einige Häuser, die nicht mehr bewohnbar sind – besonders am Fischerweg. Wie eine Anwohnerin erzählt, müssen wohl bei vielen Häusern die Keller und Erdgeschosse grundsaniert werden. Die Bewohner würden deshalb nach Lösungen suchen. «Viele suchen aktuell möblierte Wohnungen, weil sie nicht viel mehr als die Kleider mitnehmen können», so die Anwohnerin. Sie weiss von einer Familie, die zurzeit im Hotel lebt. Für eine andere Familie konnte sie die Rothrister Heimat-Ferien-Wohnung ihres Bruders, der in Macau lebt, vermitteln. «Ich habe ihn angerufen und gesagt: ‹Du musst helfen.›» Da er selbst wegen der Coronapandemie nicht damit rechnet, in diesem Jahr in die Schweiz kommen zu können, kann das betroffene Ehepaar mit seinem 5-jährigen Sohn darin wohnen bleiben, bis ihr Haus wieder bezugsbereit ist.

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Matthias Amstutz von der Mobiliar (zvg)

«Wir waren im Dauereinsatz»

Es ist gerade viel los auf der Generalagentur der Mobiliar in Zofingen. Die Unwetter in der Region sorgten für grosse Schäden. Matthias Amstutz ist Leiter Schadendienst und kann die Situation einschätzen.

Herr Amstutz, können Sie schon abschätzen, wie gross die Schadensumme nach den Unwettern ist?

Matthias Amstutz: Gesamthaft haben wir noch keinen Überblick, er dürfte aber im sieben- oder achtstelligen Bereich liegen, zumal teilweise grössere Firmen betroffen sind, wo noch unklar ist, wie gross der Schaden ist.

Was für Situationen haben Ihre Mitarbeitenden angetroffen?

Unzählige überschwemmte Keller in Brittnau, Vordemwald und Reiden. Häufig war auch noch Schlamm dabei. Auch einige Einstellhallen für Autos waren betroffen. Aktuell stehen rund 50 Autos auf unserem Sammelplatz in Oftringen, wo der Schaden begutachtet wird. Logischerweise will unsere Kundschaft möglichst schnell wissen, wie es weitergeht. Darum sind wir da dauernd im Einsatz.

Was bedeuten die Unwetter für Ihre Mitarbeitenden?

Sie waren am Samstag und Sonntag im Dauereinsatz. Entsprechend gibt es viel Mehrarbeit. Dazu kommt, dass sie die Kundinnen und Kunden auch immer wieder beruhigen müssen.

Wie beurteilen Sie die Schäden von den Unwettern von letzter Woche im Vergleich zu jenen im Jahr 2017?

Das ist nicht vergleichbar. Die Unwetter von letzter Woche sind insgesamt sicher weniger tragisch als jenes Ereignis im Jahr 2017. (jam)

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