Der Reider Stefan Maurer macht für andere die «Drecksarbeit»

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Stefan Maurer reinigte und trocknete den Keller im Wohnhaus der Familie Brun neben der ehemaligen Gärtnerei. Bilder: Marc Benedetti
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Helena Brun ist traurig über die Zerstörung der Erinnerungsstücke.

Stefan Maurer arbeitete seit dem Unwetter am letzten Donnerstag praktisch im Akkord. Unzählige Keller befreite er die letzten Tage und Nächte von Schlamm und Dreck. «Oft dauerten die Einsätze bis 22 Uhr», erzählt er. Sonntag hatte er frei, da war er aber so müde, dass er nur noch schlafen wollte.

Der 49-Jährige arbeitet bereits seit 15 Jahren für dasselbe Kanalserviceunternehmen mit Standorten in den Kantonen Aargau und Solothurn. In Reiden, Brittnau, Rothrist und anderen Ortschaften kam er in den letzten Tagen zum Einsatz, nachdem die Feuerwehrleute die Vorarbeit geleistet hatten. Maurer war selbst lange bei der Feuerwehr in Reiden. Er windet den ehemaligen Kollegen ein Kränzchen. «Die Feuerwehren waren sehr effizient und haben nach dem Unwetter sehr viele Keller und Tiefgaragen ausgepumpt.»

Entfeuchter waren in den letzten Tagen Mangelware

Maurer entfernt danach professionell Schlamm und Schmutz und trocknet die Böden und die Wände mit Entfeuchtern. «Diese Maschinen waren in den letzten Tagen Mangelware», sagt er. In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Reide wenn ...», platzierte Stefan Maurer einen Aufruf mit Fotos von überschwemmten Kellern und bot seine Dienste an. Private, deren Liegenschaft vom Wasser heimgesucht wurden, legen aber oft selbst Hand an. Doch der Entwässerungstechnologe hat die professionelle Ausrüstung dazu. Zum Beispiel einen Riesenstaubsauger mit Power bis 150 bar. Gegen den hat der Dreck keine Chance.

«Wir putzen auch die Schächte, wo sich der Dreck ansammelt», sagt Maurer. Auch wenn die Masse bereits hart ist, bringt er sie noch weg. Der Schlamm, der zuweilen mit Fäkalien gemischt ist, sollte unbedingt entfernt werden, rät er. «Sonst fängt er an, übel zu riechen.» Ist das Material einmal abgesaugt, wird es bei einer Firma in Füllinsdorf nach Sand, Kies und Öl getrennt und recy­celt. Der Schlick wird aussortiert und auf einer bewilligten Deponie entsorgt. Die Arbeit gefällt Maurer, der ursprünglich Gärtner gelernt hat. «Sonst würde ich sie nicht schon so lange machen.» Dreckig wird er selber höchst selten dabei.

Der Reidenbach flutete das Grundstück

In Waschküche, Heizungsraum und Luftschutzkeller des Wohnhauses von Familie Brun neben der ehemaligen Gärtnerei in Reiden hat das Wasser grossen Schaden angerichtet. Waschmaschine und Tumbler gingen durch das Wasser kaputt. «Wir sind eine sechsköpfige Familie und wohnen seit 26 Jahren im Wohnhaus», erzählt Helena Brun-Suter, «da sammelt sich halt vieles an.» Im Keller lagerte die Familie persönliche Andenken, nostalgische Geräte aus der Gärtnerei und vieles mehr. «Alles schwamm am Donnerstag im Wasser», sagt Brun traurig. Am selben Abend kam nach einigen Stunden die Feuerwehr, nun folgte Stefan Maurer.

Die Überschwemmung angerichtet hat der Reidenbach, der am Grundstück entlangfliesst. «Es war nicht das erste Mal», sagt Brun. Vorsorglich hatte die Familie Sandsäcke und Kies vor dem Abgang zum Keller gelagert. Doch diesmal nützte das nicht. Brun wünscht sich deshalb bei der kleinen Brücke über den Bach bei ihrem Grundstück eine Ableitung ins Feld hinaus, damit es nicht wieder passiert. – Eine Mulde Hausrat muss nun entsorgt werden.

In den letzten Tagen blieb die Region grösstenteils verschont

Unwetter Rund 70 Ereignismeldungen gingen in der Nacht auf Dienstag bei der Luzerner Polizei ein, wie sie mitteilte. Am Dienstagnachmittag kamen 40 weitere Meldungen dazu. Diese betrafen hauptsächlich überflutete Keller, abgedeckte Häuser sowie hagelbeschädigte Dachfenster. Am stärksten traf es am Montag und Dienstag die Gemeinden Wolhusen, Ruswil, Menznau, Buttisholz, Sempach und Beromünster.

Von den jüngsten Gewittern blieb die Region im Vergleich zu letzter Woche aber weitestgehend verschont. «Es ist nichts Nennenswertes passiert, lediglich ein kleiner Baum wurde ausgespült», sagt Martin Lieb, Vizekommandant der Feuerwehr Wiggertal. Diese ist in Reiden stationiert. Bei der Feuerwehr Hürntal in Dagmersellen gingen am Montagabend zwei Meldungen ein. Unter anderem ging auf der Hauptstrasse von Dag­mersellen in Richtung Knutwil ein kleiner Erdrutsch nieder. «Wir mussten die Strasse rund anderthalb Stunden sperren und von den Erdmassen befreien», sagt Richard Perrez, Vizekommandant der Feuerwehr Hürntal, auf Anfrage. (rzu)

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