Andreas Hilfiker, der Meistergoalie und Mauerfan

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Andreas Hilfiker hat auch jetzt den Ball noch jederzeit fest in seinen Händen. (Bild: Sarah Rölli)

«Ja, wirklich, ich war da.» Auf Nachfrage bestätigt Andreas Hilfiker, dass ich mich nicht verhört habe. Dass er am 30. April beim Spiel Aarau gegen GC im Brügglifeld war. Nicht auf der Tribüne, wo es für verdiente Klublegenden immer ein Plätzchen gibt. Nein: Hilfiker hat sich bei strömendem Regen hinter die Stadionmauer gestellt, zu den anderen rund 100 hartgesottenen Anhängern. Hilfiker, der Mauerfan. Dass er an jenem Abend unerkannt wieder den Heimweg antritt, liegt eher an der Regenbekleidung denn an der Vergesslichkeit der neben ihm stehenden FCA-Fans – wie könnten sie auch? Goalie im Meisterteam 1993, 238 Partien im FCA-Trikot, vom Bauernsohn und gelernten Käser aus Kölliken zur Klublegende.

Nostalgie hin oder her – die Chance musste er nutzen

Knapp zwei Monate danach treffen wir uns in einem Aarauer Restaurant. Andreas «Hausi» Hilfiker, ein Mann wie ein Baum mit Händen, die an Bärenpranken erinnern, schaut sich um und sagt: «Schön, wieder hier zu sein.» Die 13 Jahre in Deutschland haben nicht an seinen Wurzeln gerüttelt. «Es ist ein Heimkommen. Wieder spontan Freunde zu treffen und der Familie nah zu sein – das tut gut.» Im Januar 2008 stellt ein Anruf aus Wolfsburg das Leben von Hilfiker und seiner Frau Stefanie auf den Kopf. Felix Magath, damals Manager und Coach beim Fussballklub aus der VW-Stadt, sucht einen Goalietrainer und erinnert sich an Hilfiker, sie kennen sich aus gemeinsamen Tagen 1998 in Nürnberg. «Wo bist du? Hast du Zeit?» Hilfiker ist zu diesem Zeitpunkt erst ein halbes Jahr Goalietrainer beim FC Aarau, bildet mit Chefcoach Ryszard Komornicki und Assistent Jeff Saibene ein Trio aus 1993er-Meisterhelden. Doch Bundesliga? Das ist eine Chance, die er annehmen muss.

Aus dem anfänglichen Vertrag für zweieinhalb Jahre werden elf Saisons. Die Familie fühlt sich auf Anhieb pudelwohl in Wolfsburg, sodass Hilfiker 2009 das Angebot Magaths ausschlägt, mit ihm zu Schalke 04 weiterzuziehen. «Wir waren ja erst richtig angekommen in Wolfsburg.» 2010 erhält Tochter Finja mit Lio einen Bruder. Ehefrau Stefanie, die von der Ostseeinsel Rügen stammt, schätzt die Nähe zu ihrer Heimat. Auch sportlich läuft es rund: Hilfiker formt aus Landsmann Diego Benaglio einen Goalie internationaler Klasse, gemeinsam werden sie 2009 sensationell deutscher Meister und 2015 Pokalsieger. «Diego war unglaublich ehrgeizig und in jedem Training 100 Prozent bei der Sache. Die Arbeit mit einem Torhüter mit so einer Persönlichkeit ist ein Traum.»

Stolz sei er schon, wenn er zurückblicke, schliesslich sei es alles andere als selbstverständlich, in Deutschland, Land der Torhüter, so lange einer von 18 Bundesliga-Goalietrainern zu sein. «Und das erst noch als Schweizer. Aber ich habe in meiner langen Zeit im Geschäft gelernt: Ehrgeiz, Qualität und Demut zahlen sich immer aus.»

Neue Reize nach einer langen Zeit im Profibereich

Ein Leitsatz, den er künftig auch den Talenten im Team Aargau eintrichtern wird. Hilfiker hat als Goalietrainer in der kantonalen Nachwuchsabteilung vorerst einen Einjahresvertrag unterschrieben, zudem soll er für den FC Aarau als Markenbotschafter unterwegs sein. «Ich werde fast jeden Tag im Brügglifeld sein, viel mit den Junggoalies auf dem Platz. Ziel ist es, das bestehende Trainerteam mit meiner Erfahrung in der Torwartausbildung bestmöglich zu ergänzen und zu unterstützen.» Ein Platz im Stab von Profi-Cheftrainer Stephan Keller sei indes nie ein Thema gewesen: «Ich hatte nach dem Abschied vom VfL Wolfsburg Ende 2019 diverse Anfragen. Aber wir haben den während der Coronazeit sehr komplizierten Umzug nach Kölliken nicht auf uns genommen, um beim ersten Angebot wieder die Zelte abzubrechen», sagt Hilfiker. Im Profibereich habe er praktisch alles gesehen. «Die Aufgabe, ein junges Talent auf dem Weg zum Profi zu begleiten, die reizt mich sehr. Wichtig ist mir dabei, einen positiven Umgang und die notwendigen Leitplanken zu bieten, damit sich junge Talente bestmöglich entwickeln können.»

In Momenten, wenn ein Talent ungeduldig mit den Hufen scharrt, wird Hilfiker von sich erzählen, wie er einst bis 27 auf sein erstes Aufgebot für die Schweizer Nationalmannschaft gewartet hat. Oder wie er 1991 zum Stammgoalie beim FC Aarau wurde: «Ein anderer Nationalliga-A-Klub wollte mich als Nummer 1. Da nahm mich Präsident Ernst Lämmli zur Seite und redete mir ins Gewissen. Kurz darauf wechselte Roberto Böckli nach Zürich und ich erhielt seinen Platz. Nachdem ich zwei Jahre lang auf diese Chance gewartet habe.»

Warten – und dann bereit sein, wenn die Chance da ist

Auf Andreas Hilfiker folgte nach seinem Wechsel zu Nürnberg 1998 mit Ivan Benito wieder ein «Eigener» im FCA-Tor. Er blieb mit Unterbrüchen bis 2011, ehe Joël Mall die Aarauer Goalietradition weiterführte. Seither aber wartet man im Brügglifeld auf den Durchbruch eines Goalies aus dem eigenen Nachwuchs. Im Widerspruch dazu steht das schweizweite Lob, das den Talenten im Team Aargau nacheilt. Ein Urteil will sich Hilfiker nicht anmassen, sagt aber: «Als junger Goalie wartest du teilweise lange auf eine Chance. Und wenn sie kommt, musst du bereit sein. Dann vor den Augen der Teamkollegen, der Fans und der Medien abzuliefern, ist nicht zu unterschätzen. Die Jungs auch in mentaler Hinsicht darauf vorzubereiten und zu begleiten, ist ganz wichtig.»

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