Gestickte Intimität im Menstruationsalltag

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«Ins rote Meer stechen»: Auf einmal ist da dieser Fleck. Bilder: mif
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Rote Karte (mif)

Ist das echtes Blut? Wer vor der gegen die Rosengartenstrasse hinaus ins Schaufenster gestellten Stickerei «Ins rote Meer stechen» steht, tritt auf das Galeriemäuerchen und legt die Nase ans Glas. Nein, der Fleck auf dem Bettlaken neben der Frau, die sich soeben aus dem Schlaf erhebt, ist nur ein eingesticktes, leuchtendes Stofffitzelchen. Und wenn schon? Blut bleibt Blut, egal wo es aus dem Körper austritt. Der 22 × 35 Zentimeter grossen Stickerei täte es keinen Abbruch.

Provokativ dekorativ

Die 24-jährige Künstlerin Delia R. Ferraro führt gestickte Deckchen, die sie in Brockenhäusern findet, einem neuen Verwendungszweck zu. Sie werden zu Unterlagen und Leinwänden ihres künstlerischen Schaffens. Solche Decken dienen der Dekoration, oft stellen sie als Unterlagen Gegenstände ins beste Licht. Ins Scheinwerferlicht stellt auch Delia R. Ferraro ihre Alltagszenen von menstruierenden Frauen. Ihr aufwändig-detailreiches, weibliches Kunstschaffen ist ein performativer Akt. 30 Stunden wendet sie für das Besticken eines Deckchens mit Stoffen und Fäden ab Skizze auf. Vor allem die Haare der Frauen sind aufwändig umgesetzt.

Die bewusst gewählten Titel der Arbeiten bringen zu Bewusstsein, wie Menstruation verschämt poetisch umschrieben wird. «Erdbeertage» zeigt eine Frau, die sich in breitbeinig männlichen Pose auf ihrem Strandtuch präsentiert. Von dieser geschlechtsbetonten, missverständlichen Haltung raten Mütter ihren Töchtern schon früh ab. Die mit Stoppeln übersäten Beine sind eine selbst­bewusste Ansage. Aus ihrer Menstruation macht die Frau kein Geheimnis. Aus dem Höschen ragt zwischen den Beinen zwischen Haarstoppeln ein blauer Tamponfaden hervor.

Zornig bis berührend intim

Die provokative, fast ins Humoristische kippende Arbeit ist auch die spürbar zornigste. Während die «Erdbeertage»-­Frau die Konfrontation zu suchen scheint, sind auf den übrigen vier Stickereien intimere Momente mit Frauen, die sich unbeobachtet fühlen, zu sehen. «Auf der Welle surfen» lässt uns dabei zusehen, wie sich eine Frau mit dem Duschkopf das Blut zwischen den Beinen wegspült. «Bloody Mary» setzt eine schwarze Frau ins Bild, die ihren Menstruationscup am Kochherd desinfiziert. «Rote Karte» lässt uns daran teilhaben, wie eine Frau den Beginn ihrer Blutungen beim Toilettengang entdeckt.

Delia R. Ferraro versteht ihre Kunst explizit politisch. Ihr im noch frei verbliebenen Schaufenster angebrachtes Statement unterstreicht: «Ich will mit meinen Stickereien auf die Tabuisierung der Menstruation und die Diskriminierung von Frauen in unserer Gesellschaft aufmerksam machen. Meine Arbeit soll zu offenen Gesprächen über die Menstruation führen und Vorurteile gegenüber menstruierenden Menschen abbauen.» Diese Bereitschaft zum Gespräch löst sie heute Samstag im Kunsthaus ein. Delia R. Ferraro stickt von 11 bis 16 Uhr im Schaufenster des Kunsthauses Zofingen. Sie freut sich auf den Dialog. Auch auf die Frage «Muss diese Zurschaustellung von Intimität wirklich sein?» (siehe Leserbrief im ZT vom 22. Juni) geht sie gerne ein.

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