«Man kann niemanden zwingen»: Spitex wehrt sich gegen Impfmuffel-Vorwürfe von Bundesrat Berset

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Die Bewohner in einem Heim in Nyon erhalten eine Impfung. Bild: Keystone

Heimangestellte, die sich nicht impfen lassen wollen, sollen einmal pro Woche einen Test machen. Das hat Bundesrat Alain Berset am Wochenende in der «NZZ» gesagt. Er möchte darüber mit den Heim- und Spitex-Leitungen sowie den Kantonen beraten. Denn eine neue Infektionswelle in den Heimen gelte es unbedingt zu vermeiden, so der Gesundheitsminister: «In den Altersheimen haben wir ein gröberes Problem.»

Heim- und Spitex-Angestellte, die beim Impfen zögern, geraten immer mehr unter Druck. Grossbritannien hat sogar einen Impfzwang für das Personal von Alters- und Pflegeheimen eingeführt. Dort spitzt sich wegen der Delta-Variante die Coronasituation zu. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sagte kürzlich, wer sich in den Pflegeheimen nicht innert 16 Tagen impfe, müsse gehen.

Das ist hierzulande kein Thema. Zwar haben der Bundesrat und die Kantone die rechtliche Möglichkeit, die Impfung für Heimangestellte für obligatorisch zu erklären. Doch die Landesregierung setzt auf eine Testpflicht statt auf einen Impfzwang. So sagte Bundesrat Berset in der NZZ: «Wer sich nicht impfen lassen will oder kann, soll sich regelmässig testen lassen.»

Wie kommt das alles bei der Spitex an? Die Geschäftsführerin von Spitex Schweiz, Marianne Pfister, sagt: «Auch uns macht die Delta-Variante Sorgen.» Der Schutz der Klientinnen und Klienten habe bei der Spitex hohe Priorität, entsprechend verfügen die Spitex-Organisationen seit jeher über Schutzkonzepte und setzen die vom BAG empfohlenen Hygienemassnahmen strikt um. «Wir motivieren unsere Spitex-Mitarbeitenden weiterhin, sich impfen zu lassen, beziehungsweise fordern die Organisationen auf, ungeimpfte Mitarbeitende repetitiv zu testen.» Es sei wichtig, alles daran zu setzen, damit Ansteckungen verhindert werden könnten.

Infoblätter erarbeiten am Wochenende

Dass die Impfbereitschaft beim Spitex-Personal tief sei, wie Berset kritisiert, kann Pfister jedoch nicht unterschreiben. «Es gibt keine aktuellen Zahlen, die diese Aussage belegen können.»

Im Gegenteil: «Wir stellen fest, dass in den letzten Monaten die Impfbereitschaft des Spitex-Personals in den Kantonen zugenommen hat.» Ausserdem sei man sich bei der Spitex gewohnt, Hygienemassnahmen anzuwenden, weshalb es in der Covid-Zeit kaum Fälle gegeben habe, bei denen sich Klienten von Spitex-Personal angesteckt hätten. «Klar ist, dass die Delta-Variante aggressiver und aufgrund der Lockerung der allgemeinen Schutzmassnahmen für die Bevölkerung das Ansteckungsrisiko grösser ist», so Pfister.

Darum sei Spitex Schweiz auch an diesem Wochenende dabei, in Zusammenarbeit mit dem BAG Informationen und Empfehlungen für die Spitexorganisationen zu erstellen. Dies mit dem Ziel, das Personal optimal auf die Delta-Variante vorbereiten zu können. Man werde weiterhin auf Sensibilisierung und Aufklärung setzen. Eine Impfpflicht hält Pfister für kontraproduktiv: «Man kann niemanden zwingen.»

Kantone haben viele freie Impftermine

Das Gesundheitspersonal mache sein Bestes, man sei stets in Kontakt mit dem Bund und den Kantonen und werde weiterhin versuchen, das Bewusstsein für die Impfung beziehungsweise das Testen zu schärfen. Gibt es Spitex-Angestellten, die sich sowohl gegen die Impfung als auch gegen das Testen sträuben? «Mir sind keine solchen Fälle bekannt», sagt die Spitex-Chefin. Das Impf-Tempo nimmt allgemein ab. Derzeit sind 20 Prozent der Menschen über 80 Jahre nicht geimpft. Gemäss einer Umfrage der «SonntagsZeitung» ist in kaum einem Kanton bis im Herbst eine Impfquote von über 60 Prozent zu erwarten.

In vielen Kantonen bleiben Tausende von Impfterminen ungenutzt. Der oberste Gesundheitsdirektor, Lukas Engelberger, verlangt, dass die Kantone mit Sonderaktionen impfskeptische Gruppen ansprechen. Die Zeit drängt, denn die Delta-Variante macht auch hierzulande bereits gut 16 Prozent der Neuinfektionen aus – Tendenz steigend.

 
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