Die Epidemie ist zurück, der R-Wert über 1 – «Goodies» könnten die Impfbereitschaft stärken

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Das Impftempo wird langsamer, dabei drängt wegen der Delta-Variante die Zeit. Symbolbild: Keystone

449 Corona-Neuinfektionen meldet das BAG übers Wochenende. Die Kurve dreht nach langem wieder einmal in die falsche Richtung. Zu erwarten war dies, weil der Reproduktionswert R seit Tagen wieder über 1 liegt. Und dieser auf zehn Tage zurückgerechnete R-Wert zeigt jeweils den Trend der epidemiologischen Entwicklung an. Da er nun für die Schweiz bei 1,15 liegt, werden sich die Infektionszahlen wohl eher erhöhen.

Das haben die Experten mit ihren Modellrechnungen aufgrund der Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante unter der ungenügend geimpften Bevölkerung vorausgesehen. Der Anteil der indischen Variante ist in der Schweiz inzwischen auf 28,9 Prozent aller Neuinfektionen gestiegen und bedrängt die bis anhin dominierende, britische Alpha-Variante.

Eine schnelle Durchimpfung drängt wegen Delta

Mit der Ausbreitung von Delta, gegen die eine vollständige Impfung notwendig ist, drängt somit eine schnelle Durchimpfung der Bevölkerung. Inzwischen sind mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung zumindest einmal geimpft. Und über drei Millionen Schweizerinnen und Schweizer sind vollständig geschützt. Der Blick auf die aktuellen Impfzahlen in Zürich zeigt, dass es im grössten Kanton bei den Zweitimpfungen flott vorangeht, während bei den Erstimpfungen nur noch halb so viele Menschen in den Impfzentren anstehen.

Bei den Jüngeren ist dementsprechend ein vergleichsweise kleinerer Anteil durchgeimpft, während es bei den Älteren vielversprechend viele sind. Bei den über 70-jährigen sind es 80 Prozent und in den letzten Wochen ist der Anteil auch bei den 30- bis 70-jährigen deutlich angestiegen. Angesichts der Ausbreitung von Delta unter den Ungeimpften ist das Nachlassen der Erstimpfung problematisch und wirft die Frage auf, ob die für ein Ende der Pandemie angestrebte Durchimpfungsquote von 70 Prozent erreicht werden kann.

 
Die Hochschule Luzern hat vor zwei Monaten eine umfassende Studie zur Impfbereitschaft gemacht und dabei eine solche von gesamt 73 Prozent erhoben. Professor Dominik Georgie von der Hochschule Luzern sagt dazu:
«Die Impfzahlen bewegen sich generell in die Richtung der zu erwartenden Zahlen, auch wenn wir von den 73 Prozent aus der Studie noch einiges entfernt sind.»

Gefragt habe man in der Umfrage nach der Impfbereitschaft. Wie lange es dauere, bis diese in die Tat umgesetzt werde, sei schwierig zu sagen. Wenn sie denn überhaupt von allen umgesetzt wird. Eine Bereitschaft zu einem bestimmten Verhalten führe nicht immer direkt dazu, die Aussage auch zu verwirklichen.

Die Impfbereitschaft in der Bevölkerung abholen

Deshalb ist es nach Georgie Aufgabe des Bundes, die Bereitschaft der Menschen auch abzuholen, damit sie diese im Impfzentrum verwirklichten. Trotzdem bleibt der Studienautor optimistisch, dass die 73 Prozent erreicht werden können. «Einen gewissen Teil, also die richtigen ‹Gegner›, wird man sicher nicht erreichen. Aber unter den noch nicht Geimpften sind sicher solche, die es aus Bequemlichkeit nicht gemacht haben oder die Notwendigkeit nicht sehen. Diese könnte man sicher noch zur Impfung bringen», sagt Georgie.

Dafür müssten sich die Impf-Verantwortlichen vor Augen führen, was die Gründe dafür sind, dass sich eigentlich Impfbereite noch nicht haben impfen lassen. Der Luzerner Professor sagt:

Professor Dominik Georgie von der Hochschule Luzern.

Professor Dominik Georgie von der Hochschule Luzern.

Hochschule Luzern
«Ein Grund ist sicherlich, dass eine gewisse Unsicherheit bezüglich der kurz- und langfristigen Nebenwirkungen der Impfung herrscht.»

Hier müsse mehr Transparenz her, denn gerade die kurzfristigen Nebenwirkungen, die viele im Bekanntenkreis mitbekommen haben, seien für einige nicht sehr motivierend.

Hier könnte die Gegenüberstellung von kurzfristigen Nebenwirkungen und langfristigen Wirkungen der Covid-Erkrankung helfen. «Bei den ‹Bequemen› kann man sicherlich über ‹Anstosser› nachdenken», sagt Georgie. Zum Beispiel indem man das Impfen noch einfacher mache, zum Beispiel mit Impfungen zu Hause.

Mit Impf-Goodies das persönliche Motiv stärken

Auch Impf-Goodies könnten helfen. Denn fürs Impfen gibt es zwei grundlegende Motive: Zum ersten das persönliche, also sich impfen zu lassen, um nicht krank zu werden. Zum zweiten gesellschaftliche – die Pandemie einzudämmen und andere damit weniger zu gefährden. «Erfahrungsgemäss wirken sich die persönlichen Motive stärker auf unser Verhalten aus», sagt Georgie. Da bei den Jungen die persönlichen Motive schwächer ausgeprägt sind, weil sie keine Angst haben, krank zu werden, könnten durch Goodies ergänzende persönliche Motive geweckt werden.

So wären nach Georgie die eher «Neutralen» vermutlich zum Impfen zu bewegen. Dies müsste angemessen kommuniziert werden und dürfte nicht wie eine «Marketing-Aktion» rüberkommen. «Sonst könnte es sogar negativ wirken», sagt Georgie. Und man müsse sich überlegen, wie man mit jenen umgeht, die bereits geimpft sind.

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