Nach dem Fussballfest der Corona-Kater?

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Beat Kirchhofer

Fussball ist ein grossartiges Spiel. Die Regeln sind leicht verständlich und überschaubar. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass sich über 250 Millionen Menschen in mehr als 200 Ländern als aktive Fussball-Sportlerinnen und -Sportler betätigen. Eine Wiese mit vier Kleidungsstücken als Torpfosten, und man hat ein Spielfeld. Irgendein Ball oder eine leere Pet-Flasche, und schon kann das Spiel beginnen. Im Schweizer Vereinsfussball ist die Zahl der Spieler mit Migrationshintergrund in den Teams aller Ligen und bis hinauf zur Nationalmannschaft signifikant – die integrative Kraft des Fussballs ist unübersehbar.

Fussball ist Emotion pur. «Un’estate italiana» besangen Gianna Nannini und Edoardo Bennato bei der Eröffnungsfeier der Fussball-WM 1990 in Rom. Die «Notti magiche» hätten die Welt zu einem Karussell aus Farben gemacht: «Ein Schauder kommt und zieht dich fort.» Auch die aktuellen EM-Spiele der Squadra Azzura hat Nannini mit Herzblut verfolgt. Beim Finale in London wäre sie sehr gerne als Fan dabei gewesen. «Aber wegen Corona geht das nicht», sagte sie nüchtern. Nüchtern, etwas, was andere Fussballfans in den letzten Wochen an den Austragungsorten der EM – aber auch bei Public-Viewings und ausgelassenen Feiern – nicht alle waren. Ein «Schauder» hat sie fortgezogen und die Corona-Regeln vergessen lassen.

Die Quittung folgt wie der Penalty nach einem Foul auf dem Fuss. Die Covid-Fallzahlen steigen europaweit. Fussball und seine Emotionen scheinen für Corona ein willkommener Nährboden zu sein. Die feiernden Fussballfans gehören altersmässig zur statistisch (noch) wenig durchgeimpften Personengruppe. Deren Problem? Nein, Nichtgeimpfte sind unser aller Problem. Die Heilungskosten ausgeblendet: Jede Corona-Welle gibt dem Virus die Chance, zu mutieren, noch gefährlicher zu werden. Zahlen aus Israel – denen bisher nicht widersprochen wurde – zeigen, dass jede neue Variante den aktuellen Impfschutz um einige Prozentpunkte schrumpfen lässt. Wie weiter? Ein erneuter bundesrätlicher Appell an die Vernunft? Für Ungeimpfte, die in Bereichen mit intensiverem Personenkontakt (Pflege) arbeiten, Berufsverbote aussprechen?

Im April waren ein Heimbewohner und seine Besucherin (eine Verwandte) geimpft. In der Pflegeeinrichtung gab es für die beiden keine Erleichterungen – und somit auch kein gemeinsames Mittagessen. Weshalb keine Privilegien für Geimpfte? Bei Curaviva, dem Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Unterstützungsbedarf, hiess es damals, es sei «ethisch schwierig», die Bewohnerinnen und Bewohner in zwei Gruppen zu unterteilen. Exakt um dies – um Sonderrechte für Geimpfte – scheinen wir im nächsten Herbst und Winter leider nicht zu kommen. Es kann nicht sein, dass Impfverweigerer unserer Gesellschaft die Lebensfreude nehmen.

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