Wenn das Heim zum Kunstwerk wird: Ein Besuch beim Uerkner Künstler Hugo Siegrist

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Hugo Siegrist vor seinem selbst renovierten Haus in Uerkheim. Bild: Chiara Nembrini

Ein aufgemalter roter Teppich mit goldenem Rand führt eine weisse Treppe hoch. Die Wellen eines auf die Fassade gemalten Meeres schlagen gegen die Treppe. Die Gischt ist als Relief gehalten. Das Ganze wirkt sehr realistisch. Entlang der Treppe verläuft ein weisses Geländer, dessen unteres Ende in einem Frauenkopf mit Löwenhelm mündet. Die Treppe führt in das wohl grösste Kunstwerk von Hugo Siegrist: seinem Zuhause, dem ehemaligen Schulhaus in Uerkheim. Bis 1972 wurde dort unterrichtet, 1979 kaufte er es und bis ins Jahr 2000 renovierte er es innen eigenhändig. Ein Jahr später versah er es aussen mit diversen Ornamenten und Malereien, die bei der Bevölkerung grossen Anklang fanden.

«Meine Kunst ist surrealistisch und gegenständlich», sagt Hugo Siegrist. Als Inspiration dienen ihm viele Bücher von Künstlern, wie Dalí oder Michelangelo. Jedoch entstehe auch vieles «aus dem Bauch heraus». Am liebsten arbeitet er mit Zement, da er dadurch mehr Leben in seine Kunst bringen kann, wie etwa ein Blick auf das Meer an der Fassade beim Hauseingang zeigt. Schon als Kind hatte der 74-Jährige ein überwiegendes Interesse an der Kunst; seine Begabung zeigte sich durch einige Ereignisse, wie das Bemalen der Schulwandtafel an Weihnachten. Nach seinem achtjährigen Schulbesuch an der Generalschule in Oftringen versuchte sich Hugo Siegrist in einigen verschiedenen Lehren, welche aber alle gescheitert sind. Als Kartonmacher scheiterte es an der ungeliebten Algebra, als Tapezierer-Dekorateur schmiss er ein halbes Jahr vor der Abschlussprüfung hin. Auseinandersetzungen mit seinem Lehrmeister waren der Grund dafür. «‹Ich will Künstler werden!›, sagte ich damals und lief davon», so Siegrist.

Vom Lehrabbrecher zum Künstler

Von da an arbeitete er als Taxifahrer beim Bahnhof Aarau. Immer dabei: ein Zeichnungsheft. Seine Kunden, darunter oft Geschäftsleute, haben dieses immer gerne durchgeblättert. «Die haben mir oft gesagt: ‹Du bist viel zu schade, um am Bahnhof zu arbeiten.›» Durch sie kam er an seine ersten Künstler-Aufträge. Für eine Jeans-Boutique bemalte er etwa die Schaufenster. Die Aufträge häuften sich, seine Einsätze als Taxifahrer wurden immer weniger. Bald folgte ein Atelier in Aarau, Aufträge für die Knabenschiessen in Zürich und den Circus Knie, Fassaden für mobile Kinos – wovon eins ans Oktoberfest und ein anderes nach Singapur gingen –, bis der Hauskauf in Uerkheim erfolgte. «Ich wollte mehr Ruhe und Platz.» Langsam starb aber das Geschäft mit den mobilen Kinos aus und damit auch die Grossaufträge. Nachdem sein Sohn 1986 zur Welt gekommen war, blieb er zuhause und seine Frau ging arbeiten. «Mit meiner Kunst wollte ich immer meine Familie ernähren, was mal klappte und mal nicht.» Dass seine Frau für sie arbeiten musste, habe an seinem Stolz genagt, fügt Siegrist hinzu. Er dachte immer wieder ans Aufhören. Ein Fernsehbeitrag beflügelte jüngst seine Verkäufe und so auch seine Motivation wieder. Heute setzt er mehr auf Qualität statt auf Quantität und tüftelt weniger herum.

Einzig jenes perfekte Bild, das besser als alles andere ist, fehlt ihm noch. Was genau dieses perfekte Bild ausmacht, weiss er nicht. «Nur, dass es sich von alleine verkaufen soll», sagt Hugo Siegrist mit einem Augenzwinkern. Sonst will er sich wie die Altmeister aus dem 15. und 16. Jahrhundert in der Ölmalerei versuchen. Zudem schwebt ihm die Zusammenarbeit mit einem Galeristen vor. «Vielleicht im nächsten Jahr – jetzt oder nie.»

Serie

Wie geht es den Künstlerinnen und Künstlern aus der Region in Zeiten von Corona? Das Zofinger Tagblatt hat sich mit sechs von ihnen getroffen. So sehr, wie sie sich voneinander unterscheiden, tun es auch ihre Geschichten.

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