So regulieren die Berner den Wasserstand im Aargau – wieviel Wasser kommt noch die Aare runter?

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Der Kanton Bern kann regulieren, wie viel Wasser aufs Mal in der Aare in den Aargau fliesst. Hier beim Wehr bei Schönenwerd. Britta Gut

Seit Wochen gibt es immer wieder ergiebige Niederschläge, auch für heute Dienstag ist im Mittelland viel Regen angesagt. Die Böden sind inzwischen gesättigt, die Alpenrandseen Zürichsee, Vierwaldstättersee und Thunersee (Schifffahrt eingestellt) sind inzwischen randvoll. Am Zürichsee gilt derzeit Hochwasser-Warnstufe 3 (erhebliche Gefahr), das gilt auch für den Bielersee. Am Vierwaldstättersee und am Thunersee gilt seit gestern gar Stufe 4 (grosse Gefahr). Diese Seen sind alle wichtig für den Aargau. Denn sie alle entwässern via Reuss, Limmat und Aare alle in Richtung Wasserschloss Aargau.

An den Flüssen im Aargau gilt seit gestern für Reuss und Rhein (ab Koblenz bis Basel) die Hochwasserwarnstufe 3 (zuvor 2, mässige Gefahr). Für Aare und Limmat blieb es gestern bis Redaktionsschluss bei Stufe 2.

Grosse Schäden, als zuviel Wasser aus Emme und Bielersee kam

In einer derart angespannten Situation ist es für die Kantone Solothurn und Aargau jeweils von höchster Bedeutung, wie der Kanton Bern die Aare reguliert. Das Wehr Port reguliert den Abfluss aus dem Bielersee in die Aare. Im Jahr 2007 kam es in diesen beiden Kantonen zu grossen Überschwemmungen und Schäden, weil gleichzeitig sehr viel Wasser aus dem Bielersee und der Emme in die Aare floss. Das konnte sie nicht verkraften.

Die nachfolgende Grafik zeigt, wie die Regulierung beim Wehr am Bielersee in der Nacht vom vergangenen Donnerstag auf Freitag für die Aare massiv dämpfend wirkte:

Im Aargau achtet man in Situationen wie derzeit besonders auf die Einhaltung der «Murgenthaler Bedingung». Darin wurde vereinbart, so Simon Werne, Fachspezialist Wasserkraft und Pikettdienst Hochwasser im Departement von Stephan Attiger, «dass der Abfluss an der Messstelle Murgenthal maximal 850m3/Sekunde betragen soll. Die Berner Kollegen regulieren den Bielersee möglichst so, dass insbesondere die (teils sehr schnell und hoch ansteigenden) Abflüsse aus der Emme, zusammen mit dem Abfluss aus dem Bielersee, diese Bedingung erfüllen». Sie setzen das dankenswerterweise sehr gut um, sagt Werne. Das habe sich gerade letzte Woche gezeigt, «als weitere Pegelanstiege im Aargau erfolgreich verhindert werden konnten» (vgl. Grafik oben).

Neue Niederschläge können sich rasch auf Gefahrensituation auswirken

Die derzeitige Lage stellt sich so dar, dass die hohen Seepegel längerfristig zu hohen Abflüssen in den unterliegenden Flüssen führen. Werne: «Somit kann sich zusätzlicher Niederschlag sehr schnell auf die Abflüsse beziehungsweise die Gefahrensituation auswirken. Die Regulierung am Bielersee beaufschlagt die Aare derzeit, in Absprache mit den Unterliegern, mit möglichst hohem Abfluss, um ein Reservevolumen für die kommenden Niederschlagsereignisse schaffen zu können.» Auf gut deutsch heisst dies, dass am Montag die Schleusen am Wehr nach dem Bielersee weit offen waren, um Platz zu schaffen für die erwarteten neuen Niederschläge.

 

Niederschläge am Dienstag werden Pegel weiter ansteigen lassen

Die für Dienstag vorhergesagten Niederschläge werden laut Werne zu einem Wiederanstieg der Pegel führen, die sich nach den hohen Abflüssen von vergangenem Freitag über das Wochenende nur leicht entspannen konnten. Durch die laufende Lagebeurteilung könne man beim Kanton die kommenden Ereignisse aber immer genauer eingrenzen: «Im Fall der Aare sind wir davon überzeugt, dass wir uns auf die bestmögliche Unterstützung unserer Kollegen am Wehr Port verlassen können.»

Dammbalkensystem an Spinnereibrücke in Windisch aufgebaut

Aufgrund der zu erwartenden Regenfälle der nächsten Tage wurde in Windisch entschieden, das Dammbalkensystem entlang des Spinnereikanals einzubauen. Mit diesem System kann verhindert werden, dass die Reuss bei einer Hochwassersituation über die Ufer tritt.

Mit der Logistik und Vorbereitung des Einbaus wurde gestern Montag begonnen. Bis spätestens heute Dienstag, 13. Juli, werden die Arbeiten abgeschlossen sein, wie der Gemeinderat Windisch mitteilt. Gleichzeitig müsse die Spinnereibrücke ab heute Dienstag, 08.00 Uhr erneut gesperrt werden, um die Sicherheit der Fussgänger und Velofahrerinnen jederzeit sicherstellen zu können. Über die Dauer der Sperrung können zurzeit noch keine Angaben gemacht werden.

Die Kantonspolizei Aargau rät dringend davon ab, fliessende Gewässer zu befahren oder darin zu baden. Auch am Wasser ist infolge der starken Strömung und des Schwemmmaterials Vorsicht geboten.

Was die Hochwasser-Warnstufen 2 und 3 bedeuten

Warnstufe 2: Da sind lokale Ausuferungen (das Wasser verlässt das Bachbett) und Überflutungen unwahrscheinlich, aber nicht auszuschliessen. In Ausnahmefällen sind lokal Überflutungen von Strassenunterführungen, Tiefgaragen und Kellerräumen möglich. Lokale Behinderungen an exponierten Verkehrswegen sind unwahrscheinlich aber nicht auszuschliessen.              

Warnstufe 3: Da können an exponierten Stellen lokale Ausuferungen und Überflutungen auftreten. Lokal sind Überflutungen von Strassenunterführungen, Tiefgaragen und Kellerräumen möglich. An exponierten Verkehrswegen sind lokale Behinderungen möglich und es muss mit lokalen Schäden in kleinerem Umfang gerechnet werden.

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