Gefängniswärter hatte Brian unnötig geschlagen und getreten – wegen Amtsmissbrauch wird er schuldig gesprochen

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Brian Keller - schweizweit als «Carlos» bekannt geworden. Screenshot Rundschau

Für einmal erschien der Kläger in Handschellen vor Gericht, nicht der Angeklagte. Brian Keller, unter dem Namen «Carlos» schweizweit bekannt geworden, hatte Strafanzeige eingereicht. Und zwar gegen einen Vollzugsbeamten der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg.

Eigentlich sitzt Brian seine Strafe in der JVA Pöschwies in Regensdorf ab. Er hatte einen Bekannten aus der Kampfsportszene mit einem Faustschlag niedergestreckt, später im Strafvollzug immer wieder Aufseher beleidigt und angegriffen. Vergangenen Monat hatte das Zürcher Obergericht den Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung, mehrfacher Körperverletzung und Sachbeschädigung - alles begangen im Gefängnis - bestätigt. Die Strafe: Über sechs Jahre Gefängnis.

Kamera zeichnete den Vorfall auf

Doch die Unterbringung von Brian gestaltet sich als schwierig. Immer wieder geht er auf Wärter los und beschädigt seine Zelle. Seit Monaten sitzt er deswegen in Einzelhaft. Das löste einen Disput über die Haftbedingungen aus, mit dem sich selbst die UNO beschäftigte.

2019 versuchten die Behörden, Brian in der JVA Lenzburg unterzubringen. Doch auch das ging nicht gut: Auch hier soll Brian Wärter angegriffen haben. Nach nur kurzer Zeit sollte er wieder zurück in die Pöschwies verlegt werden.

Und wegen dieser Verlegung trafen sich nun Brian und einer seiner ehemaligen Aufseher vor Gericht. Denn als sechs Beamte ihn aus seiner Zelle holten, soll er diese angespuckt, bedroht und sie schliesslich angegriffen haben.

Die Aufseher drückten ihn gemeinsam zu Boden und taserten ihn. Soweit war alles noch zulässig. Als Brian aber bereits wehrlos gewesen sein soll, soll nun ein Wärter weiter auf ihn eingetreten und -geschlagen haben. Eine Kamera zeichnete das ganze Geschehen auf.

Der Wärter war wegen Amtsmissbrauch und einfacher Körperverletzung angeklagt. Brians Anwalt forderte zudem eine Verurteilung wegen versuchter schwerer Körperverletzung - der Verteidiger des Wärters forderte einen Freispruch.

Im Gerichtssaal wurde Brian ausfällig

Besonders verwerflich aus Sicht von Brians Verteidiger: Die Schläge erfolgten, als Brian gefesselt und mit einem Sack auf dem Kopf am Boden lag. Er habe so die Faustschläge gegen das Gesicht nicht einmal kommen sehen. «Jemand, der sich so wenig unter Kontrolle hat, hat im Strafvollzugssystem nichts verloren», so der Verteidiger.

Auch Brian selbst erschien vor dem Bezirksgericht Lenzburg. Er redete schnell und viel, beschrieb die Schläge und kommentierte sie laufend: Die Wärter hätten sich mächtig gefühlt, es sei traurig und erbärmlich, so auf einen wehrlosen einzuprügeln.

Als der Verteidiger des Wärters an der Reihe war und eine andere Version erzählte, wurde Brian ausfällig. Er bezeichnete den Anwalt mehrfach als Lügner. Als Brian schliesslich von den drei anwesenden Polizisten aus dem Raum geführt wurde, beleidigte er den Anwalt nochmals.

Die Aussagen spielten für das Urteil aber schliesslich nur eine untergeordnete Rolle. Die Richterin hatte selbst das Video des Zwischenfalls gesehen und stützte ihr Urteil darauf ab.

Speziell: Der Ausbildner der Vollzugsbeamten und Nahkampfexperte hatte das Video auch analysiert. Er kam zum Schluss: Der Einsatz der Beamten sei verhältnismässig gewesen, es seien keine unnötigen Schmerzen verursacht worden. Diesen Experten befragte die Richterin aber gar nicht - obwohl der Verteidiger das gefordert hatte. Auch die anderen damals anwesenden Vollzugsbeamten wurden nicht befragt. Das sei nicht nötig, so die Richterin: Auf dem Video sei alles zu sehen, was sie sehen müsste.

Sie sprach den Wärter wegen einfacher Körperverletzung frei. Sie sprach ihn aber wegen Amtsmissbrauchs schuldig. Sie verurteilte den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 18'000 Franken sowie einer Busse von 4700 Franken.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger der Wärters hat bereits angekündigt, das Urteil anzufechten.

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