Kanton bereitet sich auf nächsten Hochwasser-Peak vor – dieser Berner steuert, wie viel Wasser Richtung Aargau fliesst

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Bernhard Wehren, Leiter Seeregulierung Kanton Bern, in der Schaltzentrale, von wo aus er die Wasserstände der Seen kontrolliert und managt. Bild: Nicole Philipp/BZ

Am Dienstag sind in Wallbach in den gefährdeten Uferzonen am Rhein und in Brugg im Geissenschachen an der Aare die knallorangen Beaver-Elemente eingebaut worden. Rückblickend sagt Fabian Niederberger, Kommandant des Kantonalen Katastrophen Einsatzelements (KKE): «Ich bin seit acht Jahren beim KKE dabei. Das Wasser ist bei den Beaver-Elementen in Wallbach zuletzt 2013 so hoch gestiegen wie am Dienstagabend.»

Gegen Abend wurden weitere Hochwassersperren in Mellingen und in der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Wohlen eingerichtet. Dazu wurden 150 Meter mit Schalungsbrettern gesichert. In Wohlen drohte Wasser von der hochgehenden Bünz in die ARA einzudringen, worauf mit Schmutzwasser vermischtes Wasser in die Bünz hätte zurückfliessen können. «Das konnte erfolgreich verhindert werden», sagt Niederberger nach verschiedenen Augenscheinen am Mittwochmorgen.

Er ist mit der Wirkung der bisher eingebauten 1,8 km Beaver-Sperren zufrieden. Insgesamt 70 Angehörige des KKE hatten die Sperren zusammen mit Angehörigen der jeweiligen Feuerwehren und Regionalen Zivilschutzorganisationen eingebaut. Das habe hervorragend geklappt, lobt Niederberger.

In Diskussion war am Mittwochnachmittag, «ob weitere Elemente noch an der Wigger am Bleicheareal in Strengelbach zum Einsatz kommen sollen». Am Mittwochmorgen blieb es zwar trocken, doch am Donnerstag werden weitere ergiebige Niederschläge erwartet.

Was könnte beim nächsten Hochwasser-Peak drohen?

Am Mittwoch gab es eine leichte wettermässige Entspannung, doch am Donnerstag drohen aufgrund weiterer Niederschläge neue Höchststände. Inzwischen werden sowohl der Thuner-, der Bieler- als auch der Vierwaldstättersee in der höchsten Gefahrenstufe 5 geführt.

Der Aare und der Limmat (beide Gefahrenstufe 3), der Reuss und dem Rhein (beide weiterhin Gefahrenstufe 4) drohen neue hohe Pegelstände. Seit Mittwoch gilt für die Reuss ab Vierwaldstättersee bis zur Mündung der Kleinen Emme sogar die höchste Gefahrenstufe 5.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) erwartet in seinem neuesten Naturgefahrenbulletin am Donnerstag und am Freitag am Alpennordhang, im Unterwallis und über dem Jura bis in die Nordwestschweiz erneut intensive Niederschläge mit 50–80 mm, lokal gewittrig durchsetzt bis 100 mm. Fazit des BAFU: «Die Hochwasserlage verschärft sich in den kommenden Tagen.»

Unsere Grafik zeigt eine Vorhersage aufgrund verschiedener Meteo-Modelle für die Reuss bei Mellingen. Demnach dürfte dort in der Nacht auf Samstag ein neuer Peak erreicht werden. Ob es so kommt, hängt natürlich von den tatsächlichen Niederschlägen ab. Simon Werne, Fachspezialist Wasserkraft und Pikettdienst Hochwasser beim Kanton, mag sich nicht einfach auf solche Vorhersagen abstützen.

Er erwartet, dass der Peak in Mellingen höher ausfallen wird als in der Nacht auf Mittwoch (maximal 761 m3/Sekunde), da seines Erachtens diese Modelle die völlige Bodensättigung zuwenig berücksichtigen.

Mellingen befürchtet in der Nacht auf Samstag einen neuen Peak

Mellingens Gemeindeschreiber Beat Deubelbeiss steht in ständigem Kontakt mit der Feuerwehr und dem Regionalen Führungsstab. Es wird befürchtet, dass die voraussichtlichen Regenfälle zu einem neuen Peak führen werden. Am Donnerstag und Freitag könnte die Abflussmenge 720 bis 830 m3/Sekunde betragen.

Hochwasser in Mellingen am 13.07.2021: In Mellingen führt die Reuss enorm viel Wasser. Teilweise ist sie auch über die Ufer getreten.

Hochwasser in Mellingen am 13.07.2021: In Mellingen führt die Reuss enorm viel Wasser. Teilweise ist sie auch über die Ufer getreten.

Viktor Zimmermann

In der letzten Nacht auf Mittwoch ist auch Wasser in die Altstadt eingedrungen, «doch wir haben getan was wir konnten, um es abzuwehren. Das werden wir jetzt wieder tun. Wir sind aber froh um jeden Zentimeter, den der Reusspegel vor den neuesten Regenfällen noch sinken konnte».

Gestern war Schleuse am Wehr Port offen, um den Bielersee zu entlasten

Gestern waren die Schleusen des Wehrs Port unterhalb des Bielersees weit offen. Rund 630 m3 Wasser pro Sekunde strömten vom See in die Aare. Es ging darum, Platz für die neuen Niederschläge zu schaffen. In der Folge mass man beim Eintritt der Aare in den Aargau rund 800 m3/Sekunde.

Doch kann die Murgenthaler Bedingung, wonach bei Murgenthal aufs Mal nicht mehr als 850 m3 durchfliessen sollen, auch heute Donnerstag und morgen Freitag eingehalten werden?

Bernhard Wehren, Leiter Seeregulierung Kanton Bern, sagt dazu: «Spielraum haben wir im Bielersee nicht mehr. Nichtsdestotrotz halten wir uns an diese Vereinbarung. Wir drosseln am Wehr den Abfluss, wenn nach Niederschlägen im Einzugsgebiet der Aare zwischen Biel und Murgenthal, etwa via Emme, plötzlich deutlich mehr Wasser anfällt. Die Situation wird rund um die Uhr von unseren Leuten überwacht, um bei Bedarf sofort zu drosseln oder den Abfluss wieder zu erhöhen.»

Bernhard Wehren stehen weitere schwierige Tage bevor. Denn nach den neuen Niederschlägen werden die Pegel von Thuner- und Bielersee noch bis Samstag ansteigen, bis sie endlich langsam wieder sinken.

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