Schneller Einsatzbereit dank Homeoffice – wie das Coronavirus den Aargauer Feuerwehren hilft

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Donnerstag, 15. Juli 2021 in Bern. Die Feuerwehr hat wegen Hochwassergefahr in den Quartieren Marzili, Altenberg und Matte vorbeugend Hochwassersperren aufgebaut. . (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Bis um 1 Uhr war Urs Bächtold in der Nacht auf Mittwoch als Einsatzleiter der Feuerwehr Burgdorf beschäftigt. Sechs Mal mussten seine Leute aufgrund der Unwetter ausrücken: Überschwemmte Keller, eine überflutete Unterführung voller Schlamm, ein Erdrutsch, bei dem 50 Kubikmeter Erdmasse in Bewegung geraten waren.

Nicht nur im Emmental ist die Feuerwehr derzeit im Dauereinsatz. Steigende Pegel von Flüssen und Seen, Dauerregen, Hagel- und Gewitterschäden sorgen für rekordhohe Einsatzzahlen: «Wir befinden uns tatsächlich in einer aussergewöhnlichen Situation», sagt Einsatzleiter Bächtold, der hauptberuflich als Direktor beim Schweizerischen Feuerwehrverband tätig ist.

«Belastung für Milizfeuerwehr sehr hoch»

Seit rund sechs Wochen spiele das Wetter verrückt. Die Feuerwehr müsse aber auch in dieser Phase wegen Unfällen, Bränden oder weiteren Notfällen ausrücken. Dazu kommen die unwetterbedingten Einsätze: «Solche Ereignisse und die Einsatzbewältigung werden intensiver, häufiger und anspruchsvoller.» Feuerwehrleute würden deswegen öfter und auch länger im Einsatz stehen, sagt Bächtold: «Gerade für die Milizfeuerwehr ist die Belastung derzeit sehr hoch.»

Urs Bächtold, Direktor Schweizerischer Feuerwehrverband.

Urs Bächtold, Direktor Schweizerischer Feuerwehrverband.

Bild: Zvg / Aargauer Zeitung

Ausgerechnet das Coronavirus hilft den Milizfeuerwehren, mit der Belastung zurechtzukommen: «Während der Coronazeit haben wir festgestellt, dass sich die Tagesverfügbarkeit bei der Milizfeuerwehr verbessert hat», sagt Bächtold. Weil sie im Homeoffice arbeiteten, seien mehr Feuerwehrleute schnell vor Ort einsatzbereit zur Verfügung gestanden. Urs Bächtold erklärt:

«Das ist ein Trend. Wie nachhaltig die Entwicklung sein wird, muss sich noch zeigen.»

Es sei aber durchaus vorstellbar, dass künftig mehr Feuerwehrleute tagsüber für Einsätze an ihrem Wohnort zur Verfügung stehen, weil sie im hybriden Modell – der Kombination Homeoffice/Büro – tätig seien.

«Auch wir haben diesen Trend beobachtet», sagt David Bürge, Kommandant der Feuerwehr Aarau. Man habe innovativ auf die veränderte Lage reagiert: «Die Feuerwehrmitglieder, die im Homeoffice arbeiteten, taten das teilweise direkt im Feuerwehrmagazin, um möglichst sofort einsatzbereit zu sein».

20 Prozent weniger Feuerwehrleute als 2010

Die dank Corona verbesserte Einsatzverfügbarkeit tagsüber kommt der Feuerwehr entgegen. Alleine im vergangenen Jahr rückte sie in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein über 70'000 Mal wegen eines Alarms aus. Den Löwenanteil der Einsätze leisteten Angehörigen einer Milizfeuerwehr. 1244 dieser Milizorganisationen – ein Drittel weniger als noch 2010 – stehen lediglich 16 Berufsfeuerwehren gegenüber.

Die Einsätze verteilen sich auf immer weniger Schultern. Zwischen 2010 und 2020 verringerte sich die Mitgliederzahl der Feuerwehren von etwas über 100'000 auf knapp 81'000 Personen – ein Minus von 20 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts.

«Eine weitere Personalreduktion bei den Milizfeuerwehre ist nicht angezeigt», sagt Verbandsdirektor Urs Bächtold. In diesem Feld habe «die grosse Strukturbereinigung bereits stattgefunden». Kleinere Feuerwehren wurden zu grösseren Organisationen zusammengeschlossen. «Das ist durchaus sinnvoll, weil der Personalbedarf reduziert, die Einsatzbereitschaft sichergestellt und die Professionalität erhöht werden konnte», erläutert Bächtold.

Im Notfall müssen Nachbarn helfen

Dennoch bleibt die Bereitschaft am Tag ein «grosses Thema» für die Milizfeuerwehren. Im Gegensatz zu den Profis bei den Berufsfeuerwehren gehen ihre Mitglieder tagsüber in den meisten Fällen einem anderen Beruf nach. Die wachsende Zahl von Berufspendlern, die ausserhalb ihres Wohnorts arbeiten, mache diese Aufgabe noch anspruchsvoller. Doch Bächtold stellt klar:

«Es gibt keinen Einsatz, den wir wegen fehlenden Einsatzkräften nicht antreten können.»

Es gebe immer Alternativen, etwa durch das Herbeiziehen von Einsatzkräften aus benachbarten Feuerwehren. Doch solche Lösungen werden erschwert, wenn die Nachbarsfeuerwehren ebenfalls im Dauereinsatz stehen – wie das bei der aktuellen Unwettersituation vielerorts der Fall ist.

Auf das Unvorhersehbare vorbereitet sein

David Bürge, Kommandant der Feuerwehr Aarau.

David Bürge, Kommandant der Feuerwehr Aarau.

Archivbild (2019): Chris Iseli / AAR

Das Milizsystem sei durch die aktuelle Lage nicht an seine Grenzen gestossen, betonen Bächtold und Bürge. Doch sorgen die Unwetter für Mehrarbeit. Die Feuerwehr Aarau etwa rückte im laufenden Jahr bereits 220 Mal aus – im Vorjahr waren es insgesamt 184 Einsätze.

«Zentral ist, dank guter Vorbereitung flexibel reagieren zu können», sagt David Bürge. Denn auch während eines «langen Ereignisses» wie der Hochwasser- und Unwetterlage kann immer Unvorhergesehenes passieren. Am Dienstagmittag etwa musste die Aarauer Feuerwehr wegen eines Grossbrands in einem Krematorium ausrücken.

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