Kaum wieder offen, schon wieder zu: Viele Bühnen haben Sommerpause – muss das sein?

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Hoffentlich gibt es keine Sommerpause ohne Ende. Bild: Getty

Im Frühjahr sanken endlich die elend hohen Fallzahlen. Und mit jedem Infizierten weniger öffneten sich die Türen der Kulturinstitutionen einen Spalt weiter. Inzwischen dürfen die Kulturinstitutionen sogar zwei Drittel ihrer Plätze belegen. Zurzeit könnte ich also mit so vielen Menschen im Zuschauerraum sitzen, wie es auch vor der Pandemie oft üblich war – ich könnte, wenn es denn ein Programm gäbe.

Denn es ist Sommerpause in vielen Häusern. Es ist Spielpause bei der Bühne Aarau, im Kurtheater und auch im Theater im Kornhaus (ThiK). Für viele kleinere Museen, Ausstellungsräume und Clubs gilt Ähnliches. Muss das sein, eine Sommerpause nach diesen letzten Monaten, fragt sich das hochverehrte, das hoch versehrte Publikum.

Die Spielpause gehört zum Programm

Die strukturelle Antwort ist eindeutig: Es muss! Insbesondere die subventionierten Häuser müssen sich an die gesetzten Spielpläne halten. Die Gewerkschaften und Verbände schauen genau, dass die Bühnentechnikerinnen, die Schauspieler, die Produzentinnen und Requisiteure die einzig möglichen Ruhezeiten im Jahr einhalten können.

Denn ruhig war es in den letzten Monaten vor allem auf den Zuschauerrängen. Hinter den Kulissen wurde gearbeitet: Digitale Vermittlungsangebote wie Streamings und virtuelle Rundgänge wurden lanciert, nebenbei galt es, die nächsten Öffnungsschritte zu planen und dafür gleich einen Plan B und Plan C bereitzuhalten.

Und auch jetzt ist die Kulturagenda nicht leer. Es gibt Sommertheater und Freilichtbühnen. Nur durch die Spielpausen in den regulären Häusern können die Schauspieler diese Engagements antreten. Auch diese Stücke sind längst eingeplant, man spielt quer durchs Land gegen einen Produktionsstau an. Es ist ein kompliziertes Räderwerk, das man nicht eben umstellt und die Spielpause gehört zum Programm.

Bedenkenloser Kulturgenuss

Die Kultur hat mir, hat einem Grossteil der Schweizer Bevölkerung gefehlt. In einer Umfrage, die das Bundesamtes für Kultur (BAK) vergangene Woche veröffentlichte, gaben 61 Prozent der Befragten an, Theater, Tanz, Konzerte, also die Bühnenkünste, vermisst zu haben.

Weniger – und das wird die Intendanten hoffentlich nicht zu sehr bekümmern – wegen der künstlerischen Inhalte, sondern als kulturelles und vor allem soziales Erlebnis. Entsprechend kommt das Publikum zurück: Inzwischen gibt ein Drittel der Bevölkerung an, Kulturveranstaltungen «bedenkenlos» zu besuchen, und dieser Anteil steigt.

Auf der anderen Seite haben die Institutionen ihr Publikum vermisst. «Nicht spielen ist keine Option», sagten sie einstimmig. Als Zuschauerin darf ich mich nun also über die Spielpausen wundern, die kommen, wie in jedem normalen Sommer auch.

Delta betritt die Bühne

Dabei regen die Vorschauen auf die kommende Saison den Appetit an – aber eben auch den Futterneid. Was ist denn nun mit Delta? Wird die Situation überhaupt eine normale Saisoneröffnung zulassen? Die Situation wird bereits jetzt zunehmend vage. In anderen Ländern prüft man erneute Massnahmen. In Cannes etwa munkelte man ob der steigenden Fallzahlen gar, das Filmfestival abzubrechen.

Sollten die Massnahmen auch in der Schweiz wieder verschärft werden, muss man sich auf einen stillen Herbst einstellen. Institutionen wie Zuschauer sind sich einig: Ein digitales Angebot ist kein Ersatz für lebendige Live-Kultur. Dafür sind die Leute auch bereit zu zahlen. Über die Hälfte der Befragten wollen ihre Ausgaben für Kulturbesuche gegenüber der Zeit vor der Coronakrise gleich gross halten – oder sogar erhöhen. Dieses Bekenntnis ist eine Verpflichtung. Daher rufe ich den Häusern zu: Nutzt jede freie, jede mögliche Spielminute!

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