Starkregen und Hagel zerstören die Ernte der Aargauer Bauern: Muss im Winter Vieh notgeschlachtet werden?

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Biobauer Lukas Neuhaus aus Stetten baut einen provisorischen Damm, um seine Felder vom Wasser der Reuss zu schützen. TeleM1

Es schüttet und schüttet und schüttet und schüttet. Lukas Neuhaus aus Stetten hat mit einem Bagger einen provisorischen Damm gebaut, um die Felder seines Biohofs von den Wassermassen der Reuss zu schützen. Seinen Reis und die Gewächshäuser konnte er so für den Moment schützen, sagt er gegenüber TeleM1.

Biobauer Lukas Neuhaus aus Stetten baut einen provisorischen Damm, um seine Felder vom Wasser der Reuss zu schützen.

Biobauer Lukas Neuhaus aus Stetten baut einen provisorischen Damm, um seine Felder vom Wasser der Reuss zu schützen.

TeleM1

Andere konnten das nicht. Die Felder vieler Bauern im Aargau stehen unter Wasser. Für gewisse Kulturen droht ein Totalausfall der Ernte.

Eigentlich würden just in diesen Wochen die Mähdrescher durch die Felder fahren, um Weizen und Dinkel zu ernten. Würden. «Es müsste zuerst einmal zwei Wochen lang halbwegs trocken sein, bevor wir überhaupt ans Ernten denken können», sagt Christoph Hagenbuch, Präsident des Aargauer Bauernverbands.

Christoph Hagenbuch.

Christoph Hagenbuch.

Patrick Schellenberg

Und selbst wenn dieses Szenario eintreten sollte: Die Qualität des Korns wird schlecht sein, so Hagenbuch. Es ist viel zu nass und regnerisch.

Nicht nur das Getreide leidet unter dem zu vielen Wasser, sondern mehr oder weniger sämtliche Kulturen. Hagenbuch baut auf seinem Hof in
Oberlunkhofen vor allem Kartoffeln und Süsskartoffeln an. Diese stehen seit Tagen unter Wasser.

«Es ist ein Riesenfiasko. Alles verfault.»

Und als wäre das nicht schon genug, hat es in den vergangenen Tagen den Ostaargau auch noch verhagelt. Die Kürbisse und Salate sind zerstört, die Kartoffeln beschädigt. Die durch Hagelkörner verursachten Verletzungen an den Kartoffelstauden sind Eingangspforten für Pilzerreger. Darum müsste man nach jedem Hagel aufs Feld und Pflanzenschutzmittel gegen Pilze spritzen.

Doch auch das wird wegen der überschwemmten Felder in den nächsten Tagen nicht möglich sein. Bis man wird fahren können, werden die Kartoffelstauden, die nicht vom Hagel zerstört wurden, am Pilzbefall zugrunde gegangen sein. Hagenbuch: «Auf den betroffenen Feldern ist ein Totalausfall der Ernte vorprogrammiert.»

Im Herbst wird das Gemüse knapp werden

Anfang Juli würden die Gemüsebauern jeweils ihr Lagergemüse ansäen: Karotten zum Beispiel. Auch hier verlieren die Bauern Zeit. Frühestens Ende Monat werden sie säen können. Einen Monat zu spät. Hagenbuch: «Das heisst: Der Ertrag wird im Idealfall noch halb so gross sein.»

Die Folge: Im Herbst wird es zu wenig haben. Zu wenig Gemüse, zu wenig Kürbisse, zu wenig Kartoffeln. Und weil das Wetter in ganz Europa verrückt spielt – entweder ist es zu heiss oder wie bei uns zu nass –, werden die Ausfälle auch nicht komplett mit Importen ersetzt werden können. Hagenbuch:

«Die Preise werden steigen. Und gewisse Sachen, unter anderem Karotten, Kartoffeln oder Zwiebeln, werden zum Teil gar nicht verfügbar sein.»

Selbst Bauern, die mehrheitlich auf Tierhaltung setzen, leiden unter dem Wasser, müssen die Tiere doch ernährt werden. Ans Heuen ist im Moment aber nicht zu denken. Auch hier gilt: Andere Länder haben ähnliche Probleme. Irgendwann könnten die Tiere nichts mehr zu fressen haben, befürchtet Hagenbuch. Die Folge: Manche Bauern werden Kühe schlachten müssen, um den Viehbestand zu senken und so den Futterverbrauch zu reduzieren.

Alles in allem sei es für die Bauern ein Jahr zum Vergessen, so Hagenbuch. Wobei nicht alle gleich stark betroffen sind. Manche, die vielleicht nicht gerade verhagelt wurden oder ihre Felder in höheren Lagen haben, könnten noch mit einem blauen Auge davonkommen sein und die finanziellen Schäden bereits im nächsten Jahr vergessen haben, sagt Hagenbuch. Andere werden die finanziellen Ausfälle aber noch über Jahre spüren.

Versicherung deckt nicht alle Kosten

Eine Versicherung für extreme Wetterbedingungen wie Starkregen oder Hagel gibt es zwar. Diese ist aber freiwillig. Nicht alle Bauern haben eine.

Und selbst wer eine hat, bleibt je nach Situation auf Ausfällen sitzen. So deckt die Versicherung zwar einen Grossteil der Ausfälle. Aber verarbeitet ein Bauer zum Beispiel Kartoffeln direkt auf seinem Hof, kauft er sich dafür Maschinen und stellt Mitarbeiter ein. Und diese Kosten hat er nun trotz Ernteausfall, weil er die Ernte nicht verarbeiten kann.

Andere Landwirte haben fixe Lieferverträge mit grösseren Abnehmern. Diese müssen nun eine Lösung finden, wenn die Ernte ausfällt. Für beide Fälle gibt es keine einfache Lösung. Hagenbuch:

«Solche extreme Ausnahmesituationen kann man nicht versichern.»
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