Sind Höhenfeuer sicherer als VoIP-Telefonie?

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Freitag vor einer Woche. In weiten Teilen der Schweiz waren die Notfall-Telefonnummern nicht kontaktierbar – was auch für sogenannte Business-Nummern galt. Letztere hat man in der Nacht auf Samstag weniger vermisst. Angesichts der Wetterlage aber Telefonverbindungen zu Feuerwehr und Polizei. Am Samstagabend teilte die Swisscom dann mit: «Nach Wartungsarbeiten an einer Plattform in einem Rechenzentrum sei ein unvorhergesehenes Fehlverhalten aufgetreten. Was heisst das? Hacker-Angriff? Überforderte IT-Leute oder ein überlastetes Netz? Fordert das Angebot von 300 TV-Sendern via Telefonleitung seinen Tribut?

Bereits 2020 hatte es eine grössere Pannen-Serie – mit Ausfall der Notfallnummern – gegeben. Bundesrätin Simonetta Sommaruga wie auch die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrats hatten «vertiefte Abklärung der Ursachen» versprochen. Wo sind diese geblieben? Netze seien halt «komplex» – lautet die hilflose Antwort.

Blenden wir ins Jahr 2018 zurück. Damals rüstete die Swisscom unsere Telefonanschlüsse auf VoIP (voice over internet protocol) um. Heinz Bhend, Hausarzt in Aarburg, gehörte zu den vielen damals vom Ausfall der Swisscom-Verbindungen betroffenen Medizinern im ganzen Land. «Wir in der Praxis Städtli AG waren zwischen dem 8. und 10. Januar stundenlang nicht erreichbar», sagte Behnd vor mehr als drei Jahren. Er und seine Kolleginnen und Kollegen seien – wie andere KMU-Betriebe – gezwungen worden, auf die neue Telefontechnologie VoIP und auf den Service «Smart Business Connect» umzustellen, womit der Ärger begonnen habe.

VoIP erweist sich nicht nur als störanfälliger als die alten analogen Verbindungen. Fällt der elektrische Strom aus, ist auf dem neuen Telefonnetz keine Verbindung mehr möglich. Nicht so zu Zeiten der guten alten PTT. Das Telefonnetz verfügte über eine eigene Stromversorgung. Die Übertragungskapazität war zwar im Vergleich zu heute gering, aber es wurde für den Fall der Fälle vorgesorgt. Hinter den drei Buchstaben KWT verbarg sich das martialisch anmutende Wort «Kriegswichtiger Teilnehmer». Gemeint waren Leute, die in einer Notsituation jederzeit über einen Telefonanschluss verfügen mussten – Ärzte, Behörden, Blaulichtorganisationen. KWT-geschaltet waren seinerzeit auch Telefonkabinen – eine Einrichtung, die inzwischen ebenfalls dem Fortschritt geopfert wurde.

KWT hat funktioniert, was aktuell ebenso für die im letzten Jahr neu geschaffenen Notfalltreffpunkte in den Aargauer Gemeinden gilt. Diese wurden nach dem Swisscom-Ausfall durch Feuerwehr und Zivilschutz bemannt – und waren der Bevölkerung physische Anlaufstellen für deren Notfallkommunikation. Das hat funktioniert, was aber auch für die Signal- oder Höhenfeuer des späten Mittelalters gilt, welche wir zur Erinnerung an eine Zeit lange vor der Telefonie am 1. August wieder entfachen.

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