Lukas Aecherli, Co-Geschäftsführer der Renteninitiative: «Meine Motivation ist meine persönliche Absicherung im Alter»

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Jungfreisinnige aus der Innerschweiz beim Bundeshaus: (v. l.) Nico Fankhauser (Nidwalden), Tim Wolf (Obwalden) sowie die Luzerner Kim Rast, Anna-Sophia Spieler, Lukas Aecherli und Swen Gaberthüel. Bild: zvg

Am Freitag um 14 Uhr war es so weit: Die Jungfreisinnigen Schweiz reichten ihre Renteninitiative bei der Bundeskanzlei in Bern ein. «Aufstand der Jungen: 145 000 Unterschriften für sichere Renten!», betitelte die Jungpartei kämpferisch ihre Medienmitteilung.

Die Renteninitiative hat zum Ziel, die AHV strukturell zu sanieren. In einem ersten Schritt würde das Rentenalter für beide Geschlechter bis 2032 auf 66 Jahre erhöht. Anschliessend würde das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt. Der Reider Lukas Aecherli war Co-Geschäftsführer der Renteninitiative.

Lukas Aecherli, was ist Ihre persönliche Motivation, sich für die Renteninitiative einzusetzen?

Lukas Aecherli: Meine Motivation ist meine persönliche Absicherung im Alter. Unternehmen wir jetzt nichts, wird sich bis 2045 ein Schuldenberg von 200 Milliarden Franken anhäufen; das entspricht den Kosten von 16 Gotthard-Basistunneln. Für mich heisst das: Ich werde mein Leben lang in die AHV einzahlen, jedoch nie etwas erhalten. Das ist unfair und nicht im Sinne des Generationenvertrages.

Eine weitere Reform der AHV befindet sich in einer Sackgasse wegen unterschiedlicher Vorstellungen der Parteien und Interessengruppen. Ist die Renteninitiative Ihrer Meinung nach die Lösung?

Die aktuelle AHV 21-Reform ist eine Scheinreform: Sie sichert die AHV-Renten mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer bis ins Jahr 2030, bietet aber auf das Hauptproblem keine Lösung. Dieses liegt darin, dass wir immer länger leben, jedoch noch gleich lange arbeiten wie im Jahr 1948, als die AHV eingeführt wurde. Hier setzt die Renteninitiative an: Wir wollen das Rentenalter der Realität anpassen und damit das strukturelle Problem lösen.

Die Initiative sieht eine Erhöhung des Rentenalters auf maximal 66 Jahre vor, gekoppelt an die Lebenserwartung. Wie soll das funktionieren?

Wer länger lebt, soll länger arbeiten. Nur so lässt sich der Ruhestand nachhaltig finanzieren. Der Mechanismus ist ganz einfach: Steigt die Lebenserwartung (Daten des Bundesamtes für Statistik), erhöht sich das Rentenalter automatisch um den Faktor 0,8. Weshalb der Faktor 0,8? Bereits heute verbringen wir etwas 80 Prozent unseres Lebens in der Kindheit und im Erwerbsalter und etwa 20 Prozent in Rente. Der Faktor 0,8 garantiert, dass wir auch künftig mindestens 20 Prozent unseres Lebens im Ruhestand verbringen können.

Das tönt ziemlich abstrakt und schwierig zu verstehen. Wie wollen die Jungfreisinnige das erklären und das Volk zu einem Ja bewegen?

Diese Frage attestiert der Stimmbevölkerung ein fehlendes Verständnis in komplexen Fragen. Das finde ich falsch! Ich bin der Meinung, dass sich die Stimmbevölkerung – gerade in solch wichtigen Dossiers – sehr genau mit einer Abstimmungsvorlage auseinandersetzt, die Mechanismen versteht, sich ein Urteil bildet und entsprechend abstimmt. Die Renteninitiative ist sicherlich nicht so sexy wie gewisse Vorlagen, welche bestimmte Gruppen anprangern oder die Gratismentalität befeuern. Deshalb muss es uns gelingen, das strukturelle Problem – dass wir länger leben, jedoch noch gleich lange arbeiten wie 1948 – verständlich zu erklären und anschaulich aufzuzeigen, weshalb Steuererhöhungen oder andere Finanzierungsquellen – Stichwort Gelder der Schweizerischen Nationalbank für die AHV – keine nachhaltigen Lösungen darstellen.

Mit der 10. AHV-Revision stimmte die Schweiz einer Vorlage zu, welche eine grössere Flexibilisierung des Rentenalters ermöglichte, gleichzeitig aber auch das Rentenalter der Frauen schrittweise von 62 auf 64 Jahre anhob. Die 11. AHV-Revision, welche die Erhöhung des Rentenalters für Frauen auf 65 Jahre vorsah, wurde 2004 verworfen. Ist eine weitere Erhöhung des Rentenalters für Frauen nicht politisch chancenlos?

Das wird sich in den nächsten Jahren zeigen. In umwelt- und klimapolitischen Fragen sprechen wir immer von Nachhaltigkeit. In sozialpolitischen Fragen klammern wir dieses Stichwort aus. Das ist falsch! Auch in der Sozialpolitik müssen wir nachhaltige Lösungen anstreben. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist nicht nachhaltig; steigt die Lebenserwartung, müssen wir die Steuer weiter erhöhen. Nachhaltig ist nur, das Rentenalter der Realität anzupassen. Viele westeuropäische Länder haben ein deutlich höheres Rentenalter und dieses teilweise bereits an die Lebenserwartung gekoppelt. In Holland, Dänemark oder Italien wird es bis 2050 auf über 70 Jahre steigen. Mit unserer Lösung werden wir 2050 nur bei etwa 67 Jahren und 7 Monaten sein.

Viele ältere Arbeitnehmer haben Mühe, eine Stelle zu finden oder sie zu behalten bis zur Pensionierung und ihr wollt jetzt das Rentenalter noch weiter raufschrauben. Nützt diese Regelung nicht vor allem finanziell gut gestellten Bürgern, welche die Pension beliebig hinausschieben können?

Das ist eine berechtigte Feststellung. Aber die Statistik des Bundes zeigt, dass nicht per se die Arbeitslosigkeit älterer ArbeitnehmerInnen, sondern die Langzeitarbeitslosigkeit im Alter ein Problem ist. Dieses lösen wir aber nicht, indem wir ein anderes Problem hinausschieben. Wir müssen vielmehr holistisch denken und gute Rahmenbedingungen für lebenslanges Lernen, Umschulungen etc. schaffen und so die Attraktivität älterer ArbeitnehmerInnen stärken.

Der Reider Lukas Aecherli (25) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert und im Juni abgeschlossen. Er ist zudem persönlicher Mitarbeiter des Zürcher FDP-Nationalrats Andri Silberschmidt. Nach den Sommerferien will Aecherli mit Kollegen eine Firma für politisches Campaigning gründen.

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