Das Zofinger Projekt MittellandArena ist auf Eis gelegt

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In der multifunktionalen Halle sollten Sportanlässe genauso möglich sein wie kulturelle und wirtschaftliche Anlässe. Bild: zvg
Die Halle eignete sich auch fürs Dressurreiten, wie diese Visualisierung zeigt. Bild: zvg
Sportanlässe mit Tribüne wären möglich. Bild: zvg
Die MittellandArena ist multifunktionell. Bild: zvg
Eine Messe ist darin genauso möglich wie...
...eine grosse Generalversammlung.
Visualisierung Sportanlass. Bild: zvg
Visualisierung Generalversammlung. Bild: zvg
Visualisierung Messe. Bild: zvg
Visualisierung mit Ansicht von aussen. Bild: zvg
Visualisierung mit Ansicht von aussen. Bild: zvg
Die MittellandArena sollte hinter dem BZZ zu stehen kommen.

Was nie zu einem Papiertiger verkommen sollte, ist nun einer geworden. Das Projekt MittellandArena in Zofingen ist auf Eis gelegt. Dabei träumten die Initianten von einer Eröffnung der Arena zu Beginn des Jahres 2020. Doch dass hinter dem Areal des Bildungszentrums Zofingen (BZZ) eine multifunktionale Arena gebaut wird, scheint derzeit in weite Ferne gerückt. Dabei ergaben im Jahr 2013 umfangreiche Abklärungen, dass eine Sport- und Event-Arena in Zofingen einem grossen Bedürfnis der regionalen Wirtschaft entspricht und ein Leuchtturm-Projekt für die ganze Region sein könnte. In der Folge wurde beim Institut für Tourismus der Hochschule Luzern eine umfassende Studie in Auftrag gegeben. Das Papier zeigte auf, dass eine solche Arena in Zofingen eine gute Chance hat, realisiert und auch genutzt zu werden. Ein renommiertes Architekturbüro erarbeitete daraufhin eine Projektstudie. Der Stadtrat Zofingen hatte der in der Zwischenzeit gegründeten MittellandArena AG das Gebiet hinter dem Berufsbildungszentrum BZZ und der Landi für eine konkretere Planung zugewiesen.

Die Zusage von Ankermieternist entscheidend

2017 ​sagte Robert F. Hochuli, Präsident des Verwaltungsrats, gegenüber dem Zofinger Tagblatt noch: «Wir sind mit verschiedenen Sportverbänden in Verhandlungen.» Sobald man Zusagen von sogenannten Ankermietern habe, werde das Projekt weiter vorangetrieben. «Diese sind entscheidend», sagte Hochuli weiter, «denn mit Einzelveranstaltungen alleine kann so eine Multifunktionshalle nicht betrieben werden.» Berechnungen ergaben, dass die Halle an rund 180 Tagen pro Jahr vermietet werden müsste, damit befriedigende Zahlen geschrieben werden können. Geplant war, dass die Halle durch die Sparten Kultur, Wirtschaft und Sport bespielt wird. Am meisten Bedeutung wurde dem Sport zugeschrieben. Es sei wegweisend, welche Sportart sich über längere Zeit in der MittellandArena einmietet, sagte Hochuli. Zudem wollten die Verantwortlichen einen Verbandssitz nach Zofingen holen. Doch weder mit den Handballern des TV Zofingen noch mit dem Schweizerischen Handball-Verband (SHV) – er hatte den Sitz der Geschäftsstelle eben erst nach Olten verlegt – ergab sich eine Lösung.

Obwohl wenig an die Öffentlichkeit drang, war die Arbeitsgruppe in den vergangenen vier Jahren noch aktiv. Sie war in den drei Tätigkeitsfeldern Sport, Kultur und Wirtschaft breitgefächert aktiv und führte zahlreiche Gespräche mit möglichen Ankernutzern, Betreibergesellschaften sowie Sportverbänden. «Sie stand in Kontakt mit den Standortverantwortlichen beim Bildungszentrum Zofingen und mit den kommunalen und kantonalen Behörden», sagt Verwaltungsratspräsident Robert F. Hochuli. «Sie hat aber auch Mantel- und Zusatznutzungen ausgelotet sowie Projektanpassungen und weitere Standorte in der Region geprüft.» Bestehende sowie projektierte Hallen im In- und Ausland seien begutachtet und der Kontakt zu möglichen Geldgebern gepflegt worden. «Praktisch rundum wurde das Projekt und der Standort der MittellandArena für gut befunden, aber aus keinem Bereich sind verbindliche Zusagen entstanden», so Hochuli. «Die Arbeitsgruppe musste ernüchtert feststellen, dass zwar vielerorts sportliche, wirtschaftliche und kulturelle Wünsche vorhanden sind, aber keine echten Bedürfnisse und/oder keine finanziellen Möglichkeiten bestehen.» Nicht einmal das in der Planung integrierte, gemeinsame Parkhaus BZZ–Badi–MittellandArena–Trinermatten – der vierte Pfeiler des Projekts – habe genügend Rückenwind erfahren. Obwohl es den Parkplatzmangel in diesem Gebiet für alle Beteiligten beseitigt hätte, so Hochuli.

Corona-Pandemie verändert Investitionsüberlegungen

Das Problem: Für etliche Interessierte müsste die MittellandArena zuerst stehen, bevor sie sich eine konkrete Nutzung überlegen. «Eine klassische Huhn-Ei-Problematik», so der Verwaltungsratspräsident. Hinzu kommt, dass die finanziellen Möglichkeiten vieler möglicher Nutzer grundsätzlich beschränkt sind oder es durch die Pandemie geworden sind. «Corona selbst hat langfristige Investitionsüberlegungen grundlegend verändert», stellt Hochuli fest. Die Live-Branche sei weltweit angeschlagen; mögliche Betreiber und Nutzer sehen sich auf die nächste Zeit hinaus mit ganz anderen, grundlegenden Herausforderungen konfrontiert. Ins Auge gefasste Grossveranstaltungen würden verkleinert, hybrid oder komplett virtuell durchgeführt.

«In unserem Einzugsgebiet sind mit der Pilatus Arena und dem Neubau des Turnzentrums in Lenzburg andere grosse Hallen zudem deutlich weiter in der Planung», ergänzt Robert F. Hochuli. Der Baukörper der MittellandArena selbst wurde planerisch in letzter Zeit kaum weiterbearbeitet, «hängt doch die konkrete Ausgestaltung stark von den primären Nutzern ab». Es gebe derzeit also nichts Greifbares, «das die Lasten einer Grossinvestition MittellandArena rechtfertigen und tragen würde». Die Redimensionierungsgedanken entsprechen zudem nicht der ursprünglichen Idee der Arbeitsgruppe, einen Leuchtturm für die Region zu realisieren, der nicht nur inhaltlich attraktiv ist, sondern für die Region auch Mehrwerte in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht schaffen würde. «Für Interessenten stehen unsere Türen natürlich nach wie vor offen», sagt Hochuli, «aber auf aktive Suche gehen wir aktuell nicht mehr.»

Eine Eventhalle für Sport, Kultur und Wirtschaft

Die MittellandArena wurde als Eventhalle mittlerer Grösse konzipiert. Sie ist modular aufgebaut und multifunktional nutzbar. Ob Sport, Kultur oder Wirtschaft: Sie sollte für mehrere Bereiche nutzbar sein. Die Pläne gehen von einer Grundfläche von rund 3333 m² aus. Dazu kommen angrenzende Räumlichkeiten wie das Eingangsfoyer (EG), Tagungsräume (1. OG darüber) oder Infrastrukturräume. Der Platzbedarf der Halle liegt mit Umschwung bei 9000 m². Mit einem dazugehörigen Parkhaus für 1000 Fahrzeuge wären es total 18 500 m². Je nach Nutzungsart fasst sie von 2000 Bankettplätzen bis zu 7000 Fans eines Rockkonzerts. Für eine Sportveranstaltung stünden 2500 Tribünenplätze zur Verfügung. Die Halle sollte im Baurecht für 18 Mio. Franken realisiert werden. Zu je einem Drittel sollte die Halle von Privaten, mit Lotterie-Geldern oder Fremdkapital finanziert werden. Die jährlichen Betriebskosten wurden bei 120 Belegungstagen ohne Trainings auf 1,25 Mio. Franken geschätzt. (jam)

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