Dem Virus den Motor blockieren anstatt den Schlüssel wegzunehmen

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Man kann sich das RTC eines Virus wie den Wechsel beim Fahrrad vorstellen: Ein schneller «Umbau», um eine andere Aufgabe auszuführen. Greg Hura/Berkeley Lab

Vor 45 Jahren publizierte der britische Biologe Richard Dawkins sein Buch «Das egoistische Gen». Es gab zu reden, weil es eine neue Begründung lieferte für altruistisches Verhalten (im Tierreich). Beim Menschen hält man es für edel und moralisch bedeutsam, wenn Individuen nicht egoistisch, sondern im Interesse von Artgenossen handeln. Warum tun Tiere dies?

Die Antwort lieferte seine Einsicht, dass nicht Arten (oder allenfalls Exemplare) Subjekte der Evolution sind, die um ihr Überleben konkurrieren, sondern dass es ihre Gene sind.

Der Genbegriff ist mittlerweile zwar auch nicht mehr so klar wie damals, als man Gene oft als Ur­sache von Merkmalen dachte. Aber geblieben ist, dass das Kopieren des Codes, der DNA, das Urprinzip des Lebens ist. Organismen sind demzufolge nichts anderes als die «Überlebens­maschinen» ihrer Gene. Nirgends trifft das besser zu als für Viren. Ihr einziges Ziel ist es, Kopien ihrer selbst herzustellen. Leider auf unsere Kosten.

Nicht Türen verrammeln, sondern das Herz angreifen

Der erste Abwehrreflex gegen eine Vireninfektion ist, das Eindringen des Virus in die Körperzelle zu verhindern. Das tut auch unser Immunsystem, deshalb versucht man, es mit Impfungen zu unterstützen. Wie wäre es aber, wenn man versuchen würde, den Replikationsvorgang in der Zelle zu verhindern? Man liest oft: «Das ­Virus bemächtigt sich des Zellapparats und zwingt ihn dazu, Virus­kopien herzustellen.» Das ist nicht falsch, aber die Sache ist kompliziert.

Die Maschine, welche für die Replikation der Viren-RNA und ihre Übersetzung in Proteine zuständig ist, besteht ihrerseits aus Proteinen und heisst «RNA transcription complex» (RTC). Das RTC muss komplexe Aufgaben erfüllen können: Unter anderem virale von Wirts-RNA unterscheiden, die richtigen RNA-Abschnitte in mRNA umschreiben, damit die Proteine für neue Viruspartikel produziert werden können, und dies alles in einem strukturierten Prozess durchführen.

Das RTC zu studieren, ist deshalb eine anspruchsvolle Aufgabe, weil es eine Maschine in Funktion ist. Aber es besteht aus sogenannten «nichtstrukturellen oder akzessorischen Proteinen» (NSPs). Hier sieht die Forschung einen Angriffspunkt für Medikamente. Denn die RNA-Abschnitte für bestimmte NSPs sollten nicht mutieren und sind auch in anderen Viren vorhanden. Man richtet nun eine Vielzahl von bildgebenden Verfahren dorthin, um aus der Kombination der dabei entstehenden Daten allenfalls etwas zu finden, das die Maschine blockiert.

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