Wegen Keimen in Speicheltests: zwei Wochen keine Massentests im Aargau

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In den letzten zwei Wochen gab es keine Massentests im Aargau. Nun soll der Zugang aber einfacher werden. Alexandra Wey / Keystone

200'000 Personen sollten im Aargau bis Ende Juni an den wöchentlichen Corona-Massentests in Firmen, Schulen und Pflegeheimen teilnehmen. So lautete das Ziel des Kantons. Vor den Sommerferien wurden rund 21'000 repetitive Tests durchgeführt - das waren nur rund 10 Prozent der angestrebten Zahl, aber immer noch deutlich mehr als in den letzten zwei Wochen: Da fanden im Aargau gar keine Massentests statt.

Rund 42'000 Tests in Firmen und Pflegeheimen fielen aus. Und mindestens ebenso viele Testkits dürften es sein, die im Abfallkübel gelandet sind. Grund dafür ist, dass alle Spucktestkits der Herstellerfirma Disposan wegen teils zu hoher Keimlast in der Kochsalzlösung zurückgerufen wurden.

In der Kochsalzlösung können sich Keime vermehren

In einer Qualitätskontrolle stellte die Firma fest: Wenn die Kochsalzlösung, mit der man sich für den PCR-Speicheltest den Mund spült, zu lange oder bei zu warmen Temperaturen gelagert wird, können sich Keime darin vermehren.

Andreas Obrecht, Leiter des Aargauer Covid-19-Programms.

Andreas Obrecht, Leiter des Aargauer Covid-19-Programms.

Britta Gut

Zwar wurden keine gesundheitsschädigenden Keime gefunden, dennoch liessen die Verantwortlichen der Aargauer Testkampagne als Vorsichtsmassnahme alle betroffenen Kits auswechseln. Dies sind Kits, bei denen sich die Kochsalzlösung direkt im Proberöhrchen befindet. Ersetzt werden sie durch neue Testkits, bei denen die Lösung in einer separat verschweissten, sterilen Ampulle mitgeliefert wird.

Andreas Obrecht, Leiter des Aargauer Covid-19-Programms, sagt: «Wir wollten sichergehen, dass die Kits keine Verunreinigungen haben.» Deshalb seien die repetitiven Tests während der letzten zwei Wochen ausgefallen. Nun sei der Austausch aber abgeschlossen und die Tests könnten wieder normal stattfinden. Weil der Fehler bei der Produktionsfirma liegt, muss der Kanton für die neuen Kits nichts bezahlen.

So funktioniert ein PCR-Speicheltest

Bei sogenannten repetitiven Tests oder Massentests werden PCR-Speicheltests eingesetzt. Den Test kann man mit einem Testkit selbst durchführen. Das Kit besteht aus einer Ampulle mit Kochsalzlösung, einem Trichter und einem Proberöhrchen. Mit der Salzlösung 60 Sekunden den Mund spülen, per Trichter ins Proberöhrchen spucken, verschliessen und 5-10 Sekunden sanft schütteln: fertig ist der Speicheltest. 

Speziell dabei ist, dass nicht jedes Röhrchen einzeln analysiert wird, sondern dass die Proben «gepoolt» werden. Das bedeutet, dass mehrere Speicheltests zusammengemischt und dann analysiert werden. Wenn der Pool-Coronatest positiv ist, muss man also zuerst noch herausfinden, welche Probe(n) und Person(en) für das positive Resultat verantwortlich sind.

410 Aargauer Betriebe testen regelmässig - nun sollen es mehr werden

Nach dem zweiwöchigen Unterbruch will der Kanton die Massentests weiter vorantreiben - und mehr Betriebe und Menschen zum Mitmachen motivieren. Die Massentests, an denen bisher 410 Betrieb teilnehmen, sollen einfacher und attraktiver werden.

Bisher mussten Firmen, Schulen und Pflegeheime die Speicheltests selbst poolen, also vor dem Einschicken zusammenmischen. Das ist nun nicht mehr nötig: Künftig sollen die Speicheltests einzeln gesammelt und erst zentral in den Analyselaboren gepoolt werden, wie das kantonale Gesundheitsdepartement am Montag mitteilte.

Mehr Effizienz und weniger Hürden für Massentests

Laut Andreas Obrecht hat das zwei grosse Vorteile. Zum einen entfällt das komplizierte Prozedere, dass nach einem positiven Pool-Test alle Einzelpersonen nochmals zum Test antraben müssen. Denn: Im Labor wird nur das halbe Röhrchen gepoolt - der Rest wird zurückbehalten. Im Falle eines positiven Pool-Tests kann damit schnell bestimmt werden, welche Proben positiv sind.

Zum anderen könnten so vor allem kleine Firmen ebenfalls bei den repetitiven Tests teilnehmen. «Bisher war das nur für Firmen möglich, wo mindestens fünf Personen mitmachten», erklärt der Leiter des Aargauer Covid-19-Programmes. Denn für einen Pool braucht es mindestens fünf Proben. Das habe den Massentest für Firmen mit wenigen Mitarbeitenden oft unmöglich gemacht, so Obrecht.

Neu können also auch Einzelpersonen den Speicheltest machen und diesen anschliessend in einer der 54 kantonalen Sammelstellen abgeben.

Kanton prüft erneute Maskenpflicht und Tests für alle in den Schulen

Auch bei den Aargauer Schulen ist die Massentest-Frage hochaktuell. 143 Schulen - also rund 70 Prozent - machen bei den repetitiven Tests bereits mit. Das bedeutet, dass sich die Schülerinnen und Schüler freiwillig wöchentlich testen lassen können - vor den Sommerferien machten rund 15'000 von diesem Angebot Gebrauch.

Doch reicht das? In zwei Wochen, am 9. August, kehren die Aargauer Schülerinnen und Schüler ins Klassenzimmer zurück. Möglicherweise aus den Ferien in Italien, Spanien, der Türkei - Länder, wo die Corona-Fallzahlen steigen. Die Frage drängt sich auf: Wie viele bringen das Virus aus den Ferien zurück in die Schule?

Impfkampagne startet auch an den Schulen

Diese Frage, welche das Aargauer Gesundheitsdepartement beschäftigt. Massnahmen wie eine erneute Maskenpflicht, zumindest in den ersten zwei Wochen nach den Ferien, oder ein Test für alle stehen im Raum. Obrecht bestätigt: «Solche Massnahmen werden diskutiert.» Mehr könne er dazu nicht sagen - es sei noch nichts spruchreif.

Ein weiteres Instrument zur Pandemiekontrolle wird die Impfkampagne in den Schulen sein. «Zügig nach den Sommerferien» solle diese vorangetrieben werden, erklärt Obrecht. In welcher Form der Impfungen an den Schulen stattfinden werden - ob vor Ort oder mittels Transfer in die Impfzentren - ist aber noch nicht bekannt.

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