Jassen mit Roger Federer am Geburtsort der Olympischen Spiele

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Für Maya Wamister ging mit der «Teilnahme» an den Olympischen Sommerspielen in Athen ein Traum in Erfüllung. (Bild: zvg)

Im August 2004 kehrten die Olympischen Spiele nach Athen an ihren Ursprung zurück. 108 Jahre nach den ersten Spielen der Neuzeit richtete Griechenlands Hauptstadt wieder Olympische Sommerspiele aus. «Athen ist die Grundstätte der olympischen Bewegung», verdeutlicht Maya Wamister den historischen Umstand der Spiele. Für die heute 64-jährige Küngoldingerin stellt der Anlass ebenfalls einen besonderen Eckpunkt in ihrem Leben dar: Die mittlerweile pensionierte Sporttherapeutin/Masseurin kümmerte sich als Mitglied der Schweizer Olympia-Delegation vor Ort um die Belange aller Radsportlerinnen und -sportler des Landes und durfte so die Sommerspiele hautnah miterleben. Damit ging für Wamister ein Wunsch in Erfüllung: «Als Kind habe ich gerudert und mich mit dem Sport immer verbunden gefühlt. Die Olympischen Spiele haben mich schon damals unglaublich fasziniert und ich konnte es mir nie erträumen, einmal als Masseurin dabei zu sein», sagt sie.

Mit Roger Federer an die imposante Eröffnungsfeier

Noch heute kriegt Maya Wamister Gänsehaut, wenn sie von ihren Erinnerungen erzählt. Beeindruckt zeigte sie sich von den riesigen Esshallen und der Organisation, die hinter der Verpflegung steckt. «Dort trafen sich Krethi und Plethi und man konnte Tag und Nacht essen», erzählt Wamister, die für die Dauer der Spiele im Olympischen Dorf wohnte. Einmalig sei der Einmarsch ins Athener Olympiastadion bei der Eröffnungsfeier gewesen – und das erst noch in illustrer Gesellschaft. «Wir mussten stundenlang warten. Roger Federer sass direkt hinter mir, wir schossen ein paar Fotos und hatten es lustig», sagt Wamister über ihre Begegnung mit dem Tennisstar, der die Schweizer Flagge tragen durfte. Im Stadion war sie dann überwältigt von der Show: «Das war Spektakel pur.»

Bereits eine Woche vor dem emotionsgeladenen Start reiste Maya Wamister nach Athen, um die Behandlungszimmer einzurichten und mit den Ärzten die Abläufe zu besprechen. Für die einzige Physiotherapeutin von 17 Radfahrerinnen und -fahrern – zwei Bahn- und neun Strassenprofis sowie sechs Mountain­bikecracks – war eine gute Vorbereitung für die zwei Wettkampfwochen Gold wert. «Wir mussten unsere Einsätze im Training und während der Rennen koordinieren. Das ist ein enormer Aufwand», sagt Wamister. Zu ihrer gewohnten Tätigkeit kamen total zwei Einsatztage in der allgemeinen Praxis hinzu, wo sie Bagatellfälle wie Bienenstiche oder Magen-­Darm-Erkrankungen behandeln musste. «Ich war alleine und der Arzt nur in Notfällen erreichbar. An diesen Tagen sass ich wie auf Nadeln, weil für mich alles neu war», erinnert sich Wamister. Rückblickend betrachtet sie diesen Dienst als lehrreiche Erfahrung. «Von der Sicherheit, die ich dadurch erhielt, konnte ich später in meinem beruflichen Alltag profitieren», sagt Wamister, die bis zu ihrer Pensionierung im letzten Jahr für das BMC Mountainbike Racing Team arbeitete. Von 1997 bis 2006 reiste die Aargauerin als Physiotherapeutin mit den Schweizer Equipen «Post Swiss Team» und «Phonak Racing Team» um die Welt und massierte an mehreren Rad-Weltmeisterschaften die Beine der Schweizer Athleten. Ihren Anfang nahm Wamisters Karriere 1991 am «Zofinger Run&Bike»: Jeff Devlin, ein Spitzentriathlet aus den USA, übernachtete bei Wamister und brachte seinen Masseur Doug Thralls mit. «Er war eine Koryphäe und meinte, ich habe magische Hände und sollte dieses Handwerk erlernen», sagt Wamister, die das Lob zuerst mit einem Lachen abtat. «Doug blieb aber hartnäckig und liess den Tisch bei seiner Abreise bei mir stehen. Da wusste ich, jetzt muss ich etwas unternehmen.»

Ausgelassene Silber-Feier im Dorf mit Marvulli/Risi

Zurück zu Olympia: Die Konsequenzen des stressigen Aufenthalts lagen für Maya Wamister auf der Hand. Nur gerade eineinhalb Tage Freizeit konnte sie in den vier Wochen in Griechenland geniessen. Entsprechend selten bot sich die Gelegenheit, bei anderen Sportarten reinzuschauen. «Zu mehr als dem Besuch eines Beachvolleyballspiels reichte es nicht», sagt Wamister, die sich jeweils mit einer frühmorgendlichen Joggingrunde zusammen mit dem Medizinstab auf die intensiven Tage vorbereitete. Als «Entschädigung» kam es im Schweizer Medicalcenter zu interessanten Begegnungen: Tennisspielerin Patty Schnider und Marathonläufer Viktor Röthlin liessen sich von Wamister ihre Muskeln ebenso durchkneten wie der legendäre äthiopische Langstreckenläufer und Doppel-Olympiasieger Haile Gebrselassie. «Er meinte, er sei wegen seiner zahlreichen Therapie-Besuche in Nottwil ohnehin ein halber Schweizer», erzählt Wamister und lacht.

Generell erlebte sie den Umgang mit den Sportlerinnen und Sportlern als unkompliziert. Im Vorfeld der Olympischen Spiele sei die Anspannung bei den meisten grösser gewesen. «Im Olympischen Dorf waren sie unter sich und traten sehr locker auf. Die Nervosität tauchte erst kurz vor dem Wettkampf wieder auf», sagt Wamister und erzählt von Jassrunden im Medical-­Team-Gebäude, an denen sich auch Roger Federer öfters beteiligte. Nur auf jene Sportler, die zum ersten Mal bei Olympischen Spielen teilnahmen, habe man am Massagetisch mehr Rücksicht nehmen müssen. «Du spürst, ob jemand reden will oder nicht. Das gilt es zu akzeptieren», sagt Wamister.

Für ihren absoluten Höhepunkt sorgten Franco Marvulli und Bruno Risi. Das Duo gewann im Madison die Silbermedaille, was gebührend gefeiert wurde. «Im Schweizer Haus gaben Steve Lee und Leo Leoni von Gotthard ein kleines Konzert, danach gingen Marvulli, Risi, ich und ein Mechaniker auf die Gasse», sagt Maya Wamister. An diesem Abend habe sie Marvulli immer wieder in die Höhe gehoben und gerufen: «Das ist so geil.» Die Freude war umso grösser, weil Risi zwei Tage zuvor im Training auf der Bahn stürzte. «Gemeinsam mit Teamarzt Beat Villiger entfernte ich mit einer Pinzette mehrere Holzsplitter aus seinem Rücken und Po. Mit einer Medaille hat danach niemand gerechnet», sagt Wamister.

Der traurige Anblick bringt sie zum Nachdenken

Ein Jahr nach den Olympischen Spielen kehrte Maya Wamister nach Athen zurück und erschrak beim Anblick der heruntergekommenen Bauten. «Es hiess, das Olympische Dorf werde für arme Leute gebaut, aber es befand sich in einem verlotterten Zustand. Die Leute fluchten über die Spiele und meinten, diese hätten ihr Leben kaputt gemacht», sagt Wamister, «das hat mir weh getan.» Durch den traurigen Anblick bröckelte auch ihre Einstellung zu den Olympischen Spielen. «Sie sind zu kommerziell geworden. Die Spiele müssen zurück zu den Wurzeln, aber solange das Geld im Vordergrund steht, wird sich daran nichts ändern», ist Wamister überzeugt.

Mitunter wegen den Bildern aus Athen blieben die Olympischen Spiele 2004 die einzigen in ihrem Palmarès. 2008 hätte sie in gleicher Funktion nach Peking reisen können, verzichtete aber. «Mein Vater war gesundheitlich angeschlagen, und nachdem ich gesehen habe, was in Griechenland nach den Spielen passiert ist, wollte ich das in China, wo die Korruption noch stärker verbreitet ist, kein zweites Mal mitmachen», sagt Maya Wamister. Heute bereue sie ihren Entscheid auf eine Art, «aber es ist so, wie es ist. Beruflich habe ich das, was ich wollte, erreicht.»

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