Alex Wilson verpasst Olympische Spiele wegen Dopings – Schuld soll verunreinigtes Rindfleisch sein

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Alex Wilson startet nicht bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Nächster Dopingfall in der Schweizer Leichtathletik. Alex Wilson wurde bereits am 15. März ausserhalb eines Wettkampfs positiv auf die Substanz Epitrenbolon (ein Metabolit von Trenbolon) getestet und war Mitte April provisorisch gesperrt worden. Bei der Substanz handelt es sich um eine sogenannte nicht-spezifische Substanz, die unabhängig von der nachgewiesenen Menge verboten ist und eine Sperre nach sich zieht.

Wilson war damals am Vortag zur Geburt seines dritten Kindes von einem Trainingslager in den USA in die Schweiz zurückgekehrt.

Schuld soll der Verzehr von Rindfleisch sein

Den positiven Befund konnte sich Wilson nicht erklären. Alex Wilson ging seinen Trainingsplan und sein Esstagebuch durch. Es wurde schnell klar, dass er sowohl 72 Stunden als auch 48 Stunden vor der Urinprobe eine grosse Menge Rindfleisch in einem Restaurant in Las Vegas konsumiert hatte. Wilson glaubt, die verbotene Substanz sei über den Verzehr von verunreinigtem Fleisch in den Körper gelangt. Denn Trenbolon sei ein Mittel, das in den USA verbreitet in der Rindermast eingesetzt werde.

Wilson lässt sich in einer ersten Mitteilung folgendermassen zitieren:

«Für mich ist das die einzig schlüssige Erklärung für den positiven Befund, zumal mir nur Kleinstmengen von Trenbolon nachgewiesen wurden.»

Sein Fall weise Parallelen zu dem des amerikanischen Weitspringers Jarrion Lawson auf. Dieser war im Sommer 2018 ebenfalls positiv auf Trenbolon getestet worden, nachdem er wenige Stunden vor der Probe kontaminiertes Rindfleisch zu sich genommen hatte. Er wurde nach 19 Monaten vom internationalen Sportgerichtshof CAS freigesprochen.

Alex Wilson bestreitet, bewusst zu Doping gegriffen zu haben.

Alex Wilson bestreitet, bewusst zu Doping gegriffen zu haben.

Benjamin Soland/Freshfocus / Blick

Wilson legte bei Antidoping Schweiz Einsprache ein. Parallel wurde ein unabhängiges, spezialisiertes Institut in Strassburg damit beauftragt, eine Haarprobe von Wilsons Bart zu analysieren. Das Resultat untermauere die Vermutung, dass die verbotene Substanz höchstwahrscheinlich über die Nahrungsaufnahme in den Körper des Sprinters gelangt sein müsse. Swiss Olympic hob daraufhin die Sperre wieder auf und nominierte Wilson für die Olympischen Spiele in Tokio. Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics und die Weltdoping-Agentur WADA haben gegen diesen Entscheid Beschwerde eingelegt, woraufhin die Ad hoc Division des CAS Alex Wilson erneut eine provisorische Sperre auferlegt hat. Wilson sagt:

«Ich bin überrascht und am Boden zerstört. Ich habe stichhaltige, wissenschaftlich fundierte und von Experten bestätigte Argumente. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als weiterzukämpfen. Es ist mir ein Anliegen, meine Unschuld zu beweisen.»

Kein Zusammenhang mit vermeintlichem Europarekord

Die Sperre steht nicht im Zusammenhang mit dem im Juli in Atlanta gelaufenen Europarekord Wilsons über 100 Meter, der keine Anerkennung fand. Die Rekordzeit von 9,84 Sekunden war nachträglich aus den Bestenlisten gestrichen worden, nachdem Unregelmässigkeiten bei der Zeitmessung und das Fehlen eines Start-Informations-Systems festgestellt worden waren. Wilson sagt: «Ich bin erleichtert, dass mittlerweile klar ist, wo der Fehler beim Rennen in Atlanta lag. Auch wenn es mein Ziel ist, eines Tages eine Zeit von unter 10,00 Sekunden zu laufen. Das Zielfilmfoto hat mich dazu verführt, meinem persönlichen Instinkt zu misstrauen.»

Alex Wilson ist bereits der zweite Schweizer Leichtathlet, der wegen eines positiven Dopingtests die Olympischen Spiele in Tokio verzichtet. Am Tag der Eröffnungsfeier war publik geworden, dass 400-Meter-Hürdenläufer Kariem Hussein in einer Dopingkontrolle hängen geblieben war. Der Thurgauer akzeptiert seine neunmonatige Sperre.

Getestet, gesperrt, aufgehoben und wieder gesperrt: Die Chronologie des Verfahrens

15. März: Dopingprobe durch Antidoping Schweiz
08. April: Positiver Test auf Epitrenbolon
17. April: Mitteilung Analyseergebnis durch Labor an Antidoping Schweiz
28. April: Provisorische Sperre durch Antidoping Schweiz
18. Mai: Aussetzung der provisorischen Sperre durch die Disziplinarkammer
02. Juli: Definitive Aufhebung der provisorischen Sperre durch die Disziplinarkammer
05. Juli: Olympiaselektion von Alex Wilson durch Swiss Olympic
16. Juli: Antrag Antidoping Schweiz an die Disziplinarkammer auf Eröffnung eines ordentlichen Verfahrens
22. Juli: Rekurs von World Athletics an die ad hoc Kammer des CAS in Tokio gegen die Aufhebung der prov. Sperre
27. Juli: Entscheid der ad hoc Kammer des CAS in Tokio betreffend Wiedereinsetzung der prov. Sperre

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