«Der privaten Knallerei wollen wir einen Riegel schieben»: Aargauer will Feuerwerk schweizweit verbieten – und Ausnahmen zulassen

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Der Nationalfeiertag wurde mit Feuerwerk begangen. Archivbild: Keystone

Roman Huber, ehemaliger Redaktionsleiter des Badener Tagblatts und Inhaber einer Hundeschule in Untersiggenthal, nervt sich schon seit Jahren über privates Feuerwerk. Nach dem letzten Silvester machte er seinem Unmut in einem Beitrag auf Facebook ausführlich Luft. Der Post wurde rund 250-mal geteilt und Huber erhielt danach Dutzende private Nachrichten von anderen Feuerwerkgegnern. «Sie ermutigten mich und schrieben, dass sie mich unterstützen würden, wenn ich in politischer Form gegen die Knallerei aktiv würde», sagt Huber.

Aus dem Facebook-Post und den Reaktionen darauf ist inzwischen ein nationales Volksbegehren geworden. Am Montag nach dem 1. August verschickte Huber im Namen des Vereins Feuerwerksinitiative eine Mitteilung mit dem Titel: «Feuerwerksknallerei: Jetzt ist genug!» Die Zeit sei reif für eine Initiative zum Schutz von Menschen, Tier und Umwelt, heisst es in der Mitteilung. Der Text der eidgenössischen Volksinitiative «Für eine starke Einschränkung von Feuerwerk» liegt derzeit bei der Bundeskanzlei in Bern zur Prüfung.

Roman Huber lanciert mit einem Komitee eine Initiative für ein Feuerwerkverbot in der Schweiz.

Roman Huber lanciert mit einem Komitee eine Initiative für ein Feuerwerkverbot in der Schweiz.

Carla Stampfli / BAD

Die genaue Formulierung steht zwar noch nicht, aber Huber stellt auf Anfrage der AZ klar:

«Die Initiative verlangt, dass der Verkauf und die Verwendung von Feuerwerk mit Knalleffekt schweizweit verboten wird.»

Ausnahmen sollen für Anlässe von überregionaler Bedeutung möglich sein: Das Neujahrsfeuerwerk in Baden, oder die Feuerwerke am Seenachtsfest Luzern oder am Zürifest sollen auf Gesuch hin von den Kantonsregierungen bewilligt werden können. «Der privaten Knallerei, die oft schon Tage vor dem 1. August beginnt, wollen wir aber einen Riegel schieben», sagt Huber.

Er und seine Mitstreiter – unterstützt wird die Initiative unter anderem vom Schweizer Tierschutz und von der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft - fühlen sich durch die Zustände am Nationalfeiertag bestätigt. «Pandemie-Frust, Sommerferien zu Hause und 1. August am Sonntag – das waren wohl die Gründe für eine Knallerei, wie man sie bislang vielerorts selten erlebt hat», heisst es in der Mitteilung.

Kantonspolizei postete Hund mit Gehörschutz am 1. August

Roman Huber, der selber Hunde hält, betont im Gespräch, dass er die Initiative nicht aus Eigeninteresse lanciert habe. «Einer meiner Hunde ist leicht sensibel auf Feuerwerk, der andere stört sich überhaupt nicht daran», sagt er. Auch die Kantonspolizei Aargau machte auf Facebook darauf aufmerksam, dass Hunde unter der Knallerei am 1. August leiden.

Huber hält fest, es gebe Millionen von Haus-, Nutz- und Wildtieren, aber auch Tausende hochsensibler oder psychisch beeinträchtigter Menschen, die unter dem lauten Feuerwerk litten. Zudem werde die Umwelt durch Feinstaub, Schwermetalle sowie Dioxine und Furane belastet, kritisieren die Initianten. «Die Betroffenen haben nur einen Trost: Bis zum Jahreswechsel dürfte wieder Ruhe herrschen», heisst es in der Mitteilung.

Vielen Leuten seien die negativen Auswirkungen des Feuerwerks sehr wohl bewusst und sie versuchten «seit Jahren gegen diesen Missstand mobil zu machen», schreibt das Komitee. Die Initianten berufen sich unter anderem darauf, dass der jetzige Zustand der Bundesverfassung widerspreche, wo in Artikel 74 «der Schutz der Menschen und deren natürlichen Umwelt vor schädlichen und lästigen Einwirkungen» und in Artikel 80 speziell der «Schutz der Tiere» verankert sei.

Feuerwerksverbot im Aargau im Jahr 2015 deutlich abgelehnt

Dies in einem Gesetz festzuschreiben, sei bisher aber nicht gelungen, sagt Huber. Auf kantonaler Ebene scheiterte eine Volksinitiative für ein Verbot von Feuerwerk im Jahr 2015 im Aargau an der Urne recht deutlich. Damals lehnten fast zwei Drittel der Stimmenden die Initiative ab, im Grossen Rat war das Anliegen mit 115 zu 9 Stimmen noch deutlicher verworfen worden.

Ein Blick auf das Abstimmungsprotokoll von damals zeigt: Alle damaligen Aargauer Grossratsmitglieder, die heute im National- oder Ständerat sitzen, sagten Nein: Thomas Burgherr, Benjamin Giezendanner, Andreas Glarner, Alois Huber, Stefanie Heimgartner (alle SVP), Thierry Burkart, Matthias Jauslin, Maja Riniker (alle FDP), Marianne Binder (CVP/Die Mitte), Lilian Studer (EVP) und Irène Kälin (Grüne) lehnten das Verbot ab.

Trotz des klaren Resultats im Aargau ist Roman Huber zuversichtlich, dass die Feuerwerksverbots-Initiative auf nationaler Ebene gute Chancen hat. «Das Volksbegehren im Aargau war nicht optimal aufgegleist und wurde praktisch nur von links-grüner Seite getragen, dabei ist ein Verbot der Knallerei keine politische Frage», sagt er.

Bevölkerung von Davos stimmte Verbot mit 75 Prozent zu

Hoffnung schöpft Huber aus dem Resultat einer Volksabstimmung in Davos im letzten Herbst. Dort wurde eine Initiative für eine Einschränkung von Feuerwerk mit einem Dreiviertelmehr angenommen. Die Gemeinde wies auf ihrer Webseite letzte Woche mit Blick auf den 1. August nochmals ausdrücklich auf das geltende Verbot hin. Davon ausgenommen sind nur kleine Feuerwerkskörper wie Tischfeuerwerke, Wunderkerzen, bengalische Feuer und Vulkane.

Huber und sein Komitee streben nun schweizweit eine solche Regelung an. Nach der Prüfung und Übersetzung des Textes dürfte ihre Volksinitiative wohl im September im Bundesblatt publiziert werden. Danach beginnt die Sammelfrist für die nötigen 100'000 Unterschriften, damit die Initiative zustande kommt. Ich bin sicher, dass wir diese innert kurzer Zeit zusammen haben werden, sagt Roman Huber.

Auch im Hinblick auf eine Volksabstimmung ist er optimistisch: Wir gehen von einer soliden Mehrheit aus. Das Argument, ein Verkaufs- und Abbrennverbot für Feuerwerk wäre ein Schlag für die Wirtschaft, lässt der Untersiggenthaler nicht gelten. «Die Tourismusbranche wird ein x-faches des Verkaufserlöses zurückgewinnen, weil keine Schweizer mit Haustieren mehr am 1. August und an Silvester ins Ausland gehen», sagt er.

 
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