Panne: So viele infizierte Aargauer Reiserückkehrer wie nie – aber das Contact-Tracing-Center konnte keine Quarantäneverfügungen verschicken

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Innerhalb einer Woche wurden im Aargau mehr als 100 neue Coronafälle bei Reiserückkehrern registriert. Alexandra Wey / Keystone

Für diesen Montag meldet der Kanton Aargau insgesamt 86 neue Coronafälle – mit 41 Infizierten entfällt fast die Hälfte davon auf Einreisen aus dem Ausland. Dies ist der höchste Tageswert von Ansteckungen bei Reiserückkehrern seit dem Ausbruch der Pandemie. Auch in den Tagen zuvor waren die Zahlen schon hoch: Seit dem Montag vor einer Woche wurden total 102 neue Coronafälle bei Ferienrückkehrern verzeichnet.

Dies ist rund ein Sechstel aller bisherigen «importierten» Ansteckungen: Seit dem Ausbruch der Pandemie wurden 612 positive Fälle bei Rückkehrern registriert. Derzeit ist die Inzidenz in zahlreichen Ferienländern wie Italien, Spanien, Griechenland oder Zypern hoch. Wo die positiv getesteten Personen vor ihrer Rückreise in den Aargau in den Ferien waren, ist indes nicht bekannt. Der Kanton erhebt nur Daten für Fälle aus Ländern, die derzeit auf der Liste der Risikogebiete des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) stehen.

Contact-Tracing-Center konnte tagelang keine Verfügungen verschicken

Wenn im Aargau jemand positiv auf Corona getestet wird, tritt das Contact-Tracing-Center (Conti) in Aktion. Die angesteckte Person wird in Isolation geschickt, für enge Kontaktpersonen wird Quarantäne verhängt. Beides wird mit schriftlichen Verfügungen angeordnet, die an die Betroffenen verschickt werden. Oder besser: Verschickt werden sollten, denn tagelang gibt es beim Conti massive Probleme.

«Seit zwei Tagen sind keine Verfügungen mehr verschickt worden. Dies ist systemtechnisch bedingt. Die offenen Verfügungen werden nächste Woche versendet.»

Das steht in einem Rapport des Conti vom 23. Juli, welcher der AZ vorliegt. Fünf Tage später, am 28. Juli, steht im Rapport:

«Aufgrund von Anpassungen ist das Versenden von Verfügungen immer noch pausiert.»

Am 21. Juli, also am gleichen Tag, als die Probleme mit dem Versand der Verfügungen begannen, wurden die Belegschaft im Contact-Tracing-Center über einen massiven Stellenabbau informiert. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den angekündigten Entlassungen und dem nicht funktionierenden Verfügungssystem?

Mitarbeiter berichtet von fehlender Arbeitsmoral und geringer Motivation

Ein Contact-Tracing-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, schreibt der AZ: «Aufgrund der Umstände herrscht unter den Mitarbeitenden eine sehr grosse Unruhe und es ist bei vielen keine Arbeitsmoral und keine Motivation mehr vorhanden. Darunter leidet enorm die Qualität des Contact-Tracing, was letztendlich der Pandemiebekämpfung und somit der Bevölkerung schadet.» Der Mitarbeiter bestätigt, dass der Versand der Quarantäne- und Isolationsverfügungen bereits seit dem 21. Juli aufgrund von personellen und technischen Problemen pausiert sei.

Tagelang konnte das Contact-Tracing-Center keine Isolations- und Quarantäneverfügungen verschicken.

Tagelang konnte das Contact-Tracing-Center keine Isolations- und Quarantäneverfügungen verschicken.

Chris Iseli

«Somit haben die Infizierten und ihre Kontaktpersonen nichts in der Hand, was sie dem Arbeitgeber zur Abrechnung mit der EO oder mit der Krankenversicherung vorlegen könnten», erläutert er. Dies sei verheerend, weil die betroffenen Personen deshalb ihren Lohn nicht rechtzeitig und/oder nicht in voller Höhe ausgezahlt bekämen. «Diese Probleme gab es bereits in hohem Masse während der zweiten Welle», hält der Mitarbeiter fest.

Damals trafen Quarantäneverfügungen teilweise mit wochen- und monatelanger Verspätung ein, weil das Contact-Tracing aufgrund der hohen Fallzahlen schlicht überlastet war. Dies kann momentan nicht Ursache der Probleme sein, denn die Neuinfektionen bewegen sich im Aargau derzeit auf relativ niedrigem Niveau. Wurden im November und Dezember zum Teil über 500 neue Fälle pro Tag registriert, lagen die Zahlen mit durchschnittlich 50 (Freitag: 64, Samstag: 36, Sonntag: 50) in den letzten drei Tagen um den Faktor zehn tiefer.

Unterschriften bei den Verfügungen mussten geändert werden

Maria Gares, Mediensprecherin des Gesundheitsdepartements, bestätigt auf Anfrage die Probleme mit den Verfügungen. «Bei einigen Personen wurden die formalen Verfügungen erst Ende letzter Woche verschickt, also mit gut einer Woche Verzögerung», teilt sie mit. Zwischen dem 22. und 29. Juli konnten 334 Isolationsverfügungen und 218 Quarantäneverfügungen für Kontaktpersonen nicht verschickt werden. Die Betroffenen hätten jedoch umgehend per SMS eine Bestätigung mit allen notwendigen Informationen erhalten. «Das ist ein übliches Vorgehen, da es normalerweise etwa zwei Tage dauert, bis die formelle Verfügung bei den Betroffenen ankommt», erklärt Gares.

Grund für die Probleme beim Versand sei der Wechsel im kantonsärztlichen Dienst gewesen, der die Verfügungen formal erlassen muss. Kantonsärztin Yvonne Hummel hatte Anfang Juli ihre Kündigung eingereicht – sie hatte bisher die Verfügungen unterzeichnet. Dies musste laut Gares geändert werden, neu tragen Isolations- und Quarantäneverfügungen die Unterschriften von Andrée Friedl (Infektiologin am Kantonsspital Baden), Christoph Fux (Infektiologe am Kantonsspital Aarau) sowie der stellvertretenden Kantonsärztin Celina Belfrage. Inzwischen sind alle Anpassungen abgeschlossen und seit Ende letzter Woche können die Verfügungen wieder verschickt werden. «Das wird für alle Betroffenen nachgeholt», sagt die Sprecherin des Gesundheitsdepartements.

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